Episode 72

"Ich hab's versucht": Hollitzer trifft Eckart von Hirschhausen

| Lesedauer: 2 Minuten

Der Arzt, Comedian und Moderator über Radfahren, Wissenschaft mit Showcharakter, den Klimawandel und seine Verbindung zu Thüringen.

Wir leben besser und länger als jede Generation vor uns, sagt der Mediziner, Wissenschaftsjournalist und beliebte TV-Moderator Eckart von Hirschhausen in seinem neuen Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es schön haben“. Und doch sind wir verletzlicher als gedacht: Ein Virus hält uns in Atem und ungebremst schlittern wir in die Klimakrise. Mit TA-Chefredakteur Jan Hollitzer spricht der die ernsten Dinge oft heiter anpackende Mann über…

...die fahrradfreundlichste Persönlichkeit 2021:

Man kann sich die Preise nicht aussuchen, die man kriegt. Aber diesen habe ich gern angenommen, ja, von unserem Verkehrsminister Andreas Scheuer, der tatsächlich eine Menge für den Ausbau des Radverkehrs getan hat. Es gibt jetzt geschütztere Radwege und die Möglichkeit, in den Städten sicher mit dem Rad zu fahren. Und jeder weiß, es ist gesünder, die eigenen Fettpolsterchen zu verbrennen, als Diesel.

...die Verbindung von Journalismus und Showbühne:

Es gibt einen schönen Satz des dänischen Philosophen Kierkegaard: Leben kann man nur vorwärts, verstehen kann man es nur rückwärts. Ich hatte lange die Zauberei und das Kabarett als Hobby neben meinem Medizinstudium und hätte nie gedacht, dass das mal mein Beruf werden könnte. Plötzlich war ich Moderator in Mitternachtsshows, und es gab eine Ausschreibung zum Wissenschaftsjournalisten. Ich finde, die Kombination Wissenschaft und Bühne klappt wunderbar.

...seinen sonderbaren Namen:

Ich stamme aus einer deutsch-baltischen Gelehrtenfamilie, die mal aus Thüringen ausgewandert ist. Es wird oft gefragt, ob von Hirschhausen ein Künstlername ist. Es gibt ja Jürgen von der Lippe und Hella von Sinnen, die haben sich das ausgedacht. Aber ich wurde mit einem Künstlernamen geboren. Insofern verbinden mich mit Thüringen tiefe Wurzeln. Eine Cousine von mir hat in Saalfeld eine Apotheke. Und ich bin auch mit einer Forscherin in Erfurt an der Uni sehr eng befreundet.

...über sein neues Buch:

Ich wusste vor fünf Jahren nicht, dass ich mich mal so intensiv mit Klimawandel und Gesundheit beschäftigen würde. Wir müssen uns bewusst werden, dass wir gerade dabei sind, unsere Lebensgrundlage zu zerstören. Corona ist eine Gesundheitsgefahr. Viel bedrohlicher aber sind Luftverschmutzung, Wassermangel und steigende Temperaturen. 8,8 Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr an Luftverschmutzung. In Deutschland kostet sie uns ungefähr zwei Lebensjahre.

...seinen inneren Antrieb als Autor:

Wir müssen in die Zukunft investieren. Wenn wir alt und grau sind und gefragt werden, was wir 2020 oder 2021 gemacht haben, kann ich sagen: Ich hab’s versucht.