2020 mit wichtiger Weichenstellung für Feuerwehr Bad Sulza

Bad Sulza.  Vergrößerte Landgemeinde Stadt Bad Sulza investiert im Bereich Feuerwehr in Technik, Verwaltung und in die Gebäude.

Archivaufnahme aus dem Vorjahr: Anlässlich der Feierlichkeiten 150 Jahre Feuerwehr in Bad Sulza demonstrieren die Floriansjünger historische Einsatztechnik.

Archivaufnahme aus dem Vorjahr: Anlässlich der Feierlichkeiten 150 Jahre Feuerwehr in Bad Sulza demonstrieren die Floriansjünger historische Einsatztechnik.

Foto: Sascha Margon

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Zu Volksfesten präsentierten die Floriansjünger aus der Kurstadt gerne ihre nunmehr über 150 Jahre währende Tradition im Kampf gegen Flammen und andere zivile Katastrophenfälle. Dabei wird auch der Einsatz historischer Feuerwehrtechnik mit tüchtig Muskelschweiß demonstriert. Die 2019 an die Stützpunktfeuerwehr in Bad Sulza ausgelieferte hochmoderne Drehleiter bildet dazu die passende Kontrastfolie: Die Feuerwehr unterliegt dem Wandel der Zeit – auch 2020 werden wieder und wurden bereits Weichen gestellt, um die Leistungsfähigkeit der Truppe sowie die Sicherheit der Einsatzkräfte im Ernstfall zu erhöhen.

Mit der Eingliederung der Saaleplatte in die Landgemeinde Bad Sulza müsste Stadtbrandmeister Falko Herrmann nun die stolze Zahl von 16 Ortschaftswehren managen – und das alles ehrenamtlich. Dass das nicht so nebenbei zu bewerkstelligen ist, war bereits vor der Fusion klar. Offiziell an seiner Seite ist nun Torsten Herrmann, der zum 1. Januar den neu geschaffenen Job des hauptamtlichen Gerätewarts angetreten hat. Seit dem 1. Februar kümmert sich zudem Ordnungsamtsmitarbeiterin Jessica Denner im Rathaus mit um die Verwaltung von Feuerwehrangelegenheiten.

Sowohl der Feuerwehrtechniker als auch die Verwaltungsmitarbeiterin tragen dabei ein hohes Maß an Verantwortung. Torsten Herrmanns Job ist es etwa, die gesamte Feuerwehrtechnik zu erfassen – das beginnt etwa beim Helm der persönlichen Schutzausrüstung, geht über jeden Schlauch und jedes Strahlrohr. Bis Mitte des Jahres soll das Inventar der nunmehr 16 Wehren mit ihren etwa 250 Einsatzkräften komplett erfasst werden – Digitalisierung lässt grüßen. Die Software hat dabei alle Termine im Blick und meldet „Alarm“, wenn hier etwa eine turnusmäßige Wartung ansteht. Ebenfalls digitale Hilfe aus dem Rathaus gibt es bei der Organisation von Lehrgängen oder dem Bestellen von Schutzausrüstung. Im Haushaltsentwurf 2020 sind gegenwärtig für diesen Posten 200.000 Euro eingeplant.

Für den Feuerwehrtechniker wiederum wird gerade für etwa 10.000 Euro Materialkosten eine Werkstatt in der Stützpunktfeuerwehr in Bad Sulza eingerichtet, die die Landgemeindemitarbeiter in Eigenleistung erbringen und dem Stadtsäckel so circa 50.000 Euro an Kosten ersparen. Zu Torsten Herrmanns Aufgabenbereich gehört es ebenfalls, künftig etwa die Druckluftflaschen der Atemschutzgeräteträger zu prüfen und gegebenenfalls wieder aufzufüllen. Auch gehört das Reinigen des Equipments zu seinem Kompetenzbereich.

Neuanschaffung wegen unterschätzten Berufsrisikos: „Feuerwehrkrebs“

Apropos Reinigen: Ebenfalls im Entwurf für das Haushaltsjahr 2020 ist auch die Anschaffung einer Spezial-Waschmaschine für die Feuerwehr eingeplant. In Kreisen der Verwaltung und des Stadtrates werden die Chancen als hoch eingeschätzt, dass das seit mehreren Jahren auf der Wunschliste der Feuerwehr stehende Gerät gekauft werden kann – und wegen der guten Haushaltslage nicht dem Rotstift zum Opfer fällt. Die große Zahl der Einsatzkräfte in der Landgemeinde erhöhe zudem die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anschaffung.

Ein weiteres Argument für die dauerhafte Verfügbarkeit einer solchen Anlage ist die Gesundheit der Kameraden selbst, die sich schon beim Bekämpfen eines Feuers einer unmittelbaren Gefahr aussetzen. Brandgefährlich, dafür aber fast unsichtbar sind die Rauch-Ablagerungen an der Einsatzkleidung, die alsbald gewaschen werden müsste. Eine 2018 veröffentlichte kanadische Studie konnte nachweisen, dass bestimmte Substanzen wochenlang auf der Schutzausrüstung verbleiben können und im schlimmsten Fall über die Haut aufgenommen werden. Die Studie sieht einen Zusammenhang, dass bei 86 Prozent aller Todesfälle unter Feuerwehrleuten die gleiche Diagnose gestellt wurde: Krebs.

Dass 100 Prozent aller Ausrüstungsgegenstände wenigstens einmal im Jahr und direkt nach solchen Einsätzen mit der Waschmaschine gereinigt werden, dafür wäre Torsten Herrmann dann ebenfalls zuständig.

Zuständigkeit ist das Stichwort für einen wichtigen Bestandteil einer bevorstehenden Änderung der Feuerwehrsatzung. Marcel Schmidt, der bis Ende Dezember 2019 tätige Ortsbrandmeister der Saaleplatte, soll durch die Satzungsanpassung neben Enrico Bisch zum zweiten Stellvertreter Falko Herrmanns werden und als Bindeglied zu den Wehren der ehemaligen Saaleplatte fungieren. Angepasst werden soll auch die Feuerwehrentschädigungssatzung an die Neujahr geänderten Vorgaben des Freistaates. Funktionsträger erhalten dadurch größere Bezüge.

Ebenfalls 2020 sollen zwei Garagenstellplätze für die Stützpunktfeuerwehr in Bad Sulza auf den Weg gebracht werden. Im Stadtrat wurde dazu kürzlich der Zuschlag an das Architekturbüro Dietmar Köcher in Berlstedt erteilt. Der Bau soll insgesamt rund 400.000 Euro kosten und müsste bis spätestens 2023 abgeschlossen sein. Denn dann erhalten die Floriansjünger in Bad Sulza einen neuen Mannschaftstransportwagen (MTW) vom Landkreis. Ein weiteres Einsatzfahrzeug ist bereits vorhanden, wird aber wegen eines fehlenden Stellplatzes momentan an anderer Stelle untergebracht. Die Kosten für das Vorhaben teilen sich das Land Thüringen und das Weimarer Land.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.