Flossenschwimmer Leipold: „Für mich ist es den Aufwand wert“

Jakob Maschke
| Lesedauer: 4 Minuten

Lignano/Erfurt.  Marek Leipold vom TSC Erfurt über die Faszination Finswimming, sein erfolgreiches internationales Debüt, einen Wunsch seiner Mutter und warum der Randsport für ihn keine brotlose Kunst ist.

Spaß und Ehrgeiz: Um seine Ziele zu erreichen, trainiert Marek Leipold jeden Tag.

Spaß und Ehrgeiz: Um seine Ziele zu erreichen, trainiert Marek Leipold jeden Tag.

Foto: Susanne Abe

Finswimming ist in Thüringen eine recht unbekannte Sportart. Marek Leipold trainiert hart dafür, das zu ändern. Der 16-Jährige kann nicht ohne seine Monoflosse und ist auf dem Weg ins deutsche Nationalteam. Wir sprachen mit ihm über die Faszination Finswimming, sein erfolgreiches internationales Debüt am letzten Wochenende, einen Wunsch seiner Mutter und warum der Randsport für ihn keine brotlose Kunst ist.

Für diejenigen, die es nicht wissen: Was ist Finswimming und warum wäre es nicht ganz korrekt, Sie als Flossenschwimmer zu bezeichnen?

Geschwommen wird mit einer Monoflosse, also beide Füße in einer Flosse. Je älter man ist, desto härter die Flosse. Flossenschwimmen, also mit Schnorchel über Wasser, ist nur eine Finswimming-Disziplin. Außerdem gibt es noch Streckentauchen, also unter Wasser mit Pressluftflasche, und Apnoe, also unter Wasser ohne zusätzlichen Sauerstoff. Die Distanzen gehen von 50 bis 1500 Meter.

Und Ihnen war früh klar: Das ist genau mein Ding? Sozusagen ein Mensch, der lieber ein Fisch wäre?

Kann man so sagen. Der erste Wettkampf, den ich in der Matthes-Schwimmhalle gesehen habe, war zufällig Finswimming. Es hat mich fasziniert, ich habe es ausprobiert und bin dabei geblieben.

Was genau hat Sie fasziniert?

Die Geschwindigkeit. Ich bin selbst Sprintspezialist, ein Rennen dauert nur wenige Sekunden. Also rein ins Wasser, voller Adrenalin durchziehen und als Erster anschlagen.

Ist der Trainingsaufwand mit dem Schwimmen zu vergleichen, oder anders gefragt: Sind Flossenschwimmer auch gute Schwimmer?

Nicht automatisch, aber in der Regel natürlich schon. Die Technik ist wahrscheinlich nicht ganz so gut wie bei den Spezialschwimmern, aber der Trainingsaufwand ist dennoch ganz gut vergleichbar.

Spezialschwimmen, das Sie am Erfurter Sportgymnasium im Gegensatz zum Finswimming hätten machen können, war nie eine Option?

Nein. Weil mir Finswimming von Anfang an so viel Spaß gemacht hat, war ein Wechsel nie ein Thema.

Sie haben nicht nur Spaß, sondern sind obendrein auch erfolgreich. Dafür machen Sie neben drei bis viermal Finswimming auch noch zweimal pro Woche Gerätturnen für Athletik und Beweglichkeit. Wie schafft man dieses Pensum?

Ich habe einen genauen Plan. Nach der Schule Hausaufgaben, dann Training, dann nochmal Schule, wenn ich nicht alles geschafft habe. Bisher komme ich ganz gut durch.

Ohne es despektierlich zu meinen: Lohnt sich dieser große Aufwand für eine nichtolympische Randsportart, mit der man mutmaßlich niemals Geld verdienen wird?

Wahrscheinlich ist das so, wobei es durchaus Finswimmer gibt, die als Berufssoldaten in erster Linie für den Sport leben. Bis ich die Schule beendet habe, will ich erstmal so viel trainieren wie möglich. Dieses Jahr will ich es in die Jugend-Nationalmannschaft schaffen, um bei EM und WM dabei zu sein. Also ja, für mich ist es den Aufwand wert.

Ihre Mutter möchte gern, dass Sie in Thüringen bleiben. Steht für Sie der Wechsel an eine Sportschule, wie etwa nach Leipzig, zur Debatte?

Nein. Ich bin in Erfurt sehr glücklich und kann hier gut trainieren. Zweimal pro Woche bin ich zudem am Bundesleistungszentrum in Plauen, um mich auch im Training auf hohem Niveau zu messen.

Einen großen Schritt auf dem Weg ins Nationalteam machten Sie am vergangenen Wochenende im italienischen Lignano. Beim dortigen Weltcup, Ihrem ersten internationalen Einsatz, starteten Sie auf vier Strecken und holten dreimal Bronze, zweimal mit persönlicher Bestzeit. War das so absehbar?

Nein. Als ich gesehen habe, dass ich in den Meldelisten vorn dabei bin, hat mich das richtig angestachelt.