Im Frühjahr 2014 beginnt Umbau des Steigerwaldstadions

Erfurt. Die Tage des maroden Erfurter Steigerwaldstadions sind gezählt. Mit der EU-Genehmigung für das Förderkonzept des Thüringer Wirtschaftsministeriums wurde die letzte Hürde auf dem Weg zu einer modernen Multifunktionsarena übersprungen.

Das Erfurter Steigerwaldstadion aus der Vogelperspektive. Es wird für mehr als 35 Millionen Euro in eine moderne Multifunktionsarena umgebaut, in der auch Konzerte und Kongresse stattfinden sollen. Foto: Sascha Fromm

Das Erfurter Steigerwaldstadion aus der Vogelperspektive. Es wird für mehr als 35 Millionen Euro in eine moderne Multifunktionsarena umgebaut, in der auch Konzerte und Kongresse stattfinden sollen. Foto: Sascha Fromm

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Im Frühjahr 2015 soll die neue Veranstaltungsstätte der Landeshauptstadt eingeweiht werden. Auch Jena bekam die Zusage für den Umbau des Abbe-Sportfeldes.

"Es gibt jetzt endgültig grünes Licht", sagte Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD). Damit seien die Bedenken ausgeräumt, die millionenschwere Förderung könnte gegen europäisches Beihilferecht verstoßen. Mit der Entscheidung bestehe Rechtssicherheit.

Im Mai 2011 hatte Machnig gemeinsam mit den Oberbürgermeistern der Städte Erfurt und Jena erste Pläne vorgestellt. "Es gab viele Besserwisser und Nichtstuer in dem Verfahren", sagte Machnig. "Für die ist dies eine echte Klatsche." Vor allem der Koalitionspartner CDU hatte immer wieder Zweifel an dieser Finanzierungsform der beiden Großprojekte geäußert.

Große Freude beim FC Rot-Weiß Erfurt

Für den Wirtschaftsminister war dieser Weg indes "die letzte Chance, mit öffentlichen Mitteln solche Projekte zu finanzieren". 84 Prozent der Gesamtkosten kommen aus Mitteln zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Den Rest müssen die Städte aufbringen.

Während in Erfurt der Stadtrat dem Projekt bereits zugestimmt hat, erwägt Jena noch, auf die Fördergelder zu verzichten und die Modernisierung selbst zu finanzieren. Die Stadträte befürchten, die um ein Vielfaches höheren Betriebskosten nicht stemmen zu können.

Allerdings ist das Abbe-Sportfeld auch in einem deutlich besseren Zustand als das Steigerwaldstadion. Rund acht Millionen Euro wären dort nötig, um die gröbsten Mängel zu beseitigen. Beim Umbau in eine Multifunktionsarena beträgt der Eigenanteil Erfurts 5,8 Millionen. Entsprechend zufrieden zeigte sich Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD), der am Freitag den Fördermittel-Bescheid über 29 Millionen Euro entgegennahm.

"Das ist ein schöner Tag für Erfurt", sagte das Stadtoberhaupt. "Jetzt können wir die Sache endlich rund machen." In den jeweiligen Ausschüssen der Stadt würde nun der einhergehende Bebauungsplan diskutiert. Mit dem Umbau soll im Erfurter Süden die gesamte Infrastruktur rund um das Stadion verändert werden.

Mit großer Freude vernahm man auch beim FC Rot-Weiß Erfurt die Botschaft. Präsident Rolf Rombach war es, der das Stadionthema vor acht Jahren erstmals aufgegriffen hatte. Am Anfang sei er oft belächelt worden. Doch mit Machnig und Bausewein an seiner Seite hätte man die Sache "zu einem guten Ende geführt", so der Klubchef.

Rombach ist überzeugt davon, "dass uns der Bescheid beflügeln und der ‚Mission 2016‘ viel Schwung verleihen wird". Bis dahin will der abstiegsbedrohte Drittligist den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht haben.

Der neue Sportvorstand Alfred Hörtnagl befand: "Die Entscheidung ist ein Meilenstein, die ein professionelles Umfeld gewährleisten wird und mit unseren sportlichen Ambitionen Hand in Hand geht."

