Petry positioniert sich gegen Gauland und Höcke

Erfurt  Drei Wochen vor dem Bundesparteitag der AfD in Köln sucht die Bundesvorsitzende Frauke Petry die Entscheidung im Machtkampf mit dem rechtsnationalen Flügel.

Die Bundesvorsitzende der AfD Frauke Petry geht auf Distanz zu Parteikollegen, wie Björn Höcke. Archiv-Foto: Rainer Jensen/dpa

Die Bundesvorsitzende der AfD Frauke Petry geht auf Distanz zu Parteikollegen, wie Björn Höcke. Archiv-Foto: Rainer Jensen/dpa

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Drei Wochen vor dem Bundesparteitag der AfD in Köln sucht die Bundesvorsitzende Frauke Petry die Entscheidung im Machtkampf mit dem rechtsnationalen Flügel. In einem Antrag „zur strategischen Ausrichtung der AfD“ grenzt sie sich von der „fundamentaloppositionellen Strategie“ ab, wie sie neben ihrem Stellvertreter Alexander Gauland auch der Thüringer Landeschef Björn Höcke vertritt. Stattdessen, schrieb sie, müsse der „realpolitische Weg einer bürgerlichen Volkspartei“ verfolgt werden.

Laut der Parteichefin verträten die Protagonisten der Fundemantalopposition „auch abseitige Meinungen und Standpunkte“, zeigten sich „also möglichst offen, gerade auch für Äußerungen außerhalb des bürgerlichen Korridors“. Damit werde aber „ein Verschrecken dieser oftmals mutlosen Klientel (...) bewusst in Kauf genommen“. Sie berge zudem „das Risiko des Verlusts von gesellschaftlicher Verankerung über gesellschaftliche Multiplikatoren“.

Das Antrag wurde auf einer eigenen Internetseite www.zukunftsantrag.de veröffentlicht. Zu den ersten Unterstützern gehören das Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski, der Generalsekretär der sächsischen AfD, Uwe Wurlitzer, und der Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Leif-Erik Holm.

Das Vorgehen Petrys ähnelt dem Vorgehen von Höcke vor zwei Jahren. Er hatte vor zwei Jahren die „Erfurter Resolution“ unter www.fluegel.de im Internet veröffentlicht und so Unterstützung generiert. Darin hatte er die AfD als „Widerstandsbewegung“ bezeichnet. Der damalige Bundeschef Bernd Lucke hatte daraufhin einen „Weckruf“ im Internet publiziert und ebenfalls Unterschriften gesammelt. Im Ergebnis spaltete sich im Sommer 2015 die Partei.

Höcke wollte sich gestern auf Anfrage nicht zu Petry äußern. Der Thüringer Bundestags-Spitzenkandidat Stephan Brandner bezeichnete den Aufruf Petrys als überflüssig. „Sie sollte sich lieber auf den Bundestagswahlkampf konzentrieren, als so ein Zeug zu produzieren“, sagte er der Thüringer Allgemeinen.

Brandner sprach sich zudem gegen Frauke Petry als nationale Spitzenkandidatin im Bundestagswahlkampf aus. „Wir brauchen auch kein Spitzenteam“, sagte er zu entsprechenden Beschlüssen der Parteiführung. Die AfD verstehe sich in erster Linie als Programmpartei.

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