Die Liebschaften der deutschen Politiker

In ihrem Liebesleben stehen sie den Durchschnittsbürgern in nichts nach und sorgen mit ihren Affären und Amouren für jede Menge Schlagzeilen. Aber nicht alle ertappten Sünder bekennen sich zu ihrer heimlichen Leidenschaft.

Zu seinem ersten offiziellen Termin außerhalb Berlins nach seiner Amtsübernahme nahm Bundespräsident Joachim Gauck seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am vergangenen Dienstag mit in die Leipziger Thomaskirche. Gauck ist noch verheiratet. Foto: dpad

Zu seinem ersten offiziellen Termin außerhalb Berlins nach seiner Amtsübernahme nahm Bundespräsident Joachim Gauck seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am vergangenen Dienstag mit in die Leipziger Thomaskirche. Gauck ist noch verheiratet. Foto: dpad

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Es hat den Anschein, als lebten wir in der deutschen Biedermannrepublik. In anderen Ländern überraschen die Präsidenten ihr Volk mit Bunga-Bunga-Folklore oder Spielchen mit Praktikantinnen. Hierzulande walzt die Medienmaschine das Mikro-Thema breit, ob ein neuer Präsident in wilder Ehe leben darf oder nicht. In Frankreich wurde sogar die First Lady in der laufenden Regierungszeit ausgetauscht.

Gibt es denn gar nichts in Berlin, was des Voyeurs Auge erglühen und sein Herz höher schlagen lässt?

Eigentlich hatten sich die Medien in der Bonner Republik darauf verständigt, Affären und Amouren nur dann öffentlich zu machen, wenn sie politische Auswirkungen haben. So hätte ein Klatschreporter am Rhein gar Unglaubliches sehen und erleben, aber nichts schreiben können.

In Berlin gilt zwar immer noch dieser Anspruch, aber es sind hier auch immer Schwärme von Skandalreportern auf Futtersuche, die auch im Politik-Ressort wildern und so die stille Vereinbarung bröckeln lassen.

So war es kein großes Geheimnis, dass Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin ein Gschpusi hatte. Aber als der bis dahin dreifache Vater bei einer Reportage aus seinen vier familiären Wänden allzu sehr die sittlichen Werte lobhudelte, beschloss eine Zeitung, dass hier politisch relevante Doppelzüngigkeit vorlag und berichtete über seine vierte Vaterschaft.

Da viele Bundestagsabgeordnete durch riesige Innenhöfe in die Bürofenster ihrer Kollegen schauen können, gab es vor Jahren ein bizarres Gerücht, in dem ein Politiker, seine Sekretärin, ein Schreibtisch und ein Fotohandy die Hauptrollen spielten. Der Politiker heiratete danach zwar seine Mitarbeiterin, führte medienöffentlich mit seiner prominenten Ex einen verbissenen Rosenkrieg, ging politisch pleite und hat heute einen schönen Job in einer schönen Stadt. Das Gerücht blieb aber für immer ein Gerücht.

Dass sich das Gerede über Bundeskanzler Willy Brandt (SPD), er wäre dem schönen Geschlecht auch außerehelich sehr zugetan, so hartnäckig hielt, hatte zwei Gründe. Zum einen befeuerten damit die politischen Gegner das Getuschel in Bonn und zum anderen stimmte es. Geradezu zur Legende wurde ein auf Brandts Nachttisch in seinem Hotel vom Personal aufgefundenes Kollier. Jahrzehntelang wurde über den Namen der Besitzerin gemutmaßt und auch eine bestimmte Journalistin favorisiert. Erst 2004 stellte sich heraus, dass eine andere Reporterin Brandts langjährige Geliebte war. Aber ob sie auch die Besitzerin des Schmuckstücks war, weiß bis heute niemand.

Heftige Verwirrungen der eigenen Hormone hat auch schon Politiker aus der Laufbahn gekegelt.

