Pulsschlag: Schön gerechnet

Steffen Eß über bescheidene Ansätze im Kampf um Olympia.

Der Olympia-Zweikampf ist eröffnet. Wie Berlin hat sich auch Hamburg für die Spiele 2024 in Stellung gebracht. Ihre Botschaft eint die Städte, dürfte in all ihrer Bescheidenheit jedoch auch Skepsis im Land hervorrufen.

52 Jahre nach München wieder die weltbesten Athleten zu Gast zu haben, klingt nicht bloß für den geneigten Sportfan als etwas Besonderes. Abgesehen davon, dass aber der Weg dorthin nicht nur ein langer wird.

Wenn Berlin von einer Abkehr vom Gigantismus spricht, mag das wie bescheidenes Werben ums Hochglanzformat klingen. Auch die Hamburger Spiele mit kurzen Wegen haben nur auf den ersten Blick mit hanseatischer Sparsamkeit zu tun.

Hinter dem olympischen Geist stehen milliardenschwere Investitionen. Wie Wissenschaftler der Universität Oxford errechnet haben, lagen die Kosten die Spiele in den letzten 50 Jahren durchschnittlich 252 Prozent über dem Plan.

Insofern steht hinter Wowereits verkündeter Kostenschätzung von zwei Milliarden Euro genauso nur der Wunsch wie hinter den an der Elbe vermuteten sechseinhalb Milliarden.

Den Berliner Bürger, der mit über die Bewerbung abstimmen soll, mag das ebenso wenig schocken wie den Hamburger. Seit BER und Philharmonie ist er Schönrechnerei von seinen Stadtoberen gewohnt.

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