Apoldaer Energieversorger setzt auf Wind und Sonne

Apolda  Seit 2014 ist Unternehmen bei Windkraft engagiert. Das soll ebenso ausgebaut werden wie Solarthermie und Photovoltaik.

Die Landschaft wird zunehmend durch Windkraftanlagen geprägt – Zeichen der Energiewende.

Die Landschaft wird zunehmend durch Windkraftanlagen geprägt – Zeichen der Energiewende.

Foto: Alexander Volkmann

Zwar lahmt der Ausbau der Windkraftanlagen bundesweit spürbar, was unter anderem an fehlenden Flächen, den im Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2017 verschärften Förderregularien, langwierigen Genehmigungen und Protesten liegt – dennoch ist die Energieversorgung Apolda (Eva) auf dem Sektor „Erneuerbare Energie“ kontinuierlich aktiv. – Weitere Windenergie-Engagements nicht ausgeschlossen.

Seit dem Jahre 2014 ist der lokale Energieversorger an der Windkraft Thüringen (WKT) beteiligt. Aktuell liegt das Investment der Eva immerhin bei gut einer Millionen Euro. Dabei ist die Eva zusammen mit anderen Stadtwerken in der WKT engagiert. 13 sind es aktuell, darunter die Stadtwerke Weimar.

Die WKT erwirbt in der Regel fertige Parks.

Die ausschließlich in Thüringen stehenden 19 Windenergieanlagen erbringen momentan eine Gesamtleistung von rund 57 Megawatt, heißt es bei der Firma WKT.

Daraus resultieren etwa 100 Gigawattstunden „grüne Energie“, mit der die Stadt Apolda zweimal versorgt werden könnte, ergänzt Holger Rudert. Nach Auskunft des Kaufmännischen Leiters der Eva befinden sich diese Windparks in der Nähe von Hornsömmern, Immenrode, Kutzleben, Mihla und Ostramondra. Im Weimarer Land gibt es von der WKT demnach keine Anlagen.

Im zuletzt erworbenen Windpark befinden sich Anlagen mit 3,3 Megawatt Leistung.

Dass die Eva mit bei der WKT dabei ist, hat mehrere Gründe. So wäre sie, würde sie selbst in dieses komplexe Geschäftsfeld einsteigen, sowohl finanziell als auch mit Blick aufs Know-how überfordert.

Die Windgiganten, die bis zu 3000 Tonnen schwere Fundamente erfordern und Aufbauten von bis zu 1000 Tonnen haben, können bis zu drei Millionen Euro teuer sein. Um aber trotzdem bei den Erneuerbaren ein stückweit mitzumischen, entschied man sich für die Beteiligung an der WKT, in der die Sachen Windstrom-Kompetenz gebündelt ist. Damit sei auch das Risiko auf mehrere Schultern verteilt, erklärt Rudert. Die Eva könne davon profitieren, zumal mit sicheren Renditen zu rechnen sei, so Eva-Geschäftsführerin Sandra Proft. So könne man bei Neuanlagen von Renditen zwischen 4,5 bis 5 Prozent ausgehen. Bei Solaranlagen sei das etwas anders, in diesem Segment sei derzeit etwas weniger zu holen. Allerdings ist das Engagement des Apoldaer Energieversorgers auf diesem Feld ohnehin überschaubar. – Gerade mal zwei Anlagen gibt es: eine auf dem Firmengelände, eine auf dem städtischen Bauhof.

Allerdings gebe es Ideen in Richtung weiterer Photovoltaikanlagen oder auch Solarthermie, warf Holger Rudert ein. Eingespeist werden könnte die Solarthermie-Energie dann ins Fernwärmenetz.

Aber auch die Bürger haben etwas vom Wind-Engagement der Eva, schließlich können die Schwimmbäder über die Apoldaer Beteiligungsgesellschaft ihre relativ moderaten Eintrittspreise dank jährlicher Überschüsse bei der Eva halten.

Aber zurück zur Energie: Gar nicht engagiert ist die Eva bei Biomasse und Wasser. Hier seien die Risiken deutlich zu hoch, so Rudert. Neben dem Wind verweist er aber sogleich aufs Blockheizkraftwerk, das ebenfalls sehr umweltschonend Energie produziere.

Der Anteil der Erneuerbaren Energien im Netz der Eva liege aktuell bei rund 53 Prozent. Mit dem Energiemix befinde man sich klar überm Bundesdurchschnitt, der bei 33 Prozent liegt.

Zudem meint Sandra Proft, dass man durch das Wind-Engagement die Energiewende konkret vor Ort befördere, was angesichts der aktuellen Umweltdebatte opportun sei. Durch die Energieerzeugung vor Ort könne obendrein die Notwendigkeit zum Netzausbau reduziert werden, so die Geschäftsführerin.

Dennoch: Die Nachfrage der Eva-Kunden ist offensichtlich noch nicht dort, wo man sie sich wünscht. So bot man vor Jahren mal ein Produkt mit 100 Prozent Ökostrom an. Interessenten habe es dafür aber nur zwei gegeben. Möglicherweise liegt es daran, dass auf den Arbeitspreis ein gewisser Aufschlag erfolgt.

Übrigens: Gesetzlich vorgegeben soll der Anteil der Erneuerbaren allein in Thüringen bis zum Jahre 2040 auf 100 Prozent kommen. Die Eva wäre daran ein stückweit beteiligt.

Energie-Mix bei der Energieversorgung Apolda im Jahre 2017; Erneuerbare – nach EEG-Gesetz gefördert: 52,9 Prozent; Kohle: 22,8 Prozent; Erdgas: 17,2 Prozent; Kernenergie 6,6 Prozent; sonstige fossile Energieträger 0,5 Prozent

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