Politischer Aschermittwoch in Thüringen – Derbe Sprüche zu deftiger Kost

Beim traditionellen politischen Aschermittwoch der Thüringer Parteien ziehen die Festredner mit Genuss über die Konkurrenz her.

Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel, Landtagspräsidentin Birgit Diezel, der Ostbeauftragte Christian Hirte, die ehemalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Marion Walsmann, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus und der CDU-Landeschef Mike Mohring (von links) beim politischen Aschermittwoch der CDUin Apolda.

Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel, Landtagspräsidentin Birgit Diezel, der Ostbeauftragte Christian Hirte, die ehemalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Marion Walsmann, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus und der CDU-Landeschef Mike Mohring (von links) beim politischen Aschermittwoch der CDUin Apolda.

Foto: Fabian Klaus

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Beim Politischen Aschermittwoch zogen die Thüringer Parteien über die Konkurrenz her und brachten sich für die Wahl in Stellung.

Die Linke: Ramelow sucht den Schlüssel zur Macht

Suhl. Egon Olsen hat einen Plan. Er ist auf der Suche nach dem Schlüssel zur Macht. Da passte es Dienstagabend im Suhler CCS ganz gut, dass dieser Olsen ziemlich viel Ähnlichkeit mit Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow hatte. Nur wenige Monate vor der Landtagswahl dürfte der Linken-Politiker sich sicherlich auch Gedanken machen, wie er seinen Verbleib in der Staatskanzlei sichern könnte.

Sein Egon Olsen rüttelte schon einmal am Tor der Staatskanzlei und plante auf offener Bühne den Einbruch ins Erfurter Regierungshauptquartier, um sich den Schlüssel zur Macht zu sichern.

Dumm nur, dass auch dieser Plan, wie fast alle anderen Pläne der Olsenbande, am Dienstagabend fehl schlug. Der von Bodo Ramelow gespielte Olsen wird verhaftet. Ob sich der Regierungschef den Schlüssel zur Macht trotzdem sichern konnte, erfährt das Volk in Thüringen wohl erst im Oktober nach der Wahl.

Den traditionellen politischen Aschermittwoch bereits am Dienstagabend in Suhl prägte dieses Jahr nur ein großes Thema: Welche Gemeinde und welche Stadt könnten sich vereinigen und neue Allianzen schmieden. Aus Erfurt winken 40 Millionen Euro, das fachte so kurz vor dem Wahlkampf die Fantasie der meisten Büttenredner aus den Suhler Stadratsfraktionen an.

SPD: Ein Abend mit Wolfgang, Kurt und Knut

Arnstadt. Auf den Tischen Luftschlangen und ausreichend Bier, auf der Bühne eine knallrote Wand mit weißem SPD-Schriftzug, in der Küche warten Hackbrötchen und Linsensuppe. In Arnstadts „Goldener Henne“ sind rund 160 sozialdemokratische Sympathisanten zusammengekommen.

Warum Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch und der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck eingeladen worden sind, das ist für den Moderator klar. „Das sind Einsilber. Die hauen rein.“ Im Gegensatz dazu SPD-Landeschef Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. „Ein Name wie eine Welle.“

Für Schenkelklopfer sorgt Kreuch mit Zeitungsanzug und Hut aus Eisbärimitat: „Quadratisch praktisch gut, heute Abend mit Wolfgang, Kurt und Knut.“ Tätää. Die SPD sei stark zurzeit, „sie hat sich gefestigt in der Zweistelligkeit“. Tätää. Und auch vor der Bundesvorsitzenden Andrea Nahles macht Kreuch nicht halt. „Schick ganz ungelogen ist sie nicht immer angezogen. Ich urteile nicht über Äußerlichkeiten, aber viel Inhalt hat sie auch nicht zu verbreiten.“ Rumtata

Beck schlägt einen nachdenklichen Ton an. Europa sei ein Friedensprojekt. Nur im Miteinander habe Europa eine Zukunft. Gesellschaften brauchten Stabilität und dazu gehörten innere Sicherheit, soziale Ausgewogenheit und Aufstiegschancen.

Grüne: Adams warnt vor „Blaudumm“

Eisenach. Zum Höhepunkt des politischen Aschermittwochs der Thüringer Grünen in Eisenach warnte Fraktionschef Dirk Adams gestern Abend vor einer neuen Partei namens „Blaudumm“, wie Adams die AfD titulierte. 29 Jahre nach der friedlichen Revolution plane „Blaudumm“, die Gesellschaft „richtig durchzumilitarisieren“.

Beispiele nannte Adams auch. Erstens: den AfD-Vorschlag, die DRK-Klinik im Kyffhäuserkreis zu einem Militärkrankenhaus zu machen. Zweitens: Den Vorschlag, den Erfurter Flughafen nach der Germania-Pleite in einen Militärflughafen umzufunktionieren.

Die Stadt Eisenach müsse höllisch aufpassen, mahnte Adams. Sollte dereinst Opel vielleicht doch nicht mehr zu retten sein, sei damit zu rechnen, dass „Blaudumm“ „hier eine Panzerstrecke“ aufbaut.

Der frühere Thüringer Landtagspräsident bekam auch sein Fett weg. Christian Carius, der ohne Karenzzeit als Lobbyist in die Privatwirtschaft wechselte, sei ein „kleinkarierter Spießer, der in diesem Jahrhundert nicht angekommen“ sei, kritisierte Adams.

