Jagdverband hält Einigung bei Schalldämpfern für „Unsinn“

Erfurt  Berufsjäger oder Mitarbeiter der Landesforstanstalt dürfen Schalldämpfer nutzen. Der Landesjagdverband hält jedoch nichts vom nun erzielten Schalldämpferkompromiss. Man befürchtet künftig eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den ­Jägern.

In Thüringen wird seit Monaten über die Verwendung von Schalldämpfern bei der Jagd gestritten. Jetzt ist sie für Berufsjäger erlaubt. Archivfoto: Martin Schutt/dpa

In Thüringen wird seit Monaten über die Verwendung von Schalldämpfern bei der Jagd gestritten. Jetzt ist sie für Berufsjäger erlaubt. Archivfoto: Martin Schutt/dpa

Foto: Martin Schutt/dpa

Klaus Sühl (Linke) gibt sich weiter optimistisch. „Das Infrastrukturministerium setzt sich weiter für eine unbefristete Aufhebung des Verbots der Verwendung von Schalldämpfern zur Jagd ein. Wir hoffen, dass dies im parlamentarischen Verfahren erreicht werden kann“, sagt der Staatssekretär im Gespräch mit dieser Zeitung.

Doch zunächst einmal haben sich das für die Jagd in Thüringen zuständige Infrastruktur- und das Innenressort darauf verständigt, dass Behörden für Berufsjäger sowie bei Seuchengefahr das geltende Schalldämpferverbot aufheben dürfen.

Zuvor schienen sich die Fachleute von Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) und des sozialdemokratischen Innenministers Georg Maier lange Zeit unversöhnlich gegenüberzustehen. Maiers Beamte fürchteten, dass die Schalldämpfer auch leicht in die Hände von Terroristen und Kriminellen gelangen könnten, wenn sie für ­Jäger zu kaufen seien.

Verband befürchtet Zwei-Klassen-Gesellschaft

Zudem habe der laute Knall des Schusses auch einen Warneffekt zum Beispiel für Spaziergänger im Wald. Dieser Effekt werde durch einen Schalldämpfer gemindert, sodass der Mündungsknall dann möglicherweise mit dem Geräusch einer zufallenden Autotür verwechselt werden könnte. Der mögliche Nutzen von Schalldämpfern für die Jagd stehe in keinem Verhältnis zu diesen Gefahren. Ihr Gehör könnten Jäger auch anders als durch Schalldämpfer schützen, hieß es.

Der Antragsteller hat dem Thüringer Infrastrukturministerium zufolge die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung für Schalldämpfer nachzuweisen. Die zuständige Behörde müsse gegebenenfalls dazu eine Stellungnahme der für Tierseuchen zuständigen Behörde einholen.

Die Schalldämpfer-Berechtigung sei entsprechend des Bundesjagdgesetzes zu befristen. Die Erlaubnis sei bei der Ausübung der Jagd mit Schalldämpfer mitzuführen, heißt es. Und: Der Erlaubnisinhaber habe zudem der zuständigen Behörde den Wegfall der entsprechenden Voraussetzungen mitzuteilen.

Der Landesjagdverband hält nichts vom nun erzielten Schalldämpferkompromiss. „Das ist völliger Unsinn und widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz im Grundgesetz“, sagte dessen Geschäftsführer, Frank Herrmann, auf Anfrage dieser Zeitung. Er befürchtet künftig eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den ­Jägern, wenn nur Berufsjäger und Forstbedienstete Schalldämpfer nutzen dürfen.

11.600 Thüringer haben Jagdschein

Immerhin werde das meiste Wild in Thüringen nicht von Berufs-, sondern von Hobbyjägern geschossen, so Herrmann. Derzeit sind nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes in Thüringen rund 11.600 Männer und Frauen Inhaber eines Jagdscheins. Gut 7200 davon sind in dem Landesjagdverband organisiert.

Das Thüringer Infrastrukturministerium geht davon aus, dass sich bei der noch bis zum 19. März laufenden Anhörung der Interessenverbände viele für die Freigabe von Schalldämpfern starkmachen werden. Im Anschluss folgt die sogenannte rechtsförmliche Prüfung und die zweite Anhörung der anderen Ministerien, bevor der Entwurf erneut ins Kabinett kommt. Danach wird der Gesetzentwurf an den Landtag übergeben.

Im März vergangenen Jahres hatte Ministerin Keller noch gesagt, das Jagdgesetz solle spätestens Anfang 2018 verabschiedet werden.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.