Leitartikel: Sensation oder Flop

Kai Mudra über Handy-Aufnahmen zum Kiesewetter-Mord.

Da war doch noch was. . . Wolfgang Drexler, der Vorsitzende des Baden- Württemberger NSU-Untersuchungsausschusses zieht vorigen Freitag Bilanz. Nächstes Jahr ist Wahl und das Gremium muss zum Abschluss kommen.

Der SPD-Mann betont, dass ein weiterer Ausschuss für die kommende Legislaturperiode angeregt werde, weil es nicht gelungen sei, das mögliche Unterstützerumfeld des NSU in Baden-Württemberg aufzuklären.

Auf Nachfrage erzählt er auch, dass sich dieses Jahr noch ein Zeuge zum Polizistenmord von Heilbronn gemeldet habe, der bisher der Polizei nicht bekannt war. Dieser habe um absolute Anonymität gebeten. Er will etwa eine Stunde vor dem Mord etwas in Heilbronn beobachtet haben.

Und dann – fast nebenbei – fällt Wolfgang Drexler noch ein, dass es einen zweiten Zeugen gibt. „Da geht es um Handy-Aufnahmen möglicherweise während der Tat.“ Das Gremium habe den Generalbundesanwalt informiert. Mehr sagt der Politiker dazu nicht. Doch die Brisanz ist spürbar.

Ob die Handy-Aufnahmen zur Aufklärung des Mordes an der aus Thüringen stammenden Polizistin beitragen können, ob sie überhaupt etwas Tatrelevantes zeigen, zu all diese Fragen fehlen derzeit die Antworten. Die Bundesanwaltschaft hält sich mit Aussagen zurück.

Schon einmal – nur wenige Tage nach den Schüssen auf Michèle Kiesewetter und ihren Kollegen – gab es einen Hinweis zur Tat. Ein Thüringer Kriminalbeamter fand in polizeiinternen Informationen genau die richtige Spur. Doch für seine Schlussfolgerungen interessierten sich damals die Ermittler nicht, die den Mord aufklären sollten.

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