Zu den Landtagswahlen am 5. Mai sollte in Schleswig-Holstein Christian von Boetticher als CDU-Spitzenkandidat antreten. Eine Affäre mit einer nur 16-jährigen Schülerin kostete ihn (zunächst) seine Karriere. Auch deshalb, weil "Parteifreunde" dieses Intimwissen gegen ihn gezielt ausspielten.

Joschka Fischer heiratete seine "Affären"

Der Abgeordnete Jörg Tauss von der SPD dezimierte bei jeder Bundestagsdebatte die Zahl seiner Freunde, weil er der eifrigste Zwischenrufer des Hohen Hauses war und sich dabei als Fan des groben Keils gebärdete. Der Internetspezialist wurde mit Kinderpornografie erwischt und rechtfertigte sich, dass er selber in dem Milieu recherchiert habe. Eine fadenscheinige Begründung, sprachen die Richter, und verurteilten ihn rechtskräftig.

Joschka Fischer (Bündnisgrüne) hatte nur deshalb keine Affären, weil er diese, sobald sie ruchbar wurden, sofort heiratete. Fünf verschiedene Eheringe besitzt er bis heute, falls vier nicht eingeschmolzen wurden.

Die gleichgeschlechtliche Liebe gilt als extrem heikles Thema in der Politik, weil niemand weiß, wie die Wähler in jedem einzelnen Fall reagieren.

2001 sollen Boulevard-Reporter schon im Lack-Leder-Latex-Milieu Berlins geschnüffelt haben, um etwas über den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) herauszufinden. Der landete dann mit seinem Spruch "Ich bin schwul und das ist auch gut so" einen finalen Befreiungsschlag. Bei den Wählern steht die öffentliche Frohnatur besser als je da.

Sein Amtskollege Ole von Beust (CDU) in Hamburg sollte von seinem Koalitionspartner, dem Populisten Ronald Barnabas Schill, wegen eines angeblichen Verhältnisses mit einem Senator politisch erpresst werden. Beust setzte ihn kurz entschlossen vor die Rathaustür und dieser verschwand in der Ferne der Rausch-Nebel. Als Beust Jahre später die hanseatische Toleranz zu stark strapazierte, weil ein sehr blutjunger Bursche sein ständiger Begleiter war, verabschiedete er sich rasch aus dem Politikgewerbe.

Im politischen Berlin wussten alle auch um die Homosexualität des FDP-Chefs Guido Westerwelle. Mit Cousinen und nahen Bekannten versuchte er das bei offiziellen Anlässen zu kaschieren. Er nutzte dann aber den 50. Geburtstag von Angela Merkel, um seinen Lebensgefährten öffentlich zu präsentieren. Diese Tatsache hat ihm am allerwenigsten geschadet. Als er sich allerdings für die Belange der Homosexuellen einsetzen wollte, ging das völlig in die Hose. Selbst in der Szene wirkte er da höchst lächerlich.

1984 erschütterte eine sehr skurrile Turbulenz das Sicherheitsgebäude der Bundesrepublik. Der Vier-Sterne-General und stellvertretende Nato-Oberbefehlshaber Günter Kießling wurde verdächtigt, homosexuell zu sein und galt somit wegen Erpressbarkeit als Sicherheitsrisiko. Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU) entließ ihn aus dem Dienst.

Süffisante Schlagzeilen um Franz Josef Strauß

Als sich die Vorwürfe nicht bestätigten, wurde er wieder in den Dienst aufgenommen und nach einem Monat mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet. Wörner wurde Nato-Generalsekretär. Später wurde einer der Akteure posthum dieser Episode als Stasi-Spitzel enttarnt.

Affären sagen auch immer etwas über die politische Stärke der Akteure aus.

1971 wurde Franz Josef Strauß, Ex-Verteidigungsminister und Noch-nicht-Ministerpräsident am Central Park in New York City von Prostituierten das Portemonnaie gestohlen. Also muss er ihnen mindestens auf Armlänge nahe gekommen sein. Dieser Vorfall beflügelte zwar Kabarettisten in ihrer Häme, aber politisch geschadet hat das alles dem bajuwarischen Stier nicht.

