Katja Wolf bleibt Eisenachs Oberbürgermeisterin

Eisenach  Die Amtsinhaberin der Linken gewinnt in der Stichwahl deutlich gegen Michael Klostermann (SPD). Sie vereint 58 Prozent der Stimmen auf sich. Die Wahlbeteiligung liegt bei 39,3 Prozent.

Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) freut sich über ihren Wahlerfolg.

Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) freut sich über ihren Wahlerfolg.

Foto: Birgit Schellbach

Als Wahlleiter Volker Strathmann mit dem großen Blumenstrauß am Sonntag kurz nach 19 Uhr um die Ecke biegt, ist die Gewissheit da: Katja Wolf (Linke) hat die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters gewonnen. Bis dahin hatte sie gebeten, ihr noch nicht zu gratulieren, weil bei den Ergebnissen im Internet noch drei Briefwahlbezirke gefehlt hatten. Dabei hatte sie fast den ganzen Wahlabend über die Nase vorn.

Katja Wolf hat 2175 Stimmen mehr bekommen als ihr Herausforderer Michael Klostermann von der SPD. „We Are The Champions“ erklingt im italienischen Restaurant am „Schwarzen Brunnen“, wo sich die Linken und Sympathisanten an einer Tafel im Freien treffen.

Zu den ersten Gratulanten gehören Selena und Veronika, die Tochter und die Mutter von Katja Wolf. Die Vorsitzende der Linken in Thüringen, Susanne Hennig-Wellsow, beglückwünscht mit einer kleinen roten Geranienblüte. Während es von Uwe Semmler, stellvertretender Vorsitzender der Linken in Eisenach, einen weiteren großen Blumenstrauß gibt. Jemand reicht ein Glas Sekt, doch Katja Wolf sagt: „Ich werde kein Freund mehr von Sekt.“ Ein weiterer Gratulant wünscht „viel Gesundheit und Kraft“.

„Es ist ein überwältigendes Gefühl“, sagt die 42-Jährige, die 58 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten hat. Sie freue sich sehr über das „schöne Ergebnis“, das auch zustande gekommen ist, weil sie und ihre Partei „um jede Stimme gekämpft haben“. Sie habe das „beste Team der Welt im Rücken gehabt“, lobt sie ihre Mitstreiter.

Das Ergebnis ist laut Wolf auch deshalb so hoch zu bewerten, weil es in der Stichwahl „alle gegen Eine“ geheißen habe. Damit nimmt die OB Bezug darauf, dass Michael Klostermann auf eine Bandbreite an Unterstützern bauen konnte. Diese reichte von den Bürgern für Eisenach, der FDP und der CDU über den Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs bis zur Solidargemeinschaft Hofferbertaue, Stadt- und Ortsteile und zur Bürgerinitiative Thälmannviertel.

Während sich für Katja Wolf die Grünen und die Piraten ausgesprochen hatten. „Theoretisch hätte es gar kein Stimmenplus mehr geben dürfen“, so die Amtsinhaberin, die nun weitere sechs Jahre im Eisenacher Rathaus regieren wird. Im ersten Wahlgang hatte sie mit 47,3 Prozent knapp die absolute Mehrheit verfehlt. Diesmal konnte sie noch zulegen.

Wobei die Wahlbeteiligung gegenüber dem Sonntag vor zwei Wochen stark zurückgegangen ist. Sie lag diesmal nur bei 39,3 Prozent. Im ersten Wahlgang hatten sich noch 47,9 Prozent auf den Weg in die Wahllokale gemacht.

„Es ist uns nicht gelungen, alle Wählerinnen und Wähler der bürgerlichen Mitte zu mobilisieren“, schätzt Michael Klostermann ein. Dennoch habe er gezeigt, dass er ein breites Spektrum vereinen kann. Sein Ergebnis von 42 Prozent sieht er als „Achtungserfolg“, vor allem angesichts des Ergebnisses aus dem ersten Wahlgang, das bei 19,3 Prozent gelegen hat. „Die Aufholjagd“ sei beachtlich gewesen. Klostermann gratulierte Wolf zu ihrem Erfolg. Er kündigte an, die „sachliche Arbeit“ im Stadtrat weiterzuführen und die OB an ihren Ankündigungen messen zu wollen. „Wir werden sehen, ob sie weiter Stadtteilrundgänge macht und sich oft in den Ortsteilen sehen lässt“.

Einmal hatte der Herausforderer übrigens die Nase vorn. Das war im kleinsten Wahllokal der Stadt in Berteroda, wo auch die Stimmen zuerst ausgezählt waren. Im dortigen Schlösschen wählten 51,2 Prozent den SPD-Mann, während die Linke-Frau auf 48,8 Prozent gekommen ist.

Die besten Ergebnisse erzielte Katja Wolf in den Wahllokalen in der Hörselschule, im Bürgerraum Stockhausen und in der Sporthalle am Petersberg. Während Michael Klostermann vor allem im Rennsteigwanderhaus Hörschel, in der Werner-Aßmann-Halle und in der Geschwister-Scholl-Schule (I) punkten konnte.