Wartburgkreis bereitet nun doch Turnhalle in Tiefenort als Notunterkunft vor

Wartburgkreis  Landrat kündigt doppelte Belegung in Wenigenlupnitz an und entschuldigt sich bei den Einwohnern, dass er sein Versprechen nicht halten kann

Tiefenorts Ortsbrandmeister Steffen Heller (links) und weitere Feuerwehrleute laden die Matratzen aus, auf denen die Flüchtlinge in der Notunterkunft in der Turnhalle vorübergehend schlafen Foto: Heiko Matz

Tiefenorts Ortsbrandmeister Steffen Heller (links) und weitere Feuerwehrleute laden die Matratzen aus, auf denen die Flüchtlinge in der Notunterkunft in der Turnhalle vorübergehend schlafen Foto: Heiko Matz

Foto: zgt

„Bei uns war das kleine München“. Mit diesen Worten knüpfte Landrat Reinhard Krebs (CDU) im Kreistag am Mittwoch an die Fernsehbilder vom mit Flüchtlingen überfüllten Hauptbahnhof in der bayerischen Hauptstadt an.

Alle bisherigen Zuweisungen an Asylbewerbern sind über den Haufen geworfen, im Moment müssen etwa hundert Menschen pro Woche und nicht mehr nur 93 pro Monat aufgenommen werden. Der Landrat hatte bereits Ende August gegenüber dem Land deutlich gemacht, keine geeigneten Quartiere mehr zu haben (unsere Zeitung berichtete). Doch angesichts des Ansturms in den letzten beiden Wochen erkenne er, dass alle zusammenstehen müssen.

Die Sporthalle in Tiefenort ist als Notunterkunft eingerichtet worden, obwohl Krebs das bisher immer abgelehnt hatte, um den Vereins- und Schulsport nicht einschränken zu müssen. Wann die ersten Flüchtlinge einziehen, steht noch nicht fest. Am Donnerstagabend soll eine Bürgerversammlung stattfinden.

Außerdem, so sagte der Landrat im Kreistag an, ist die Gemeinschaftsunterkunft in Wenigenlupnitz „überbelegt“. Die Bewohnerzahl dort habe sich verdoppelt. „Ich möchte mich öffentlich entschuldigen, weil ich im Frühjahr versprochen habe, maximal 100 Flüchtlinge unterzubringen“, sagte Krebs. Man könne ihm jetzt vorwerfen, gelogen zu haben, aber niemand habe den Umfang der derzeitigen Völkerwanderung voraussehen können. Der Landrat will jedoch versuchen, Wenigenlupnitz „in den nächsten Wochen wieder zu entlasten“.

Aus dem Dorfgemeinschaftshaus in Buttlar sind die Asylbewerber wieder ausgezogen. Dieses wird für die Kirmes gebraucht. Im Fall von Tiefenort organisiert der Kreis den Schulsport in Kieselbach – die Schüler müssen gefahren werden. Die Fußballer können in Bad Salzungen trainieren.

In einem Brief an alle Bürgermeister hatte der Landrat deutlich gemacht, wie viele Asylbewerber die jeweilige Gemeinde entsprechend Größe und Einwohnerzahl aufnehmen müsste. „Die Reaktionen waren gut, aber noch nicht ausreichend“, sagte Krebs an die Adresse der Kreisräte, zu denen viele Bürgermeister gehören. Man suche weiter „krampfhaft“ nach Objekten zur Unterbringung. Gespräche würden derzeit zu drei Häusern laufen. Auch ein Containerdorf solle aufgebaut werden, die Container seien bestellt, die Fläche stehe fest.

Eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge über den Kreis sei aber schwierig. Krebs weiß, dass neben den Gemeinschaftsunterkünften in Gerstungen und Wenigenlupnitz vor allem in Wutha-Farnroda, Ruhla und Bad Salzungen Flüchtlinge aufgenommen worden sind. Er dankte diesen Kommunen sowie allen ehrenamtlichen Helfern, so vom Roten Kreuz, von Feuerwehren, Vereinen, Kirchgemeinden. In den Dank schloss er die Mitarbeiter der Kreisverwaltung ein. „Wir haben einen Krisenstab geschaffen, und jedes Amt muss einen Mitarbeiter abstellen, der ein Objekt betreut“, verdeutlichte Krebs. Aber auch auf Landesebene, so seine Forderung, müsse endlich ein Krisenstab eingerichtet werden.

Zudem dürfe es über den Winter keinen Abschiebe-Stopp mehr geben. Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt sei, müssen nach Ansicht von Krebs in ihre Heimat zurückkehren. Für den Wartburgkreis treffe das auf 33 Prozent der derzeit 800 Asylbewerber zu. Weitere 28 Prozent würden aus Ländern stammen, die als sicher gelten.

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