Bäcker im Weimarer Land verteilen Zeichen gegen häusliche Gewalt

Symbolfoto

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Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Apolda.  Tütenaktion soll Weg in Beratung erleichtern. Bis Ende Oktober schon 71 Frauenschutzfälle.

Wer die Tage beim Bäcker seines Vertrauens einkauft, erhält seine frischen Brötchen wahrscheinlich in einer Bäckertüte mit der Aufschrift „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte!“, unterstützt durch das Sozialministerium.

Diese Initiative des Arbeitskreises Häusliche Gewalt, die im Rahmen des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November ins Leben gerufen wurde, soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren und Frauen den Zugang zu Hilfe erleichtern. Mit Hilfe verschiedener Bäckereien, etwa Beck in Apolda und Köllner in der Landgemeinde Bad Sulza, werden Infos verteilt, heißt es bei der Diakonie. Auch in Apotheken, der Tafel und im Bücherbus der Stadt-, Kreis- und Fahrbibliothek werden entsprechende Tüten verteilt.

Dass der Bedarf an Schutz und Begleitung betroffener Frauen hoch ist, zeigen Statistiken der zuständigen Beratungsstelle des Diakoniewerks. So liegen die Frauenschutzfälle (Stand Ende Oktober 2022) bei 71 Fällen. Zum Vergleich: Ende 2021 waren es 60. 2022 haben bereits 14 Frauen mit 15 Kindern in der Frauenschutzwohnung Zuflucht gefunden. Das sind doppelt so viele wie 2021.

Es wird unterschieden in stationäre und ambulante Frauenschutzfälle. Die ambulanten Fälle verbleiben im eigenen Wohnraum, benötigen aber Unterstützung in Form von Betreuungsgesprächen und Begleitung zu Polizei, Gericht und Jugendamt durch Fachkräfte.

Die steigende Nachfrage nach ambulanten Beratungen zeige, dass häusliche Gewalt zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, mehr Frauen den Schritt ins Hilfesystem wagen. Hilfe finden Betroffene bei der Polizei, Beratung im MGH: 03644/ 65 03 28, kostenlose Hotline 0800/ 5 76 76 76.