Massiver Polizeieinsatz trennt AfD und Gegendemonstranten in Jena: Spitzenkandidatin redet später

Jena  Hunderte Polizisten sichern die AfD-Wahlkampfveranstaltung ab

In Jena findet am 12. September eine AfD-Wahlkampfveranstaltung mit der Spitzenkandidatin Alice Weidel statt. Insgesamt sechs Gegendemonstrationen gibt es, die sich ab 17 Uhr langsam formieren. Direkt am Holzmarkt hat die Polizei das Caré um die Passage weiträumig mit doppelten Gittern abgesperrt. Hunderte Polizisten aus Niedersachsen, Sachsen und Thüringen sind im Einsatz.

In Jena findet am 12. September eine AfD-Wahlkampfveranstaltung mit der Spitzenkandidatin Alice Weidel statt. Insgesamt sechs Gegendemonstrationen gibt es, die sich ab 17 Uhr langsam formieren. Direkt am Holzmarkt hat die Polizei das Caré um die Passage weiträumig mit doppelten Gittern abgesperrt. Hunderte Polizisten aus Niedersachsen, Sachsen und Thüringen sind im Einsatz.

Foto: Fabian Klaus

Die Hauptrednerin des Abends verspätet sich deutlich. Alice Weidel, die Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl, soll auf dem Jenaer Holzmarkt sprechen. Ihre Rede ist für 18.45 Uhr angekündigt. Um 19.45 Uhr hat sie die Bühne immer noch nicht betreten. Stephan Brandner, der Thüringer Spitzenkandidat der AfD, erklärt das so: Frau Weidel müsse noch ein paar E-Mails schreiben und spreche dann. Er sei ihr Vorredner. Nachdem sie der Demonstration zu Anfang fern geblieben war, weil sie offenbar ein Interview gab, reihte sie sich gegen Ende wieder ein.

Später kommt sie mit wenig überraschenden Themen auf die Bühne am Holzmarkt. Sie beklagt die Euro-Rettungspolitik und, dass die Einführung des Euro in Deutschland der Bevölkerung nicht zur Abstimmung vorgelegt wurde.

Jubel bei AfD-Anhängern bei Kritik an Einwanderungspolitik

Viel Jubel brandet unter den AfD-Anhängern auf, als Weidel erneut die Einwanderungspolitik kritisiert und umgehend auf den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin zu sprechen kommt. „Wir dürfen nicht mit dem Terror leben müssen. Das ist inakzeptabel und dafür werden wir Politik machen“, ruft sie von der Bühne. Den Berliner Fall bezeichnet sie als Beispiel für Staatsversagen, zumal der tunesische Verfassungsschutz zigmal vor ihm gewarnt habe und er als Gefährder eingestuft worden sei – dann tritt sie nach etwa 15 Minuten von der Bühne, um sie wenig später mit den Thüringer Protagonisten um den Spitzenkandidaten Stephan Brandner wieder zu betreten und die Nationalhymne zu singen.

200 AfD-Anhänger sollen es sein – ein vorsichtige Schätzung der Polizei, die wohl doch deutlich übertroffen worden ist. Menschen, die zur AfD-Demo wollten, sollen bei der Anreise massiv behindert worden sein. Das sagt Wiebke Muhsal, Landtagsabgeordnete aus Jena, die begrüßt. Eine offizielle Bestätigung der Polizei für diesen Sachverhalt bleibt bis zum Abend aber aus.

Auf der anderen Seite des Holzmarktes haben sich nach Polizeischätzung etwa 1000 Gegendemonstranten versammelt.

Björn Höcke fehlt

Eingeladen zur Kundgebung mit Demo haben die „Junge Alternative (JA)“ als Jugendorganisation der AfD und der Jenaer Stadtverband. Aber auch der Landesverband ist involviert. Warum Landessprecher Björn Höcke nicht dabei ist? Parteisprecher Torben Braga sagt: „Er hat schon lange einen Wahlkampfauftritt mit Alexander Gauland zugesagt.“ Höcke redet also anderswo, wenn die Spitzenkandidatin in Thüringen auftritt. Mithin: Auch Gauland ist Spitzenkandidat und steht Höcke wohl deutlich näher, als Weidel, die für seinen Parteiausschluss votiert hatte.

Wiebke Muhsal, verweist darauf, dass es bereits die 3. Demo der Partei in Jena sei – und vergangene nicht immer friedlich gewesen seien. Es kam teils zu massiven Übergriffen auf Teilnehmer der AfD-Demos, wie auch von der Polizei bestätigt wurde.

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Diese bleiben gestern zumindest bis zum offiziellen Ende der Veranstaltung aus. Die Gegendemonstranten, darunter u.a. der Bundestagskandidat der SPD, Christoph Matschie, und der Jenaer Grüne-Bundestagskandidat Olaf Möller stehen in ihren Reihen, versuchen mit lauter Musik und Sprechchören, die AfD-Redner zu übertönen – das gelingt ihnen teilweise. Auch kreativer Protest wird sichtbar: Auf einem Bus stehen Jugendliche, die sich den Mund verklebt haben und damit still gegen die AfD protestieren.

Die Demonstrationen werden vom ersten Moment an massiv überwacht – ein Polizeihubschrauber kreist über Jena. Auf dem Dach eines Geschäftshauses am Holzmarkt stehen Polizisten. Hunderte Beamte aus Thüringen, Sachsen und Niedersachsen sind auch noch lange nach dem offiziellen Veranstaltungsende im Einsatz.

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