Rom. Der Traum vom Leben im Süden lockt viele Senioren. Wie funktioniert das mit Rente und Krankenversicherung? Vier Auswanderer erzählen.

Für viele Deutsche steht das Urlaubsziel außer Frage. Italien lockt hierzulande die Menschen mit heißen Mittelmeerstränden und leckerem Essen. Gerade Rentnern reicht der Urlaub auf absehbare Zeit aber nicht aus – sie entscheiden sich, für immer zu bleiben. Aber wie lebt es sich im Alter im Süden? Wie funktioniert es mit der Überweisung der Renten, wie mit der Krankenversicherung? Vier Beispiele von Menschen, die ihren Alterswohnsitz nach Italien verlegt haben, aber in Deutschland Steuern bezahlen.

Marlene Schuster (73)

Im Norden der Toskana, ganz abseits der Touristenpfade, befindet sich die Hügellandschaft der Lunigiana. Die Gebiete im Hinterland des Meeres sind nur mäßig von Touristen besucht, sodass man hier noch die ursprüngliche Natur und das einfache Leben auf den charakteristischen Dorfplätzen findet. Im Herzen der Lunigiana liegt die 600-Einwohner-Gemeinde Monzone. Hierhin ist die Kölnerin Marlene Schuster im Jahr 2019 gezogen.

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„Ich hatte davor 18 Jahre lang im Südwesten Englands gelebt und Krankenpfleger ausgebildet. Nach dem ‚Brexit‘ war ich mit der Stimmung in England unzufrieden. Da ich inzwischen allein etwas Italienisch gelernt hatte, habe ich mich zum Wechsel in die Toskana entschlossen“, erzählt die 73-Jährige.

„Ich mache wenige Schritt außer Haus und bin schon im Wald“

Das Schreckgespenst Bürokratie hat sie nicht gebremst. Ihre Rente bezieht sie aus Deutschland, einmal im Jahr muss sie sich im italienischen Finanzamt eine Bestätigung aushändigen lassen, dass sie keine Einkünfte in Italien hat. Ihren Wohnsitz hat Marlene Schuster in die Toskana verlegt. Sie ist weiterhin in Deutschland krankenversichert, hat aber in Italien einen Hausarzt. Die Überweisung der vollen Rente aus Deutschland, wo diese auch versteuert wird, ist unproblematisch: Das ist im Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Italien geregelt.

Marlene Schuster (73) ist 2019 nach Italien gezogen. In Monzone, wo sie sich eine Wohnung gekauft hat, liebt sie die Natur und das Leben ohne Auto.
Marlene Schuster (73) ist 2019 nach Italien gezogen. In Monzone, wo sie sich eine Wohnung gekauft hat, liebt sie die Natur und das Leben ohne Auto. © Privat | Privat

In Monzone, wo sie sich eine Wohnung gekauft hat, liebe sie die Natur und das Leben ohne Auto. „Ich mache wenige Schritt außer Haus und bin schon im Wald. Gleich um die Ecke ist ein schöner Fluss, man kann gut wandern, das war vor allem während der Pandemie günstig“, erzählt die Mutter von vier Kindern, die alle im Kölner Raum wohnen. Seitdem sie in Italien lebt, ist Schuster gelassener. „In Deutschland ärgert man sich oft, wenn die Dinge nicht schnell vorangehen. Hier habe ich gelernt, ruhiger mit den Dingen umzugehen“, sagt Schuster.

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Rainer Eisele (72)

Als Kunstlehrer und Maler hat Rainer Eisele in seinem Leben viele Länder bereist. Vor 17 Monaten ist der aus Engen stammende 72-Jährige dem Ruf gefolgt, nach Süditalien zu ziehen. „Ich hatte von sizilianischen Gemeinden erfahren, die Häuser für einen symbolischen Preis von einem Euro verkaufen, und wollte ursprünglich nach Sizilien ziehen. Doch dank einer ehemaligen italienischen Schülerin habe ich Putignano in der Region Apulien kennengelernt – und habe mich in diese Ortschaft voll verliebt“, erzählt der ehemalige Realschullehrer.

Leben in Italien – „Ein Espresso kostet hier einen Euro“

Das Meer ist nur 20 Kilometer entfernt und das Klima wunderbar. „Meine physische und psychische Gesundheit hat sich stark gebessert. Auch bei den Finanzen sieht es besser aus, denn die Lebenskosten sind hier viel niedriger als in Deutschland. Für die gleiche Miete kann ich mir hier eine doppelt so große Wohnung leisten. Ein Espresso kostet hier einen Euro. Ich mag die Sprache und den Umgang der Menschen mit älteren Leuten und Kindern“, erzählt Eisele, der seinen Wohnsitz nach Putignano verlegt hat und das ganze Jahr in Italien leben will.

