Online-Bewerbungen in Thüringer Verwaltungen nur selten möglich

Erfurt.  Papier war gestern, heute bewirbt man sich online? Nicht in Thüringen. Vielen öffentlichen Verwaltungen fehlt die Möglichkeit zur Verschlüsselung.

Auf die meisten Stellen in Thüringer Behörden können sich Bewerber nach wie vor nur mit der klassischen Bewerbungsmappe bewerben. Den Verwaltungen fehlen die nötigen technischen Voraussetzungen für Online-Verfahren.

Auf die meisten Stellen in Thüringer Behörden können sich Bewerber nach wie vor nur mit der klassischen Bewerbungsmappe bewerben. Den Verwaltungen fehlen die nötigen technischen Voraussetzungen für Online-Verfahren.

Foto: Christin Klose

Thüringen ist noch immer ein Entwicklungsland – zumindest was die Möglichkeit betrifft, sich online für eine Stelle in der öffentlichen Verwaltung zu bewerben. Während die freie Wirtschaft Jobs fast nur noch im elektronischen Bewerbungsverfahren vergibt und dafür auch Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin nutzt, bestehen viele Behörden nach wie vor darauf, Bewerbungsunterlagen auf dem Postweg zu übermitteln. Ausschreibungen werden sogar mit dem Hinweis versehen, dass digital eingehende Bewerbungen „aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig“ sind und „daher nicht berücksichtigt“ werden. So hat die Stadt Bad Berka (Weimarer Land) jüngst die Stelle des Ordnungsamtsleiters und die einer Mitarbeiterin in der Stadtkasse ausgeschrieben und dabei auf die klassische Bewerbungsmappe bestanden, obwohl – was schon kurios anmutet – beide Stellen auch bei Xing und Linkedin zu finden waren.

Doch aus Sicht von Lutz Hasse, Thüringens Landesbeauftragtem für den Datenschutz, geht das in Ordnung. Würden Bewerber nämlich dazu aufgefordert, sich per E-Mail auf eine ausgeschriebene Stelle zu bewerben, müsste für den Transport „eine geeignete Verschlüsselungsmöglichkeit zur Verfügung stehen“. Schließlich komme Bewerbungsunterlagen besonderer Schutzbedarf zu. Um sie vor unbefugter Kenntnisnahme, aber auch vor unbeabsichtigtem Verlust, vor Zerstörung oder Schädigung zu schützen, müssten entsprechende technische und organisatorische Maßnahmen getroffen werden. Konkret: Es müsste „ein gesondertes Postfach eingerichtet werden, auf das entsprechend § 80 Abs. 1 Thüringer Beamtengesetz nur Beschäftigte Zugriff haben, die mit der Bearbeitung von Personalangelegenheiten beauftragt sind“.

Warum viele Thüringer Behörden nicht in der Lage sind, sichere Verschlüsselungsverfahren zur Verfügung zu stellen, ob es am Aufwand oder an den finanziellen Mitteln scheitert, vermag Hasse nicht zu sagen. Stattdessen verweist er auf die Positivbeispiele, die belegen, dass es durchaus geht: „Justiz und Finanzbereich sind schon dazu übergegangen, Bewerbungen nur noch über Web-Portale entgegenzunehmen.“

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