„Wir müssen doch etwas unternehmen“: Petition wegen „Corona-BLF" für Abschluss in Klasse 10

Apolda/Erfurt.  Petition aus dem Altkreis Apolda mahnt Landesregierung zum Umdenken bei Besonderer Leistungsfeststellung in Thüringen.

Archivaufnahme: Mit einem stillen Gedenken wurde am Erfurter Gutenberg-Gymnasium der Opfer des Amoklaufs von 2002 gedacht. Eine Folge des Massakers war die Einführung der Besonderen Leistungsfeststellung, kurz BLF.

Archivaufnahme: Mit einem stillen Gedenken wurde am Erfurter Gutenberg-Gymnasium der Opfer des Amoklaufs von 2002 gedacht. Eine Folge des Massakers war die Einführung der Besonderen Leistungsfeststellung, kurz BLF.

Foto: Sascha Fromm

Der Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 war der Hauptgrund für die Einführung der Besonderen Leistungsfeststellung (BLF) in Thüringen, die am Ende der zehnten Klasse stattfindet und Gymnasiasten mit einem zusätzlichen, dem der Realschule vergleichbaren Abschluss entlässt. Dass die Thüringer Landesregierung den Schülern trotz aller Einschränkungen durch die Corona-Krise kaum beim Prüfungsumfang und Datum entgegen kommt, hat für Petition gesorgt, die das Kultusministerium zu einer Neubewertung bewegen soll.

„Mit Freunden treffen wir uns regelmäßig im Internet zu kleinen Konferenzen“, erklärt Lydia Langer-Hälke aus Bad Sulza. Dabei sei auch das Thema BLF zur Sprache gekommen, da ihre 16-jährige Tochter Franziska derzeit die zehnte Klasse am Berggymnasium in Apolda besucht. „Wir müssen doch etwas unternehmen“, seien sich laut der ehemaligen Bad Sulzaer Stadträtin alle einig gewesen. Und so sei es zur Petition gekommen – diese hat mit Stand von Dienstagmittag gerade einmal 85 Unterzeichner, 1500 werden aber wenigstens benötigt.

BLF in Thüringen nur leicht abgespeckt und um ein paar Tage verschoben

Nach aktuellen Erkenntnissen soll die BLF in diesem Jahr aus zwei statt drei Prüfungen bestehen und der Prüfungszeitraum beginnt ab 2. Juni und nicht bereits ab dem 26. Mai.

Doch das sind Kompromisse über die Mutter und Tochter nur müde lächeln können. „In anderen Bundesländern wird auf die Prüfungen verzichtet und erhält man mit dem 10. Klasse-Zeugnis die BLF automatisch dazu“, erklärt Lydia Langer-Hälke.

Höchst unterschiedliche digitale Infrastruktur an Gymnasien im Freistaat

Die Zehntklässlerin Franziska erklärt die besonderen Schwierigkeiten, unter denen Schüler zu Zeiten der Corona-Krise lernen mussten: „Es gibt sehr große Unterschiede im digitalen Unterricht. Offiziell haben unsere Lehrer eine E-Mail-Adresse über die Schule, aber der Dienst war immer überlastet“, so die 16-Jährige. Dennoch war dies die Hauptkommunikationsform mit den Pädagogen.

Video-Konferenzen gab es mit Apolda nicht. Normale Software war wegen Datenschutzbedenken nicht anwendbar und Webcams waren lange ausverkauft. Auch seien Headsets nicht so leicht zu bekommen gewesen.

„Ich habe sieben Wochen nur E-Mails gelesen und die Lehrer nie gesehen. Die Möglichkeit zu Frage-Antwort gab es nicht“, so die Schülerin. Doch ein Dialog sei wichtig. Woher wissen die Schüler, ob sie alles richtig machen oder die Schwerpunkte richtig setzen?

Chancengleichheit und Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Gefahr

Die Chancengleichheit im Freistaat ist gefährdet, werden die Pläne der Landesregierung umgesetzt. So seien andere Schulen hingegen mit der notwendigen digitalen Infrastruktur ausgestattet, hätten also einen Vorteil. Zudem fehle die mit einem Abschluss beabsichtigte Vergleichbarkeit, wenn die unterschiedlichen Angebote Auswirkungen auf die Schuljahresleistungen hätten.

Im Prinzip könne es nur zwei Lösungen geben: Dass der 10. Klasse-Abschluss als BLF gilt und vielleicht zusätzlich, dass sich Schüler mit freiwilligen mündlichen Prüfungen ihr Zeugnis, also das BLF-Äquivalent verbessern können. Gegen eine Verschiebung der BLF in die Sommerferien hätten viele Schüler und Lehrer bereits protestiert.

Die Petition mit der Nummer 1820 kann auf der Homepage des Thüringer Landtags unterzeichnet werden.

Link zur Petition: petitionen.thueringer-landtag.de/petitions/1820