Apoldas riesiges Schlagzeuger-Talent

Apolda  Lucas Rauch hat bereits hochkarätige Preise erobert

Sieger seiner Klasse beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und beim Preisträgerwettbewerb „Wespe“: der Schlagzeuger Lucas Rauch aus Apolda.

Sieger seiner Klasse beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und beim Preisträgerwettbewerb „Wespe“: der Schlagzeuger Lucas Rauch aus Apolda.

Foto: Martin Kappel

Schwarze Matten hängen an den Wänden. Sie schlucken den Schall, sorgen für Frieden mit den Nachbarn. Ein kleiner Raum, irgendwo in Apolda. „Es wird jetzt laut. Es ist ja keine Harfe“, sagt der 19-Jährige und schmunzelt zum Reporter. Die Boxen summen. Mikrofone sind auf das Schlagzeug gerichtet. Lucas Rauch setzt sich auf einen kleinen Schemel. Der Pegel wird mit Tritten gegen die Bass Drum und Schlägen auf Trommeln und Becken getestet.

„Geschichte – Geschichte“ tönt es plötzlich völlig überraschend aus den Monitoren, während der Ausnahmeschlagzeuger zu spielen beginnt. Es ist genau jenes von ihm komponierte Stück, mit dem er vergangenes Wochenende einen Sonderpreis bei „Wespe“ ertrommelte. Dabei geht es aber nicht um stechende Insekten. Denn zum Musikwettbewerb werden nur die besten Deutschlands eingeladen – also all diejenigen, die schon beim Bundesausscheid von „Jugend musiziert“ in Halle an der Saale in ihren Kategorien und Altersklassen überzeugen konnten.

Apolda. Lucas Rauch versinkt nun ganz in seinem Spiel. Mal schließt er die Augen, mal reißt er sie voller Inbrunst wieder auf. Offen steht ihm auch mal der Mund. Doch sprechen lässt er beim Werk „Room For More“ andere: Freunde, Lehrer seiner alten Schule, dem Berggymnasium, oder andere Weggefährten, die er mit der Botschaft verbindet. Die kurzen Wortbeiträge, die er mit einem Schlag auf das sogenannte Drum Sampling Pad abspielt, hat er mit einem Recorder aufgenommen. Es sind Schlagworte. „Room For More“, das bedeutet, dass die Gesellschaft mehr Platz haben solle für Toleranz, für Weltoffenheit, für Gerechtigkeit. Doch auch dafür, dass wir ein Bewusstsein für die Folgen unserer Handlungen haben sollen, seien sie ökonomisch, ökologisch, politisch.

Lucas Rauch ist Teil seines Zeitgeists, wie er später verrät. Doch ist ihm persönlich Widerstandsfähigkeit wichtig, besonders dann, wenn man etwas, so wie es ist, nicht haben möchte – etwa die AfD, die rechte Szene. Das gefalle ihm gerade nicht.

Andersherum merkte man Lucas Rauch schon früh an, dass ihm die Musik nicht einfach nur gefiel. Mit 6 Jahren hatte er den ersten Klavierunterricht, doch behielt er dieses Kribbeln in den Fingern. Auf Muttis Kochtöpfen legte er dann mit den Holzlöffeln los. Mit 11 Jahren dann der erste Schlagzeugunterricht.

Einen deutlichen Entwicklungsschub bescherte ihm fünf Jahre später sein neuer Lehrer Berkeley Williams. Der US-Amerikaner habe ihn gepusht, zuweilen auch mal ordentlich überfordert und ihn die amerikanische Schlagzeugschule hoch- und runterexerzieren lassen – und Lucas Rauch ein Treffen mit Vorbild Steve Gadd ermöglicht.

Mit 17 Jahren unternahm der Apoldaer übrigens den ersten Wettkampfversuch – und scheiterte fulminant. Schon in der Regionalrunde war für ihn Schluss. Mit Fieber und einem Playback, das einer Katastrophe ähnelte, fehlte am Ende genau ein Punkt.

Jene Urkunde, die er damals für sein Versagen erhielt, ist der einzige „Preis“, der in seinem Zimmer hängt. So sollte es nie wieder laufen. Lange war er niedergeschlagen. Doch dann war der Ehrgeiz vollends geweckt.

Statt weiterer Versuche in der Hoffnung, vielleicht besser abzuschneiden, konzentrierte er sich auf das Üben. Machte für die Schule genau das, was nötig war, aber auch nicht mehr – probte erst allein, fuhr dann zur Probe mit einer seiner Bands.

Manche Lehrer hatten Verständnis. Hinter ihm stand aber immer seine Familie, seine Eltern und Großeltern. Oder der Rotary Club, der ihm mehrere Hundert Euro zum Drum Sampling Pad dazu schoss. Oder das DRK in Apolda, wo er kostenfrei zwischen verstaubten Kartons im Keller eine Zeit lang seinen Proberaum hatte. Doch wollte er irgendwann dort die Mitarbeiter nicht länger nerven – und bezog seinen neuen Raum.

Schon seit 2013 hatte er den Wunsch, professioneller Schlagzeuger zu werden. Nach seinem dennoch guten Abi im Sommer probt er jetzt ein Jahr lang, um sich seinen Traum zu erfüllen: An einer der in den Bereichen Jazz oder Pop renommierten Musikhochschulen in Deutschland angenommen zu werden, dort jemanden zu finden, der sich genauso für Musik begeistert wie er – mit denen dann umherreisen, die großen Bühnen der Welt bespielen, herumkommen, vielleicht eine eigene Studioplatte aufnehmen und als zweites Standbein dann vielleicht Studiomusiker werden.

Sein Talent lässt dabei eines vermuten: Für Lucas Rauch ist definitiv Room For More.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.