Berlin. Die Landwirte überschreiten Grenzen, wenn sie unliebsame Berichterstattung in Medien mit Gewalt verhindern wollen – wo soll das enden?

Es gab viel Verständnis für Bäuerinnen und Bauern, als sie mit ihren Traktor-Kolonnen bundesweit ein Zeichen setzten. Gegen politische Gängelung, gegen willkürliche Sparmaßnahmen und gegen eine um sich greifende Missachtung ihres Berufsstandes. Jetzt muss die Bauernschaft aufpassen, dass nicht einzelne Gruppen überziehen und den Anliegen der Landwirte – und uns allen – gewaltig schaden.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es häufen sich Blockaden gegen Medien, am Wochenende war eine Großdruckerei im Norden betroffen. Dabei geht es nicht darum, auf Missstände hinzuweisen. Die Blockaden sollen einschüchtern, Berichterstattung verhindern und man hat das Ziel leider erreicht. Zeitungen verschiedener Verlage – auch aus diesem Haus – konnten nicht pünktlich ausgeliefert werden. Die Leidtragenden sind Leserinnen und Leser, die ein Recht darauf haben, informiert zu werden.

Jörg Quoos ist Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion in Berlin.
Jörg Quoos ist Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion in Berlin. © ZRB | Dirk Bruniecki

Es ist wiederum das gute Recht der Bauern, Medien zu kritisieren. Aber den Vertrieb zu verhindern, ist eine unerträgliche Zensur. Wo kommen wir hin, wenn jede Lobbygruppe Druckereien blockiert, bis man zufrieden mit den journalistischen Beiträgen ist? Sollen sich Ampelpolitiker festketten, um mal wieder gelobt zu werden? Oder AfD-Politiker, um weniger kritisch behandelt zu werden. Oder die Führung des FC Bayern, weil man in den Sportteilen nicht gut wegkommt?

Es liegt in der Natur der Sache, dass in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit am Ende immer jemand unzufrieden ist. Das auszuhalten, ist eine Spielregel der der Demokratie. Daher müssen Zeitungen ungehindert ihre Leserinnen und Leser erreichen. Wer das mit Gewalt verhindert, will Meinung kontrollieren. Und dafür darf es kein Verständnis geben.