Thüringer Umweltministerium betreibt Selbstmarketing im Sonnenschein

Erfurt  Vor dem Arbeitsort der Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) in Erfurt steht neuerdings eine Solarblume – warum eigentlich?

Die Solarblume vor dem Umweltministerium.

Foto: Elmar Otto

Die schwarz-grüne Konstruktion auf der Rasenfläche in der Erfurter Beethovenstraße 3 fällt ins Auge. Drei Meter hoch ragen die Siliziummodule auf dem Metallfuß in den Himmel. Die zwölfblättrige Blüte misst insgesamt fünf Quadratmeter.

Umweltministerin Anja Siegesmund hat vor ihrem Arbeitsort eine Solarblume aufstellen lassen. Aus Sicht der Grünen-Politikerin ist diese Maßnahme nur folgerichtig. Immerhin spielt Sonnenenergie im Thüringer Strommix eine immer größere Rolle.

„Allein im Vorjahr lag das Wachstum bei neu installierten Solaranlagen bei 170 Prozent“, freut sich Siegesmund. Und immer mehr Thüringer nutzten das Landesförderprogramm „Solar Invest“ und ernteten so Strom vom eigenen Dach. Dazu kämen Mieterstrommodelle wie in Erfurt, bei denen dezentral vor Ort produzierter Solarstrom direkt für Wohn- und Gewerbeflächen genutzt wird. „Das wollen wir weiter unterstützten“, sagt die Ressortchefin. Bisher mache die Sonne einen Anteil von etwa 20 Prozent am Thüringer Erneuerbaren-Energien-Strom-Mix aus. Rund zweieinhalb Jahre nach dem Start von „Solar Invest“ könnten Privathaushalte, klein- und mittelständische Unternehmen sowie Kommunen für 640 Solar-Projekte mit einem Fördervolumen in Höhe von 5,4 Millionen Euro rechnen.

Und welche Funktion hat dabei die Solarblume?

Sie speise „sauberen Strom ins Umweltministerium und steht im Mix der Erneuerbaren Energien in Thüringen für den wachsenden Anteil der Sonnenergie“, ließ Siegesmund zur Inbetriebnahme mitteilen.

Die TLZ wollte wissen, was das genau bedeutet und stellte folgende Frage: „Wie hoch ist der Anteil der durch die Sonnenblume erzeugten Energie am Gesamtbedarf des Ministeriums?“

Die ministerielle Antwort: „Der Jahresverbrauch des Ministeriums beträgt ca. 257.000 Kilowattstunden.“ Der Zweck der Solarblume sei der Bezug zur Energiepolitik, nicht die Einspeisung. „Das tut sie zwar auch, ist aber für den Gesamtbedarf sicher sehr gering und erst bezifferbar, wenn die ersten Zählermessungen vorgenommen wurden.“ Ansonsten versorge sie sich natürlich selbst: Die Blume verfüge über einen Faltmechanismus und sei so programmiert, dass sie sich bei jedem Wetter (außer Sturm) um 7 Uhr gegen Südosten öffne und bis zu ihrer automatischen Schließung gegen 20 Uhr um etwa 180 Grad drehe. „Damit wandert sie – unter den Voraussetzungen des derzeitigen Standortes – bestmöglich mit der Bewegung der Sonne mit“, betont Siegesmunds Sprecher.

Kostenpunkt des Ökogewächses, das zuvor auf der Landesgartenschau in Apolda zu sehen war: rund 12.800 Euro. Die dauerhafte Installation vor dem Ministerium schlägt mit weiteren 5000 Euro zu Buche.

Während die Ministerin voll des Lobes für ihre symbolträchtige Solarpflanze ist, hat die größte Oppositionskraft ihre Bedenken. In einer parlamentarischen Anfrage will der CDU-Abgeordnete Marcus Malsch jetzt unter anderem wissen, ob „der Stromertrag bei einer Ausrichtung nach Südwesten – also im von der Öffentlichkeit weniger wahrzunehmenden Innenhof des Ministeriums – höher liegen könnte als bei der derzeit gewählten Ausrichtung“. Der Christdemokrat vermutet offenbar eine besondere Form der Selbstvermarktung der Ministerin im Superwahljahr. „Wurden vor dieser Sonnenblume bereits Kamerainterviews mit der Hausleitung geführt – oder ist dieses vorgesehen?“, lautet Malsch abschließende Frage.

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