Wer gewinnt den Geschichtspreis 2017 in Thüringen?

Heute startet der 3. Geschichtswettbewerb des Landtagspräsidenten und der Thüringer Allgemeinen. Mitmachen können alle Schüler der 9. bis 12. Klassen.

So sehen Sieger aus: Teilnehmer des letzten Geschichtswettbewerbs trafen sich im Oktober zur Preisverleihung im Thüringer Landtag. Der Preis wird offiziell von Landtagspräsident Christian Carius ausgelobt. Partner sind das Thüringer Ministerium für Bildung sowie das Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) und die Thüringer Allgemeine. Foto: Marco Schmidt

So sehen Sieger aus: Teilnehmer des letzten Geschichtswettbewerbs trafen sich im Oktober zur Preisverleihung im Thüringer Landtag. Der Preis wird offiziell von Landtagspräsident Christian Carius ausgelobt. Partner sind das Thüringer Ministerium für Bildung sowie das Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) und die Thüringer Allgemeine. Foto: Marco Schmidt

Foto: zgt

Die Reformation und ihre Wirkung bis heute – das ist das Rahmenthema des Geschichtswettbewerbs 2017. Die Schüler können ihr konkretes Thema frei wählen und zum Beispiel über die historischen Gründe von Spaltung, über religiöse Intoleranz und Diskriminierung nachdenken.

Eine Preisträgerin des letzten Wettbewerbs war die Erfurterin Lisa Stahl. Im Interview verrät die Gymnasiastin, warum es so spannend ist, in die eigene Geschichte einzutauchen.

Was hat Sie am jüdischen Leben in Erfurt interessiert?

Die Anregung kam von meiner Geschichtslehrerin. Ich fand das Thema sofort gut. Viele wissen nicht, was den Juden nach 1945 widerfuhr. Ich bin in Erfurt geboren und aufgewachsen und fand es spannend, etwas Neues über meine Stadt zu lernen.

Wie haben Sie Zugang zum Thema gefunden?

Herangetastet habe ich mich zunächst über Literatur zur Stadtgeschichte. Gestoßen bin ich dabei auch auf Texte der Direktorin des Stadtarchives, Antje Bauer, zum Umgang mit Opfern des Faschismus nach dem Krieg sowie auf Hinweise zur Biografie des langjährigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Thüringen, Wolfgang Nossen.

Was wussten Sie bereits über das Thema?

Sehr wenig. Ich kannte die alte Synagoge, die heute ein Museum ist, und wusste, dass es eine jüdische Gemeinde mit einer neuen Synagoge gibt. Jüdische Religion wurde zwar im Unterricht behandelt, ein Gebet oder ein Ritual hatte ich aber noch nie miterlebt.

Was war Ihr erster Eindruck?

Nach dem Sturz des NS-Regimes gab es eigentlich keine Juden mehr in Thüringen. Das jüdische Leben kam erst wieder mit den Bussen aus Breslau in Gang, wo auch Wolfgang Nossen dabei war. Ich fand es bemerkenswert, dass sie hierher zurückgekommen und dann auch geblieben sind.

Hatten Sie vorher schon wissenschaftlich gearbeitet?

Nein, das war meine allererste wissenschaftliche Arbeit. Ich habe Thesen aufgestellt und versucht, sie zu untermauern. Dabei habe ich sehr viel Hilfe und Unterstützung erfahren. Meine Geschichtslehrerin Frau Reichard hat mir mit den Kontakten zum Stadtarchiv und zur jüdischen Gemeinde geholfen. So konnte ich über das, was ich über das jüdische Leben gelesen habe, Interviews führen.

Wie sind Sie bei den Interviews vorgegangen?

Man muss sich überlegen, wen man interviewt. Über Wolfgang Nossen gibt es schon sehr viele Informationen. Mein Gespräch mit ihm habe ich genutzt, um mir Fakten bestätigen zu lassen. Darüber hinaus wollte ich besondere Fragen stellen. So konnte ich seinen Weg nach Erfurt rekonstruieren. Ein weiteres Interviews habe ich mit einer Mitarbeiterin der jüdischen Gemeinde geführt. Ich habe die Gespräche mit einem Tonband aufgezeichnet, was ich nur empfehlen kann.

Was hat Sie beeindruckt?

Nach 1945 wurde auf den Meldebögen für eine Opferentschädigung wieder die Rassenzugehörigkeit abgefragt. Obwohl Hitlerdeutschland Vergangenheit war, mussten die Betroffenen wieder Jude hinschreiben. Dies sowie konkrete Schicksale haben mich sehr traurig gemacht. Ich habe versucht, dass auch persönlich zu verarbeiten.

Was bedeutet Ihnen der Preis?

Der Wettbewerb war ein schöne Möglichkeit, sich über den Unterricht hinaus mit einem Thema intensiv zu befassen. Über den Preis als Bestätigung meiner Arbeit habe ich mich sehr gefreut. Wenn ich jetzt an der Synagoge vorbeigehe, sehe ich sie mit anderen Augen.

Wie kann ich teilnehmen?

Thüringer Schüler aller 9. bis 12. Klassen können am Geschichtswettbewerb teilnehmen, ob mit Einzel-, Gruppen- oder Klassenarbeiten. Zu gewinnen gibt es Preise im Gesamtwert von 5000 Euro. Zudem gibt es weitere Preise, darunter:

  • Empfang der Gewinner und ihrer Lehrer durch den Landtagspräsidenten
  • Einladung der erfolgreichsten Teilnehmer zu einem Workshop der TA
  • Urkunden für alle
  • Veröffentlichung der besten Arbeiten in der TA

Redakteure der TA kommen gern in die Klasse, helfen beim Erstellen des Konzepts und beim Schreiben der Beiträge.

Die Beiträge können als Reportage, Essay, Interview oder Bericht präsentiert werden. Auch Online-Projekte, Videos und Podcasts sind möglich. Die Beiträge können in Text-, Bild- und Internet-Formaten eingereicht werden, auf Papier, Datenträgern oder per E-Mail.

Bitte schickt Eure Beiträge an:

Thüringer Allgemeine

Kennwort: Geschichte

Gottstedter Landstraße 6

99092 Erfurt

Oder per E-Mail: geschichte@ thueringer-allgemeine.de

Einsendeschluss für alle ist der 30. April 2017.

Die Ausschreibung gibt es hier.

Auszug aus einer Schüler-Arbeit: Die Flucht der Erfurter Juden aus der DDR

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