Ermittlungen nach Neonazi-Randalen in Apolda: Täter aus zwölf Bundesländern

Apolda  Am 1. Mai nahm die Polizei über 100 Neonazis, die in Apolda randaliert hatten, vorübergehend fest. Zu den Ermittlungen gibt es nun neue Erkenntnisse: Von den 103 vorläufig Festgenommen stammten 55 aus Thüringen; der Rest verteilt sich auf elf weitere Bundesländer.

Teilnehmer einer Demonstration aus Halle kamen am 1. Mai nach Apolda. Als die Polizei die nicht genehmigte Demonstration auflösen wollte, kam es zu Ausschreitungen. Archivfoto: Stefan Eberhardt

Teilnehmer einer Demonstration aus Halle kamen am 1. Mai nach Apolda. Als die Polizei die nicht genehmigte Demonstration auflösen wollte, kam es zu Ausschreitungen. Archivfoto: Stefan Eberhardt

Foto: Stefan Eberhardt

Die Neonazis waren auf der Rückreise von Demonstrationen aus Halle in Sachsen-Anhalt am Bahnhof

Apolda aus dem Zug gestiegen, hatten sich teils vermummt, zündeten Pyrotechnik und griffen die Beamten mit Flaschen und Steinwürfen an. Die Polizei hatte sich bereits damals auf langwierige Ermittlungen eingestellt. Der Vorwurf: Landfriedensbruch, Widerstand gegen Polizisten und Sachbeschädigungen.

Zu den Ermittlungen gibt es nun neue Erkenntnisse. In den organisatorischen Ablauf war laut Thüringer Landesregierung die Neonazi-Gruppe ‚Antikapitalistisches Kollektiv‘ (AAK) eingebunden. Wie die Landesregierung auf eine Anfrage von Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, nun mitteilte, hatten Neonazis drei Fahrzeuge der Thüringer Polizei beschädigt. Ein Funkstreifenwagen sei „massiv mit Steinen und Flaschen beworfen“ worden, auch die Doppelglasscheibe eines Versicherungsgebäudes sei mit einem Pflasterstein beschädigt worden. Später seien auch Nothämmer bei den Neonazis gefunden worden.

215 Polizisten in Apolda im Einsatz

König-Preuss erklärt dazu auf der Homepage der Linke: „Dass über 100 gewaltbereite und aggressive Neonazis unbegleitet fast eine Stunde lang von Sachsen-Anhalt nach Thüringen mit dem Zug reisen, weil die Bundespolizei sich verabschiedet oder das Szenario nicht geplant hat, ist schon ein Sicherheitsrisiko und schwer nachvollziehbar. Ich bin froh, dass die Thüringer Landespolizei daraufhin vorsorglich an mehrere Thüringer Bahnhöfe Beamte entsandte und nach dem Ausstieg der Neonazis am Bahnhof Apolda zügig weitere Kräfte alarmierte, um so letztendlich einen Großteil der 150 Randalierer dingfest zu machen.“

Innerhalb von weniger als fünf Minuten, nachdem die Neonazis den Bahnhof verlassen hatten, waren über 170 Polizisten alarmiert; am Ende waren 215 Beamte in Apolda im Einsatz. Von den 103 vorläufig Festgenommen stammten 55 aus Thüringen, 16 aus Hessen, neun aus Baden-Württemberg, sechs aus Rheinland-Pfalz. Weitere 17 verteilten sich auf Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Bayern, NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Wie die Landesregierung mitteilte, werden die 55 Thüringer Tatverdächtigen den folgenden zwölf extrem rechten Gruppierungen zugeordnet:

  • „Antikapitalistisches Kollektiv“ (AKK)
  • „Kollektiv56“
  • „Aktionsgruppe Weimarer Land“
  • „Pro Ohrdruf“
  • „Nationale Jugend Gotha“
  • „Division Gotha“
  • „Nationaler Aufbau Eisenach“ (Zusammenschluss von „Nationale Jugend Eisenach-Wartburgkreis“ und „Jugend-offensive Wartburgkreis“)
  • „Garde 20“
  • „Kommando EKSV“
  • „Sturm 29 - NaHoo“
  • „Werwölfe Thüringen“
  • „Division Braune Wölfe“

„Die Landesregierung gibt zugleich Hinweise für Gefahrenprognosen bei künftigen Versammlungen, indem sie erklärt, dass dort, wo das AKK auftrete, von einem erhöhten Gewaltpotential ausgegangen werden kann. [...] Angesichts des Gewaltpotentials der Gruppe, aber auch vor dem Hintergrund des neuerlichen Übergriffs von Neonazis vor wenigen Tagen auf das Erfurter AJZ, bei dem mindestens ein Täter vom ersten Überfall wiedererkannt wurde, hoffen wir, dass die Thüringer Sicherheitsbehörden das AKK noch stärker in den Blick nehmen, um entsprechende Straftaten konsequent aufzuklären und zu verfolgen“, sagt Katharina König-Preuss.

Kleine Anfrage sowie Antwort des Innenministeriums zur „Spontan-Demonstration“

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