Apoldaer Stadtwald trotzt bisher Hitze und Dürre

Apolda  Dichtungspflege und Naturverjüngung zahlen sich aus. Birken und Baumhaseln sind neben Fichten besonders anfällig

Der Stadtwald macht auch auf den Laien einen intakten Eindruck.

Der Stadtwald macht auch auf den Laien einen intakten Eindruck.

Foto: Sascha Margon

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Stadtökologe Hubert Müller ist trotz der thüringenweiten Meldungen über die Auswirkungen von Dürre und Extremhitze zuversichtlich. Zumindest, wenn es um das Apoldaer Stadtgrün und den Stadtwald geht. „Wir haben bereits seit Jahren im Stadtgebiet auf Baumarten gesetzt, die solche Extreme besser verkraften, als althergebrachte Sorten“, so der Fachmann. Bei einem Vororttermin im Apoldaer Stadtwald zwischen Jahnhöhe und Schötener Promenade ist zu sehen, was Müller meint. Bis Anfang des Jahres wurden hier große Mengen an Fichten gerodet. Gerade diese Baumart ist der große Verlierer des Klimawandels. Die gestressten Bäume haben wegen der Trockenheit keine Chance, ihre natürlichen Abwehrmechanismen etwa gegen den Borkenkäfer zu aktiveren. Sie waren am Ende nicht mehr in der Lage, dass nötige Harz zu produzieren, um ihre Wunden schließen zu können. Der Bestand war fast zu 100 Prozent von dem Käfer befallen. Zwischen dem Ortsteil Schöten und der Rennstrecke am Tannengrund wurden deshalb in den vergangenen Monaten rund 700 Festmeter der Nadelbäume geschlagen. Was übrig blieb, macht auch auf den Laien einen Eindruck von einem intakten Waldgebiet. So wurde bereits Anfang der 1990er-Jahre in dem Gebiet eine Naturverjüngung angeschoben. Der als Wirtschaftsforst deklarierte Bereich mit Laubbäumen, wie Esche, Ahorn oder Robinie bestückt. Bereits vor der jüngsten Fäll-Aktion wurden in dem Wald Weißtannen und Eiben gepflanzt, was etwa von Schülern der evangelischen Grundschule tatkräftig unterstützt wurde. Trotz Dichtungspflege, bei der besonders wertvolle Bäume freigeschnitten werden für ein besseres Wachstum, soll das Grün auch in gewisser Weise sich selbst überlassen werden. Der Fachmann spricht von Selbstansaat.

Bäume reproduzieren sich auf natürliche Weise durch Samenausfall. Dabei helfen Krähen, Rehe oder andere Tiere, die Samenkörner, Nüsse und Kerne weit verbreiten können. Und so sprießen zwischen den Laubbäumen auch Walnuss, Pflaume oder andere Obstsorten. Die Selbstansaat als Naturverjüngung hält drei wesentliche Vorteile bereit. Neben einer ausgeprägteren Artenvielfalt, muss auch der Mensch nicht mit Nachsaaten eingreifen. Bäume, die durch diese Art Saat aufgehen, haben sich meist besser mit dem Standort arrangiert, als jene, die von Menschenhand in den Boden kommen. Wie das Beispiel der Ulme zeigt.

In einem Punkt will der Stadtökologe dann aber doch noch eingreifen, geht es um die Ansiedlung von Stileichen. Eine entsprechende Aktion mit einer Apoldaer Schule ist bereits in Planung, so Müller.

Anders als im Stadtwald werden im inneren Stadtgebiet seit Monaten alle Neupflanzungen bis zu fünf Jahren kontinuierlich gewässert. Durch Oberflächenversiegelung, Luftverschmutzung und anderen Einflussfaktoren, sei dies besonders wichtig, um das Heranwachsen der Bäume zu sichern. Sorgen machen Müller derzeit nur noch die Birken und Baumhaseln im Stadtgebiet, die werden wohl über kurz oder lang verschwinden. Kamen sie bisher mit der Trockenheit gut zurecht, treten nun immer mehr Schäden auf.

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