Vorher hatte die Abgeordnete Madeleine Henfling ihrer Freude über die Thüringer Polizei freien Lauf gelassen. 2018 habe sie das erste Mal die Auflösung einer rechtsextremen Versammlung durch die Thüringer Polizei erlebt. Tusch!

CDU: Plädoyer für die Farben der Demokraten

Apolda. Irgendwann steht Ralph Brinkhaus auf der Bühne. Mehr als zwei Stunden ist der Abend schon alt. Der CDU-Bundestagsfraktionschef ist Ehrengast beim politischen Aschermittwoch der Thüringer Union – mithin der größten Schunkelrunde im Freistaat an diesem Tag. 1300 Menschen sind gekommen. Sie erwarten: klare Kante gegen den politischen Gegner.

CDU-Landesvorsitzender Mike Mohring legt los, als er die Grünen als „Oberlehrer“ und die AfDler als „Flachwurster“ bezeichnet und der Linken vorwirft, Polizisten in Thüringen mit einer Strategie zu beleidigen. Anlass dafür: Zuletzt war Eisenachs OB Katja Wolf (Linke) auf einem Bild in einer städtischen Werbebroschüre vor einem ACAB-Graffiti abgebildet. Dieses Zeichen soll so viel bedeuten wie „Alle Polizisten sind Bastarde“.

Nach Mohring und Alt-MP Bernhard Vogel steht Brinkhaus auf der Bühne. Applaus bekommt er, als er sagt: „Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der Demokraten“. Und: „Sie wissen das hier in Thüringen besser als ich. Die linken Populisten sind genauso schlimm wie die rechten Populisten.“

Über den muslimischen Kanzler, den er selbst am Mittwoch in überregionalen Medien ins Spiel gebracht hatte, verliert er indes kein Wort.

FDP: Optimistisch in Richtung acht Prozent

Erfurt. Die Thüringer FDP will zurück in den Landtag – und Landeschef Thomas Kemmerich rechnet sich dafür gute Chancen aus: „Noch nie waren die Umfragewerte vor einer Wahl so gut wie in diesem Jahr“, spielte er vor etwa 200 Gästen in der Kleinkunstbühne Dasdie in Erfurt auf die zuletzt erreichten sechs Prozent an. Das sei eine gute Basis, um die angepeilten acht Prozent zu erreichen.

Wahlkampfthema Nr. 1 für die Liberalen ist die Bildungspolitik: Schulische Vollversorgung statt Thüringer Magerkost – das ist für den FDP-Chef das Motto angesichts von Meldungen wie der aus Gera, wo wegen Erkrankung zahlreicher Lehrer in dieser Woche der Unterricht an einer Grundschule ausfiel.

„Das ist eine Bankrotterklärung“, schimpfte Kemmerich und nannte das neue Schulgesetz unter Anspielung auf den Namen des Bildungsministers ein „Holterdiepolter-Gesetz, das kein Problem löst und keine Stunde mehr unterrichtet“.

Einsetzen will sich die FDP aber auch für eine Meisterprämie, die nicht nur den Jahrgangsbesten, sondern allen gewährt wird, die die Ausbildung erfolgreich abschließen – sowie für Investitionen in die gesamte Infrastruktur. Und das, sollte der Sprung ins Parlament gelingen, in einer bürgerlichen Koalition.

AfD: Björn Höcke und seine Flügel-Männer

Arnstadt. „Lustig ist das Zigeunerleben“ spielt die Kapelle auf der Bühne in Arnstadt. Aber richtig lustig wirkt der Politische Aschermittwoch der AfD nicht. Er dient eher als Machtdemonstration der Parteiorganisation „Der Flügel“, die der Landesvorsitzende Björn Höcke hier, im Brauhaus, im März 2015 ausrief – und der inzwischen unter Druck geraten ist. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die Organisation als sogenannten „Verdachtsfall“ eingestuft.

Während die Bundesspitze der Partei alarmiert wirkt, bezeichnete Höcke zuletzt die Sorge vor einer Beobachtung als „politische Bettnässerei“. Diesem Duktus folgend lautet das offizielle Motto des gestrigen Abends „AfD – Verdächtig gut!“.

Die Redner sind alles stramme Flügel-Männer. Thomas Röckemann, der Parteichef in Nordrhein-Westfalen, wo er gerade für den „Flügel“ gegen seinen moderateren Co-Vorsitzenden kämpft, bezeichnet die Thüringer AfD als „Keimzelle des Widerstands gegen das System Merkel“.

Der Sachsen-Anhalter Landtagsfraktionschef Oliver Kirchner, der auch als strammer „Flügel“-Mann gilt, droht den innerparteilichen Gegnern in der AfD und ruft: „Björn Höcke lassen wir nicht fallen, niemals, liebe Freunde!“

Am Ende, es ist nach 21 Uhr, redet Höcke selbst. „Von mir gibt es heute nur 100 Prozent politisch Korrektes, wie das in der real existierenden Fassadendemokratie sein muss“, ruft er. Es folgen die bekannten Angriffe auf die Medien und ihr „Totalversagen“ und die „einseitige negative Geschichtsbewältigung“.

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