Merkel in Erfurt: Mutigen Herzens gegen Rot-Rot-Grün

Erfurt  Bundeskanzlerin und Parteichefin Angela Merkel beim Jahresempfang der CDU-Landtagsfraktion vor 3000 Gästen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in der Messe Erfurt beim Jahresempfang der CDU-Landtagsfraktion vom Thüringer Parteichef Mike Mohring verabschiedet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in der Messe Erfurt beim Jahresempfang der CDU-Landtagsfraktion vom Thüringer Parteichef Mike Mohring verabschiedet.

Foto: dpa

Jahresempfänge der CDU-Landtagsfraktion haben seit langem einen gewissen Event-Charakter. Die Musik zu Beginn könnte auch im Vorfeld von Fußballspielen und Boxkämpfen erklingen. Es geht ums Sehen und Gesehen werden. Wer Rang und Namen hat im Freistaat und in irgendeiner Form Affinität zu christdemokratischer Politik aufweist, folgt der alljährlichen Einladung in der Regel gerne. In diesem Jahr haben sich etwas mehr als 3000 Menschen angemeldet.

Die Gastredner werden wie Stars in eine Art Arena geführt. Jean-Claude Juncker war schon da, damals allerdings als Premierminister Luxemburgs und noch als Präsident der EU-Kommission, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und im vergangenen Jahr CDU-Bundesvize Julia Klöckner.

Gestern Abend erlebte der unionschristliche Prominentenauflauf mit Angela Merkel seinen Höhepunkt. Gegen 19 Uhr schreitet die Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzende mit Gastgeber Mike Mohring zu den Klängen von „Heart of Courage“ in die Erfurter Messehalle ein. Mutigen Herzens wolle man den Abgründen rot-rot-grüner Regierungspolitik entgegentreten, hieß es zur Auswahl des Titels.

Merkel: heller Blazer, gedeckte Hose, Mohring: schwarzer Anzug, dunkelrote Krawatte – beide haben ein strahlendes Lächeln angeknipst – eine Mischung aus professioneller Öffentlichkeitsarbeit und politischer Freundschaft.

Dass Merkel die Zeit für einen in den Freistaat Abstecher findet, liegt sicher auch daran, dass in gut drei Monaten die Bundestagswahl ansteht. In diesen Zeiten geht man bekanntlich besonders gerne auf Tuchfühlung mit dem Wähler. Auch dass sich das bisweilen angespannte Verhältnis zu Fraktionschef Mohring entspannt hat, dürfte eine Rolle spielen. Vorbei sind die Zeiten, als Merkel Mohring mit dem Satz „Wir sind doch beide über 18“ tadelte. Der Thüringer hält sich inzwischen mit unabgestimmten Vorstößen zum Umgang mit der AfD oder zur Schärfe des konservativen Profils der CDU etwas zurück, unterstützt Merkel sogar beratend im Wahlkampf.

Die rot-rot-rot-grüne Landesregierung bietet ausreichend Angriffspunkte – ob in der Bildungspolitik mit vielen ausfallenden Schulstunden, der Innenpolitik mit zu wenigen Polizisten oder dem Kernthema des linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow: der umstrittenen Gebietsreform. Hier musste R2G bereits eine herbe Niederlage vor dem Verfassungsgerichtshof einstecken.

„Wir wollen es besser machen. Für Thüringen“, ruft Mohring den Anwesenden zu und erntet Applaus. „Wenn man das Land verändern will, macht man das nicht mit der Brechstange“, fährt er fort. Man gebe den Gemeinden und Landkreisen vor Ort Zeit und bedränge sie nicht. Weil Rot-Rot-Grün das missachte, gingen Tausende auf die Straßen.

Im Bund sei das anders. Da gebe es jemand, die wisse, mit welchem Kurs man das Schiff voranbringe. Die Überleitung zu Merkel gelingt.

Der Abend ist „Verantwortung für Deutschland in Europa und der Welt“ überschrieben und die Kanzlerin verliert zwar kein Wort über Thüringen, aber sie nimmt die Gäste mit auf einen kurzen Tripp durch die geopolitischen Herausforderungen. „Wir werden nur in Frieden und Sicherheit leben, wenn es auch anderen auf der Welt gut geht“, sagt Merkel. Sie spielt auf ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik an. Dafür wurde sie vor anderthalb Jahren noch harsch kritisiert. Jetzt brandet Beifall auf.

Die Nato bleibe von herausragender Bedeutung. „Aber wir Europäer müssen eigene Verantwortung übernehmen“, so die Kanzlerin. „Ohne die Vereinten Nationen wäre die Welt um ein Vielfaches unsicherer“, sagt sie und spricht sich für einen freien Welthandel und gegen Protektionismus aus.

Am Ende hat Merkel 26 Minuten gesprochen und eine Rede gehalten, die sich auch bei der EU oder der UN hätte halten können. Aber die Menschen in der Halle freuen sich, applaudieren gut eine Minute im Stehen.

In der ersten Reihe haben unter anderem die ehemaligen Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht und Dieter Althaus Platz genommen. Sie symbolisieren die guten alten Zeiten, in den die CDU das Land noch fest im Griff hatte, eine Zeit lang sogar mit absoluter Mehrheit regierte. Der dritte im Bunde, Alt-MP Bernhard Vogel, ließ sich wegen eines Auslandsaufenthalts entschuldigen. Wer wo sitzt an diesem Abend, wer mit wem besonders lange spricht, oder eben nicht, gilt als Indikator über die Zusammensetzung des inneren Machtzirkels der noch immer nicht geschlossenen Landes-CDU.

Spätestens beim Empfang 2020 – so das Ziel – soll die erste Reihe wieder gespickt sein mit CDU-Ministern und am Rednerpult steht Mohring als Ministerpräsident.

Doch bis es soweit kommen könnte, bleibt noch jede Menge zu tun.

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