Als allerdings 2002 Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) mit seiner Freundin Kristina Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg, Tochter des ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Rudolf Paul, für eine Illustrierte ein öffentliches Pool-Plantschen veranstaltete, während Soldaten auf dem Balkan vor einem kreuzgefährlichen Kampfeinsatz standen, überlebte er das politisch nicht. Seine Position war bereits enorm geschwächt.

Mitunter haben Affären auch eine politische Komponente. Oskar Lafontaine dürften viele familienpolitische Aussagen seiner bisherigen Frau Christa Müller auch deshalb genervt haben, weil sie damit permanent die weiblichen Ost-Mitglieder provozierte. Mit Sahra Wagenknecht ist er jetzt ein Herz, eine Seele und eine These.

So muss es aber generell nicht sein. Ein anderer Top-Politiker zeigt sich regelmäßig mit einer Redakteurin von einer Zeitung, die noch nie ein gutes Wort über seine Partei verloren hat. Die Liebe fällt hin, wo sie hinfallen will und muss nicht immer ein Skandal sein.

Affären internationaler Politiker

Iris Robinson (62) beließ es nicht nur bei der Namensgleichheit mit der Mrs. Robinson aus dem Hollywood-Klassiker "Die Reifeprüfung". Auch sie hatte einen blutjungen Liebhaber und unterstützte ihn finanziell. Leider war die echte Mrs. Robinson die Gattin des nordirischen Ministerpräsidenten, der daraufhin vorübergehend auf sein Amt verzichtete.

John Profumo, der inzwischen verstorbene britische Heeresminister, hatte 1963 ein Verhältnis mit dem Callgirl Christine Keeler, genauso wie der sowjetische Militär-Attaché Jewgenie Iwanow. In Zeiten des Kalten Krieges blieb dem britischen Gentleman nur der Rücktritt, zumal er auch vor einem Untersuchungsausschuss des Parlaments gelogen hatte.

Silvio Berlusconi (75) scherte sich als italienischer Ministerpräsident kaum um seinen Ruf. Nachgesagt werden ihm viele, meist junge Geliebte und Sexpartys in seiner Villa in Arcore unter dem Motto "Bunga-Bunga". Auch brüstete er sich damit, in einer Nacht mit acht Frauen geschlafen zu haben.

Moshe Katzav (66) wurde 2011 zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er als israelischer Präsident Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und vergewaltigt hatte. Außerdem versuchte er durch Behinderung der Justiz das Verfahren gegen ihn zu verhindern.

Arnold Schwarzenegger (64) hatte mit einer Haushälterin ein Kind gezeugt. Das wurde erst nach seiner Amtszeit als kalifornischer Gouverneur bekannt. Seine Frau Maria Shriver aus dem Kennedy-Clan ließ sich daraufhin nach 25 Jahren Ehe von dem Ex-Filmstar scheiden.

John F. Kennedy (1963 in Dallas ermordet) werden viele Affären nachgesagt. Weltstar Marilyn Monroe soll zu den Liebschaften des US-Präsidenten gehört haben. Ein weiteres Gerücht besagt, dass die Blondine auch dessen Bruder und Justizminister Robert F. Kennedy zugeneigt gewesen sein soll.

Bill Clinton (65), Präsident der USA (1993 - 2001), überstand trotz seiner Praktikanten-Affäre mit Monica Lewinski ein Amtsenthebungsverfahren, das in diesem Zusammenhang wegen eidlicher Falschaussage und Justizbehinderung angestrengt worden war.

Fidel Castro (85), kubanischer Revolutionsführer und Ex-Präsident, hat mit zwei Ehefrauen sechs Kinder sowie wahrscheinlich noch weitere sieben uneheliche Kinder.

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