Aushilfspfarrer aus Indien tritt Dienst in Apolda an

Apolda.  Pater Justin Palimattom unterstützt für ein Jahr die Arbeiten in der Pfarrei und der Kirchgemeinde St. Bonifatius in Apolda

Erst gestern übernahm Pater Justin Paul aus Indien den Mittwochs-Gottesdienst in Apolda. Am Nachmittag ging es dann nach Bad Sulza zum Krankenbesuch eines Kirchenmitglieds.

Erst gestern übernahm Pater Justin Paul aus Indien den Mittwochs-Gottesdienst in Apolda. Am Nachmittag ging es dann nach Bad Sulza zum Krankenbesuch eines Kirchenmitglieds.

Foto: Sascha Margon

Diakon Daniel Pomm von der katholischen Gemeinde St. Bonifatius hat eigens in den Kirchenunterlagen recherchiert und wurde nicht fündig. „Damit ist Pater Justin Palimattom aus Indien wohl der erste ausländische Priester, den wir hier in Apolda begrüßen dürfen“, erklärt Pomm. Im September hat Pater Justin aus Indien in der Pfarrei „St. Johannes Baptist“ Jena, zu der auch die Gemeinde in Apolda gehört, die Stelle eines Kaplans übernommen.

Ein Jahr wird er in Apolda neben dem Religionsunterricht regelmäßig die Gottesdienste am Mittwoch und im wechselnden Rhythmus jene an den Sonntagen halten. „Ich fühle mich jetzt schon wohl in Apolda und bin sehr freundlich aufgenommen worden“, so der 44-Jährige, der diese Woche Geburtstag feierte.

Apolda ist für den Katholiken nach zwölf Jahren seine letzte Station in Deutschland, bevor er 2021 wieder in seine Heimat nach Kerala im Süden von Indien zurückkehrt. 2008 kam er auf Wunsch seines Ordensvorsteher nach Europa, übernahm in Dortmund eine Priesterstelle und arbeitete als Seelsorger. „Ich habe mich am Anfang gefühlt, wie eine Maus, die im Wasser schwimmt“, erinnert sich Pater Justin an die ersten Wochen im fremden Land. Damals konnte er kein Wort deutsch, kannte die Kultur, die Menschen und das ungewöhnliche Wetter nicht. Dank Sprachkurs und der Arbeit in der Kirche lebte er sich aber schnell ein. Nach acht Jahren in Dortmund, startet Pater Justin 2015 ein Studium in Erlangen zum Drucker und zur christlichen Medienkommunaktion. Da er diese ein Jahr eher beenden konnte als geplant, bleibt ihm nun die Zeit in Apolda.

Glücklich zeigt sich Pater Justin drüber, nach dem Kennenlernen der Großstadt auch im ländlichen Raum arbeiten zu dürfen. Vor allem die Tätigkeit in der Gemeinde und mit den Menschen beflügeln ihn. „Im Religionsunterricht wurde ich schon mit vielen Fragen gelöchert, wie das Leben und die Kultur in meiner Heimat aussieht, wie bestimmte Wörter auf indisch ausgesprochen werden oder was die Menschen für Kleidung tragen“, freut sich Palimattom.

Dennoch freut er sich aber auch seine Heimat, Freunde, Familie und Ordensbrüder bald wiederzusehen, die er in den letzten 12 Jahren nur in seinem Urlaub regelmäßig besuchen konnte. In Indien erwartet Pater Justin, der Mitglied des Karmeliterordens ist und bereits ein Studium in Psychologie, Philosophie und Theologie absolviert hat, ganz neue Aufgaben. Dank seines Studiums in Deutschland wird er künftig die Leitung einer Schule für Arme übernehmen. Über 450 Studenten werden an der finanziell unterstützten Einrichtung in den Bereichen Drucktechnologie, Elektro- und Kfz-Technik ausgebildet.

Obwohl er sich auf diese Aufgabe freut, wird er auch seiner neuen Zweitheimat stets verbunden bleiben, wie er erklärt. Unter andrem begleitet er gemeinsam mit dem Verein „Helfen mit Herz“ das Ziel, hörgeschädigten Kindern in Indien unter die Arme zu greifen. Dazu wird er künftig regelmäßig einmal im Jahr Deutschland besuchen.