Als Kunstlehrer und Maler hat Rainer Eisele in seinem Leben viele Länder bereist. Vor 17 Monaten ist der aus Engen stammende 72-Jährige dem Ruf gefolgt, nach Süditalien zu ziehen.
Als Kunstlehrer und Maler hat Rainer Eisele in seinem Leben viele Länder bereist. Vor 17 Monaten ist der aus Engen stammende 72-Jährige dem Ruf gefolgt, nach Süditalien zu ziehen. © Privat | Privat

Die Steuern zahlt er weiterhin in der Heimat, mit der deutschen Krankenversicherung ist er gut abgedeckt. Auch die Sommerhitze in Süditalien fürchte Eisele nicht. „Ich ertrage hohe Temperaturen gut, und meine Wohnung hat eine Klimaanlage. Kontakte zu Freunden in Deutschland habe ich noch“, erzählt er. Von der italienischen Bürokratie lässt er sich nicht einschüchtern. „Allein um ein Bankkonto zu eröffnen, habe ich 20-mal unterschreiben müssen“, erzählt er lachend.

Monika Mattner (68)

Es gehört schon Mut dazu, wenn eine alleinstehende Rentnerin ohne Fremdsprachenkenntnisse als „Oma auf Zeit“ in eine turbulente Familie mit zwei quirligen Kleinkindern nach Italien geht. Für Monika Mattner (68) hat ein großes Abenteuer mit so manchen Hürden und skurrilen Erlebnissen begonnen. Darüber hat die ehemalige Ernährungswissenschaftlerin ein Buch mit dem Titel „Meine Reise ins Blau“ veröffentlicht.

Geplant waren zwei, drei Monate, um Land und Leben besser kennenzulernen. Nun ist sie geblieben. Sie hat sich in einem idyllischen 1200-Seelen-Dorf am Lago Maggiore niedergelassen. „Ich öffne die Haustüre, gehe 50 Meter zu einem kleinen Strand und springe in den See, das Wasser ist bis in den Herbst hinein sehr angenehm“, sagt Mattner.

Rente in Italien: „Ich liebe das gute Essen, Kunst und Kultur“

Sie hat inzwischen Italienisch gelernt und kommt mit der Alltagssprache gut zurecht. „In Deutschland habe ich keinen Wohnsitz mehr. Meine Rente bekomme ich problemlos überwiesen. Ich habe Zugang zum italienischen Gesundheitssystem, bin aber auch weiter in Deutschland krankenversichert und zahle eine private Zusatzversicherung. Sollte ich ernsthaft erkranken, würde ich mich in Deutschland behandeln lassen, weil ich mich auf Deutsch doch besser verständigen könnte“, so Mattner.

Monika Mattner (68) hat sich in  einem idyllischen 1.200-Seelen-Dorf am Lago Maggiore niedergelassen.
Monika Mattner (68) hat sich in  einem idyllischen 1.200-Seelen-Dorf am Lago Maggiore niedergelassen. © Privat | Privat

Ihr Leben in Italien genieße sie in vollen Zügen. „Ich liebe das gute Essen, Kunst und Kultur und die entspannte Lebensweise. Für jüngere Menschen ist es in Italien beruflich eher schwierig, aber als Rentnerin kann ich Italien nur empfehlen“, erzählt sie.

Nicole Weber (45)

Der gewohnte Sommerurlaub in Italien, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt, war für Nicole Weber (45) nicht mehr genug. Anfang dieses Jahres hat sie gemeinsam mit ihrer pensionierten Mutter und ihrem Onkel das Städtchen Langenau in Baden-Württemberg verlassen und ist in die 1.000-Einwohner-Gemeinde Salara in der norditalienischen Provinz Rovigo unweit der Mündung des Flusses Po gezogen.

„Seit einem schweren Arbeitsunfall beziehe ich eine Erwerbsminderungsrente. Auch meine Mutter Elsbeth ist Rentnerin. Wir haben uns als ganze Familie auf das Abenteuer eingelassen und haben Glück gehabt. Mithilfe einer deutschsprachigen Vermittlerin haben wir ein Haus gefunden, 130 Kilometer von Venedig entfernt. Es ist ganz einfach gegangen, wir sind hier wirklich glücklich“, erzählt Nicole Weber.

„Die Überweisung der Rente erfolgt unproblematisch“

Die Familie hat ihren Wohnsitz nach Italien verlegt, die Renten bekommen sie automatisch überwiesen. „Ich habe privat eine zusätzliche Krankenversicherung abgeschlossen, weil das die Gemeinde hier verlangt hat. Die Überweisung der Rente erfolgt unproblematisch, einmal pro Jahr muss ich in Deutschland eine Aufenthaltsbescheinigung vorlegen“, berichtet Weber.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Umzug nach Italien hat sich für die Familie Weber voll gelohnt. „Das war für uns der beste Schritt. Wir haben unser Haus in Deutschland verkauft und in sechs Monaten eine große Lebensumstellung vollzogen. Jetzt haben wir wunderbare Nachbarn, die Dorfbewohner sind sehr hilfsbereit. Die Mentalität ist ganz anders als in Deutschland. Wir fragen uns, warum wir nicht schon viel früher ausgewandert sind.“