Bad Sulza bekommt durch private Initiative neues Aushängeschild

Bad Sulza  Kunstgalerie Villa „Sonneck“ öffnet in Kurstadt. Zunächst kostenfreie Premiere mit Werken von Holfeld und Judersleben

Kurator Bernhard Heinzelmann steht im Eingangsbereich der am Samstag in Bad Sulza ihre Premiere erlebende Kunstgalerie. An den frisch gestrichenen Wänden sind auch Botschaften aufgesprüht, unter anderem das Zitat von Karl Holfeld: „Meine Bilder sind gemalte Meditation“.

Kurator Bernhard Heinzelmann steht im Eingangsbereich der am Samstag in Bad Sulza ihre Premiere erlebende Kunstgalerie. An den frisch gestrichenen Wänden sind auch Botschaften aufgesprüht, unter anderem das Zitat von Karl Holfeld: „Meine Bilder sind gemalte Meditation“.

Foto: Martin Kappel

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Das Sprichwort besagt, dass jedes Ende, so traurig es auch sein mag, ebenso die Möglichkeit von etwas Neuem in sich trägt. Im Fall der Bad Sulzaer Künstlerdynastie um Georg Judersleben und Karl Holfeld könnte die am Samstag stattfindende Premiere den Kern der Volksweisheit nicht genauer beschreiben. Denn es befindet sich nichts Geringeres als eine erste richtige Kunstgalerie für die Kurstadt in den Startlöchern.

Mit ihr wird ein großer Teil des materiellen Erbes der beiden verstorbenen Maler, die in Bad Sulza lebten und arbeiteten der Öffentlichkeit künftig zugänglich gemacht. Treibende Kraft hinter der neuen privaten Galerie ist der Historiker Bernhard Heinzelmann, der die Ausstellung kuratiert sowie ein Kreis aus Freunden und Förderern der Kunst. Doch dass die Galerieeröffnung sogar nun für die Beteiligten ein wenig schlagartig und vorzeitig Realität wurde, dafür war der überraschende Tod von Ursula Holfeld – Witwe von Karl Holfeld und die alleinige Erbin seines Nachlasses – im August 2019 mitverantwortlich.

Seit 2013 – damals war er noch Mitarbeiter im Bad Sulzaer Stadtarchiv und Stadtmuseum – stand Bernhard Heinzelmann mit ihr in Kontakt. Ursula Holfeld erzählte ihm von dem Wunsch ihres Mannes Karl, dass die Villa „Sonneck“, in dem dieser rund 40 Jahre gewohnt und auch gearbeitet hatte, eine Begegnungsstätte für bildende und darstellende Künste bleibe.

Als Ursula Holfeld starb und die Frage im Raum stand, ob das Erbe veräußert und auseinandergerissen werden oder an Ort und Stelle bleiben solle, hatte der heute 67-jährige Kurator schon lange eine Entscheidung getroffen. Bereits im Vorfeld der großen städtischen Feierlichkeiten zu 950 Jahren Marktrechtsverleihung hatte er eine zugehörige Publikation erstellt, für die Arbeiten von Holfeld und Judersleben aufnahm und dadurch den Umfang und die Qualität beider Künstler erst so richtig kennenlernte. „Da war dann die Entscheidung klar, dass diese Werke vor Ort bleiben sollen, sie öffentlich zugänglich zu machen und wissenschaftlich zu erschließen“, erinnert sich Bernhard Heinzelmann.

Was Karl Holfelds Werke anbetrifft, so sind es etwa 500 Ölbilder und noch einmal circa 2000 bis 3000 Grafiken, Holzschnitte, Zeichnungen und Reproduktionen nach dem Verfahren der Monotypie, die es noch komplett zu inventarisieren und später auch ausschnitt-haft in einem Katalog zu präsentieren gelte. Von Judersleben wiederum sind 30 Ölbilder einer sehr frühen Schaffensphase in seine Verantwortung übergegangen. Die meisten anderen Werke befänden sich in privater Hand oder in städtischem Besitz.

Der Sichtungsprozess war noch nicht abgeschlossen, als das Schicksal der Kunstgalerie einen neuerlichen Anstoß gab, nachdem Bernhard Heinzelmann zuvor bei der Umsetzung einen herben Dämpfer hinnehmen musste. So hatte der Kurator ursprünglich eine Zusammenarbeit mit der Stadt favorisiert, sollten die Bilder ins Stadtmuseum wandern, doch habe die Kommune unter dem vormaligen Bürgermeister Johannes Hertwig der Idee wenig Nutzen abgewinnen können. Und auch gegenwärtig verharre die Kurstadt in einer distanzierten Haltung zur Galerie, wolle zunächst abwarten, wie das Projekt am Wochenende anläuft.

Faktisch befindet sich mit der Galerie nicht weniger als ein Alleinstellungsmerkmal für die Kurstadt auf dem Weg. In das Projekt seien nach Angaben des Kurators 30.000 Euro zweckgebunden und aus dem Nachlass von Ursula Holfeld geflossen.

Für die weitere Entwicklung des Hauses, in dem die Galerie zunächst nur im Erdgeschoss und mit den künstlerischen Lokalmatadoren startet, existieren weitere Ideen – und für die Entwicklung des Außenareals noch viel größere Pläne, die Bernhard Heinzelmann selbst vielleicht noch für ein bisschen zu ambitioniert hält – für den Moment.

Geöffnet haben soll die Galerie ab kommender Woche dann immer mittwochs, freitags sowie am Wochenende jeweils von 15 Uhr bis 17.30 Uhr. Am kommenden Samstag nun, zur doppelten Premiere quasi, öffnet die Villa „Sonneck“ für die Vernissage bereits um 14 Uhr. Dann laden die Projektfreunde zum Sektempfang. Ab etwa 15 Uhr stellt Bernhard Heinzelmann dann die Künstler und die ausgestellte Werke den Besuchern bei einer Führung vor.

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