Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD) mit weiteren Gesprächen beauftragt

Der Trink- und Abwasserverband Eisenach-Erbstromtal will künftig mit den Stadtwerken Erfurt und den Eichsfeldwerken zusammenarbeiten. Beide Geschäftsführer, die gestern ihre zu 100 Prozent kommunalen Unternehmen im Verbandsausschuss vorstellten, erklärten, bei der Erarbeitung eines Konsolidierungskonzepts zur Verfügung zu stehen. Auch Mitarbeiter ihrer jeweiligen Fachabteilungen könnten zu Rate gezogen werden.

Ulrich Gabel (l.) von den Eichsfeldwerken sowie Peter Kahlenberg und Peter Zaiß von den Stadtwerken Erfurt stellten sich gestern vor. Foto: Birgit Schellbach

Ulrich Gabel (l.) von den Eichsfeldwerken sowie Peter Kahlenberg und Peter Zaiß von den Stadtwerken Erfurt stellten sich gestern vor. Foto: Birgit Schellbach

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Eisenach. "Wir bieten außerdem an, einen unserer Manager vor Ort einzusetzen", so Peter Zaiß, Geschäftsführer der Stadtwerke Erfurt. Es ist Diplom-Ingenieur Peter Kahlenberg (48), der bereits für den Verband "Mittleres Nessetal" tätig ist. Hörselberg- Hainichs Bürgermeister Bernhard Bischof (pl) kennt Peter Kahlenberg aus dieser Zusammenarbeit – einige Ortsteile seiner Gemeinde gehören zu dem Verbund. Bischof verwies darauf, dass es dort gelungen ist, die Verschuldung zu stoppen. Auch sei die Kläranlage in Friedrichswerth kostengünstiger gebaut worden als die in Behringen. "Wir können keine Wunder erwarten, die Schulden sind da, aber was uns helfen wird, ist die Kompetenz", so der Bürgermeister. Die gestrige Sitzung wertete er als einen "Erfolgstag". Bischof ist einer der Verbandsräte, die immer wieder gefordert hatten, externe Fachleute ins Boot zu holen, aber nicht aus Beraterfirmen, sondern erfolgreichen Zweckverbänden bzw. kommunalen Unternehmen in der Nähe.

Zu letzteren gehören die Eichsfeldwerke, wie Geschäftsführer Ulrich Gabel deutlich machte. Es handelt sich um eine Holding, die sich sowohl um Energieversorgung wie auch Müllentsorgung und Personennahverkehr kümmert, aber auch um Wasser und Abwasser im Auftrag des Zweckverbands Obereichsfeld. Gabel legte Zahlen vor, die für viele der Anwesenden ernüchternd waren.

So hat der TAV Eisenach-Erbstromtal Verbindlichkeiten in Höhe von 110 Millionen Euro, während es im Eichsfeld nur 22 Millionen Euro sind. Auch die Mitarbeiterzahl unterscheidet sich deutlich: 109 Beschäftigte zählt der TAV, bei den Eichsfeldwerken sind es für den Bereich Wasser/Abwasser 70.

"Wir haben keinen Bagger und keinen Lkw mehr, die Leistungen werden an Baufirmen vergeben", betonte Gabel. Und auch: Die Kostenkontrolle liegt beim kommunalen Unternehmen und nicht bei Ingenieurbüros. Der Geschäftsführer verwies zudem darauf, dass es eine ähnliche Mitgliedsstruktur wie beim TAV gibt, sogar mit mehr Gemeinden und Ortsteilen.

Wutha-Farnrodas Bürgermeister Torsten Gieß (SPD) äußerte die Vermutung, dass die Eichsfelder besser dastehen, weil sie wegen der Nähe zum Ex-Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) in den Genuss von mehr Fördermitteln gekommen seien. Doch Ulrich Gabel konterte: "Sie hatten Innenminister Christian Köckert (CDU) und waren noch näher an der Quelle." Seiner Aussage nach hat der TAV 15 Millionen Euro mehr bekommen.

"Die vorgelegten Zahlen sind sehr interessant. Endlich haben wir mal einen Vergleich", betonte Kurt Kästner (CDU), Bürgermeister aus Seebach. Er bemängelte, dass im teuren Gutachten der KPMG-Wirtschaftsprüfer davon nie die Rede gewesen sei. Kästner sprach sich für die Kooperation aus und wünschte sich vor allem eine Analyse: Warum weichen die Zahlen des TAV so ab? Ulrich Gabel nannte die nächsten Schritte: Status quo feststellen, Konsolidierungskonzept erarbeiten, Vorschläge zur Entscheidung für die Verbandsversammlung unterbreiten.

Ziel ist es laut des Verbandsvorsitzenden Matthias Doht, am 1. Oktober mit der Zusammenarbeit zu beginnen. Ab diesem Zeitpunkt soll auch der neue Werkleiter eingesetzt werden. Der Verbandsausschuss, dem die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden angehören, hat den Oberbürgermeister mit der Erarbeitung eines Vertrags beauftragt. Warum es jetzt zu dem Schritt gekommen ist, begründete Doht wie folgt:

"Wir kommen nicht schnell genug voran." Er habe zwar zwei Beamte der Stadtverwaltung abgestellt, die brauche er aber dringend im eigenen Haus. "Wir sind ohne Wenn und Aber im Obereichsfeld willkommen geheißen worden, man hat uns alle Zahlen vorgelegt, während wir beim TAV all die Jahre kämpfen mussten, überhaupt Einblick zu erhalten." Wiltraut Cott von der Solidargemeinschaft Hofferbertaue, Stadt- und Ortsteile ist froh, dass man sich endlich für den von ihr mit vorgeschlagenen Partner entscheiden will.