Apolda als ländliches Zentrum des nationalen Städtebaus

Apolda.  Fachtagung in Stadthalle über Bauen im ländlichen Raum. Stadt Apolda verrät Details zu großem Städtebauvorhaben.

Fachtagung "Generationengerechtes Bauen im ländlichen Raum" in der Stadthalle Apolda.

Fachtagung "Generationengerechtes Bauen im ländlichen Raum" in der Stadthalle Apolda.

Foto: Martin Kappel

Die heuer gerade noch rund 22.500 Einwohner zählende Kreisstadt Apolda durfte am Dienstag mit Fug und Recht gleich im doppelten Sinne als ein ländliches Zentrum des nationalen Städtebaus genannt werden. Ländliches Zentrum deshalb, weil die in der Stadthalle stattgefundene Fachtagung gerade den dörflichen und kleinstädtischen Kontext bestimmter Themen beleuchten wollte. Nationaler Städtebau auf der anderen Seite, weil Apolda durch die auf Bundesebene prämierte „Open Factory“ im Eiermannbau erneut eine Großchance hat, den Standort nicht nur für ältere, sondern auch für jüngere Generationen attraktiv zu machen – mit einem verheißungsvollen Seitenprojekt.

Die älteren Bewohner wie die Bewohner mit Handicap standen dabei als Zielgruppe während der Tagung „Generationengerechtes Bauen im ländlichen Raum" im Mittelpunkt. So hatte der Thüringer Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Joachim Leibiger gemeinsam mit den Architektenkammern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zu der Fachtagung mit Schwerpunkt Inklusion und Barrierefreiheit eingeladen.

Heutiger Städtebau ist künftige Baukultur in Thüringen

Vertreter aus Politik und dem Bauwesen waren dieser Einladung gefolgt und erhielten Informationen zu Förderrichtlinien, unter anderem was den Schulbau, den Städtebau und den ÖPNV anbelangt. Hier war es Referatsleiterin Anja Maruschky im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, die nicht nur über die künftige baukulturelle Bedeutung der Barrierefreiheit sprach, sondern auch darüber, dass dieser Faktor schon jetzt Förderbedingung oder zumindest ein wichtiger Faktor für eine Fördervoraussetzung darstellt.

Ein Nebenprojekt der „Open Factory“ atmet nicht diese nur Barrierefreiheit, sondern noch viel mehr. So verriet Apoldas Bauamtschef Stefan Städtler dieser Zeitung unlängst, dass ein in vielen Hinsichten bemerkenswerter Bau auf dem Grundstück um das Baudenkmal entstehen soll. „Das wird kein zweiter Eiermannbau, aber er wird ebenso innovativ“, so der Experte aus dem Rathaus.

Wettbewerb für Gestaltung von Neubau vor dem Eiermannbau

Anfang 2021 soll es dazu einen großen Wettbewerb geben. Als gesetzt gelten die Eckpunkte, dass dieser „Neubau“ für die Allgemeinheit, für Jung und Alt und für Kultur und Kunst gedacht ist – „von frühkindlichen Kursen bis hin zum Yoga für Senioren“, so Stefan Städtler.

Ein weiterer wichtiger Eckpunkt ist, dass das Gebäude nahezu ohne Betriebskosten auskommen soll und auf CO2-speichernde Baustoffe zurückgegriffen werden soll. „Holz ist ein idealer Baustoff und in Thüringen ist davon sogar zu viel vorhanden“, erklärt der Bauamtschef.

Das IBA-Projekt „Timber Prototype House“ - ein Experimentalbau mit Holz aus der Region, welches mit modernsten Fertigungsmethoden für optimale Passgenauigkeit und Dämmwerte optimiert wurde und neben dem Eiermannbau besichtigt werden kann – gilt als technologische Inspiration für den Neubau, der vielleicht sogar Forschung, Entwicklung oder Produktion moderner Holzbaustoffe nach Apolda bringen könnte. Das ist die vielleicht nächste Großchance für die Kreisstadt nach den positiven Effekten durch die Landesgartenschau.