MDR wirft auf SPD-Wunsch kritischen Film aus Mediathek

Das Löschen eines Films aus der MDR-Mediathek stößt auf Kritik in Thüringen: Nur weil er offenbar einigen unbequem ist, darf ein redaktioneller Beitrag nicht zurückgezogen werden, sagte CDU-Landtagsfraktionschef und MDR-Rundfunkrat Mike Mohring.

Die MDR-Zentrale in Leipzig. Die Intendatin Karola Wille steht nach dem Rauswurf einen SPD-kritischen Beitrags aus der Mediathek unter Druck. Foto: MDR

Die MDR-Zentrale in Leipzig. Die Intendatin Karola Wille steht nach dem Rauswurf einen SPD-kritischen Beitrags aus der Mediathek unter Druck. Foto: MDR

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Erfurt/Leipzig. Nachdem ein Film aus der Mediathek entfernt wurde, wird MDR-Intendantin Karola Wille von Thüringer Rundfunkräten kritisiert. "Wenn ein journalistischer Beitrag sauber recherchiert und juristisch einwandfrei ist, dann erwarte ich von einer öffentlich-rechtlichen Institution wie dem MDR, dass er Kritik auch standhält." Der Sender dürfe "sich keinesfalls parteipolitisch einspannen lassen", sagte CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring. Sein Parlamentskollege Carsten Meyer, der für die Grünen dem Gremium angehört, sagte unserer Zeitung: "Der Beitrag hätte drin bleiben müssen. Ein solcher Konflikt wird nicht aus der Welt geschafft, indem man den Beitrag löscht."


In dem zensierten Film wurde die Unterwanderung der Leipziger SPD durch eine Gruppe mutmaßlicher Islamisten thematisiert. Im MDR heiße es, Wille habe sich dem Druck der Partei gebeugt, berichtete der "Spiegel". Der Leipziger SPD-Chef Michael Clobes hatte dem MDR Desinformation vorgeworfen. Der Beitrag schildert, wie Kader des muslimischen Predigers Fethullah Gülen versuchen, Einfluss auf die Jusos in Leipzig zu nehmen. Die Gülen-Bewegung gibt sich moderat, Aussteiger berichten aber von sektenähnlichen Strukturen.


Wille verteidigte in einer Antwort an die SPD ihre Redakteure. Diese hätten in "einwandfreier Weise" berichtet. Trotzdem habe der MDR "entschieden, den Beitrag nicht nochmals zu wiederholen und auch aus der Mediathek zu entfernen". Der Beitrag sei rechtlich nicht zu beanstanden, so ein MDR-Sprecher. Die juristische Direktion habe die Entfernung nach Beschwerden jedoch empfohlen, "um einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken".

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