Episode 37

„Oper ist nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ - Hollitzer trifft Christina Bock

TA-Chefredakteur Jan Hollitzer spricht im Podcast „Hollitzer trifft“ mit Mezzosopranistin Christina Bock über ihre Liebe zur Bühne und zur Musik.

Cover Podcast "Hollitzer trifft"  

Cover Podcast "Hollitzer trifft"  

Foto: Sascha Fromm/ Antonia Woitschefski / TA

Die in Ilmenau geborene Mezzosopranistin Christina Bock wagt nach Engagements an Häusern wie der Semperoper Dresden oder der Königlichen Oper im Londoner Covent Garden gerade den Schritt in die künstlerische Selbstständigkeit. Im Dezember debütiert sie an der Wiener Staatsoper in der „Fledermaus“. Mit TA-Chefredakteur Jan Hollitzer spricht sie über...

… die Gründe für die Selbstständigkeit: Ich habe immer schon frei arbeiten können und über die Jahre gemerkt, dass es besser zu mir passt als Mensch, frei über meine Zeit zu bestimmen. Ich reise sehr gern, was auch künstlerisch sehr lehrreich ist. Neun Jahren in festen Ensembles waren eine tolle Arbeit und Erfahrung, man macht sehr viel gleichzeitig und parallel und muss jeden Tag liefern. Als Freischaffende konzentriert man sich auf eine Sache, das liegt mir künstlerisch mehr.

...ihren Weg zum Gesang: Meine Eltern machen beide nichts mit Musik. Ich bin da reingestolpert. Ich wollte immer auf die Bühne, habe früh getanzt und ab der 7. Klasse Schauspiel gemacht. Mir war gar nicht klar, dass mein Talent in der klassischen Musik liegt. Bevor ich anfing, Gesang zu studieren, hatte ich nicht eine Oper gesehen. So habe ich mich von meiner Stimme leiten lassen, was ich auch heute noch mache. Wohin sie mich führt, da gehe ich mit.

…das Lernen von Texten: Ich versuche selber zu verstehen, wie das Gehirn eines Sängers funktioniert. Ich verbinde es mit dem, was ich auf der Bühne tue. Wenn ich wieder in eine Inszenierung hineinspringe, brauche ich dafür kaum Zeit. Stücke wie die Zauberflöte hat man immer drauf. Bei moderneren Stücken oder Partien von Strauß brauche ich mindestens einen Tag, bis ich es wieder im Instrument Stimme habe. Ich bin jemand, der gern kurzfristig einspringt. Man steigt auf Zuruf in einen Flieger, schlüpft vor Ort in ein Kostüm und singt – aufregend.

…die Oper in Corona-Zeiten: Ich finde Oper häufig noch zu elitär. Teilweise haben wir es schon verpasst, Lust auf Oper zu machen. Das merkt man auch in diesen Corona-Zeiten, wo wir uns fragen müssen, wo stehen wir, wer braucht uns eigentlich, sind wir systemrelevant oder nicht. Oper ist in der Mitte der Gesellschaft noch nicht richtig angekommen.

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