Zwar werden die Fußballer die Hauptnutzer der neuen Arena sein. Doch auch Leichtathletik-Wettkämpfe, Breitensport-Veranstaltungen und Konzerte sollen künftig dort stattfinden - genauso wie Kongresse, Messen und Firmenfeiern in den Tagungsräumen der neuen Haupttribüne. Diese soll auf der Südpark-Seite entstehen. Die Messe AG sieht darin nach eigenen Angaben keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung.

In den kommenden Wochen wird es eine europaweite Ausschreibung des Projekts mit anschließendem Bieterverfahren geben. Der Zuschlag soll spätestens Anfang des nächsten Jahres erfolgen. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2014 avisiert, in der ersten Jahreshälfte 2015 soll die Arena eröffnet werden.

"Dann werden viele dabei sein, die sich als Väter und Mütter des Erfolges präsentieren - aber keinen Beitrag dazu geleistet haben", sagte Machnig.

Einen kleinen Seitenhieb konnte er sich in der Stunde des Triumphes nicht verkneifen.

Fakten zur neuen Erfurter Arena

  • Die Umbau-Kosten belaufen sich auf 35,2 Millionen Euro, von denen das Land Thüringen rund 29,5 Millionen übernimmt.
  • Den Betrieb sichert eine städtische Betreibergesellschaft.
  • Hauptnutzer wird der FC Rot-Weiß Erfurt sein.
  • Für den Sommer 2015 könnte sich Erfurt für die Ausrichtung der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft bewerben.
  • Die Kapazität bei Fußballspielen und Leichtathletik-Veranstaltungen beträgt 21.700 Zuschauer.
  • Bei Konzerten ist das maximale Fassungsvermögen 28.000 Besucher.
  • Die Tagungsräume in der Haupttribüne bieten bei Kongressen mehr als 2000 Teilnehmern Platz.

Meinungen auf Facebook

Unsere Facebook-Nutzer freuen sich zum Großteil über die Erneuerung der Arenen. So können in Zukunft auch in Erfurt endlich Freiluft-Konzerte und internationale Sportevents stattfinden.

Anett Seupel aus Erfurt: "Erst war ich auch gegen ein neues Stadion aber jetzt wo ich und mein Mann regelmäßig dort arbeiten sehe ich das mit etwas anderen Augen wir verlieren ständig Geld deswegen weil die Spiele zu oft witterungsbedingt ausfallen wir brauchen unbedingt ein Dach über dem Kopf."

Lydia Kalkoff: "Nicht zu vergessen die hoffentlich damit kommenden tollen Konzerte, die in dieser Multifunktionsarena möglich sind!!!"

Martin Körner aus Elgersburg: "Viel zu lange gewartet, natürlich müssen die Stadien gebaut werden. In ganz Thüringen gibt es kein ordentliches Stadion, da sollten in den beiden größten Städten mit den beiden besten Clubs des Landes auch würdige Stadien stehen."

Peter Beck: "Notwendig und sinnvoll sind hier zwei völlig verschiedene Schuhe. Es werden Multifunktionsarenen und sind nicht nur für Fußball da. Leichtathletik und Kulturveranstaltungen sind nur zwei Beispiele, die das ganze positiver stellen. Denn große Konzerte oder große internationale Sportevents locken viele Touristen und bringen Einnahmen. Und an die Fußballfans unter uns, Jenas Frauen spielen erstklassig und hätten es verdient auf vernünftigen Plätzen zu spielen. Nicht immer nur die Herren vergleichen. Und noch was, der Carl Zeiss leistet schon immer hervorragende Jugendarbeit in Kooperation mit Werder Bremen..."

Sebastian Meier aus Buttelstedt: "Einfach völlig lächerlich, das Beste Beispiel dafür, wie das Geld der Steuerzahler aus dem Fenster geworfen wird."

André Schwarz aus Oslo: "Ein Bau ist ja schön und gut. Wer bezahlt die laufenden Kosten und Betriebskosten für so eine Arena in Zeiten leerer Kassen? Mir ist noch nicht ganz klar wie sich das Rechnen soll? Für Konzerte hat man doch die Messehalle. Ich würde das Geld an die realitätsfremden EU-Politiker zurück überweisen, mit der Bitte sich ein anderes Millionengrab zu suchen! Ein Wahnsinn! Die fetten Jahre sind vorbei!"

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