WM-Tagebuch: Spione aus Thüringen

Marco Alles berichtet von der Biathlon-WM in Östersund

Ihnen entgeht nichts. Bewaffnet mit Notizblock und Stift sowie gezücktem Handy, um wichtige Details auch fotografisch festzuhalten, streifen sie in diesen Tagen im Skistadion umher. Sie führen viele Gespräche, erkundigen sich nach Trends und schauen genau hin, wie die Östersunder ihre Titelkämpfe durchführen. „Der Austausch zwischen den Standorten ist vom Weltverband ausdrücklich erwünscht. Wir dürfen also abgucken“, schmunzelt Silvio Eschrich, der die fünfköpfige Oberhofer Abordnung leitet.

Fünf Tage lang blicken die Organisatoren aus Thüringen hinter die schwedischen WM-Kulissen, achten auf logistische und strukturelle Besonderheiten -- vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaften 2023 am Grenzadler. Wie wird der Besucherstrom geregelt? Welche neuen Anforderungen gilt es im Medienbereich zu erfüllen? Gibt es Sicherheitsaspekte, die übernommen werden können? „Wir sind hier sehr herzlich und mit großer Offenheit empfangen worden“, sagt Eschrich.

Nach den ersten Eindrücken zeigt er sich angetan von der pragmatischen Herangehensweise der Gastgeber. „Hier achtet man sehr auf Funktionalität und mehrfache Verwendbarkeit; besonderer Komfort muss gar nicht sein.“ Zudem befänden sich an den Zugängen weniger Ordner als in Oberhof im Einsatz; dafür mehr Helfer, die den Zuschauern Fragen beantworten und Wege weisen. Auch die Anzahl der Sanitäter, die an der Strecke und im Stadion unterwegs sind, sei erheblich größer.

Auf der täglichen Fahrt von ihrer Ferienwohnung auf der Insel Frösön hinauf zur Wettkampfstätte werden die Spione aus Thüringen geleitet von Fahnen an den Straßenmasten – mit Motiven und Slogans der WM. „Das hilft nicht nur zur Orientierung bei der Anreise“, findet Eschrich. „Es bringt die Besucher auch schon in die richtige Biathlon-Stimmung.“

Und davon kann man selbst in Oberhof ja nie genug haben.

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