Gesellschaft Windpark Gebstedt lebt offenbar eigene Realität

Gebstedt.  Erneute Diskrepanzen zwischen dem Wissensstand bei den Gemeinden und den Verlautbarungen der Firma WKN bezüglich Windpark Gebstedt.

Ob und ab wann solche spektakulären Aufnahmen auch bei Gebstedt entstehen können, ist auch nach dem letzten Statement der Windparkfirma WKN weiterhin unklar.

Ob und ab wann solche spektakulären Aufnahmen auch bei Gebstedt entstehen können, ist auch nach dem letzten Statement der Windparkfirma WKN weiterhin unklar.

Foto: Patrick Pleul/dpa

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Wenn es nach der Firma WKN gehen würde, dann rollten bereits die Bagger in der Nähe von Gebstedt, um den gemeinsam mit der Firma EDF als Gesellschaft geplanten Windpark zu errichten. Auf Anfrage heißt es, dass die Bauvorbereitungen abgeschlossen seien und der Baustart eigentlich für den November geplant gewesen war. Die beteiligten Gemeinden – Apolda, die Landgemeinde Ilmtal-Weinstraße sowie die Landgemeinde Stadt Bad Sulza – spielen jedoch bekanntlich auf Zeit . Das Unternehmen spricht nun als Ultima Ratio über die Nutzung von Rechtsmitteln, scheint dabei aber über die Realität bereits jetzt in eine Art Wunschdenken verfallen zu sein.

„Bisher hat noch keine abschließende Einigung mit den Gemeinden bezüglich des vorgelegten Erschließungsangebots für die Wege und Kabeltrasse stattgefunden“, so WKN-Sprecherin Rabea Petersen. „Wir befinden uns aktuell noch in der Vertragsabstimmung. Wir erhoffen uns selbstverständlich eine einvernehmliche Einigung mit den Gemeinden.“ Bis zu dieser Aussage aus der jüngst eingegangenen Presseantwort haben alle beteiligten Parteien noch den gleichen Sachstand. Richtig interessant wird es aber erst jetzt.

Gemeinden: Windparkfirma mit Falschbehauptung über Projekt in Gebstedt

In einem weiteren Schreiben hatte die WKN der Landgemeinde Stadt Bad Sulza mitgeteilt, bis Anfang November Zeit zu haben, ihr Erschließungsangebot anzunehmen. Trotz der gebotenen Viertelmillion Euro, ließ man sich in der Kurstadt aber zunächst betont Zeit für eine Antwort. In besagter Presseantwort vom Mittwoch behauptet die WKN nun aber, dass ein kurzfristiger Verhandlungstermin in Aussicht gestellt worden sei – „mit dem Ziel, diesen Vertrag auch zum Abschluss zu bringen“. Doch das ist eine mutmaßlich bewusst gestreute Fehlinformation, wie nach Gesprächen mit allen drei beteiligten Gemeinden klar wird.

Mit dieser Aussage konfrontiert, reagierte man an der zuständigen Stelle in der Stadtverwaltung Apolda eindeutig: Das angesprochene Erschließungsangebot habe für die betroffenen städtischen Flurstücke nur bedingte Relevanz. Zwar führe auch Apolda mit der WKN fortlaufende Gespräche, in diesem konkreten Fall jedoch nur zu den Kabeltrassen.

Aus dem Rathaus in Bad Sulza: Die WKN verfällt in Wunschdenken

Im Rathaus in Bad Sulza spricht man nach Kenntnisnahme des besagten Passus gar von einem „Wunschdenken“ der Windparkfirma. Ein angebliches Angebot über ein Gespräch habe es auch von dort nicht gegeben. Die letzte öffentliche Positionierung bleibe auch die jetzige Haltung der Kommune.

Verbleibt einzig noch die Ilmtal-Weinstraße. Dort hat Anita Diener unlängst das Amt des Landgemeinde-Bürgermeisters für die Übergangszeit bis zur Neuwahl übernommen. Die Kommunalpolitikerin berichtete auf Anfrage, dass sie von einem Mitarbeiter der WKN angesprochen worden sei – er würde die neue Bürgermeisterin gerne kennenlernen. Anita Diener habe entgegnet, das dafür gerade keine Zeit sei, man sich in Haushaltsberatungen befinde und vielleicht im Januar ein Treffen möglich sei. Von Vertragsverhandlungen war bei diesem Gespräch jedoch überhaupt keine Rede.

Diskrepanz wirft auch Fragen auf zur Richtigkeit vergangener Behauptungen

Diese Diskrepanz zwischen den Aussagen der Windparkfirma und dem Sachstand der anderen beteiligten Parteien wirft ein erneutes Schlaglicht auf die Behauptungen der Firma, es sei eine Einigung mit allen privaten Grundstücksbesitzern und Pächtern erzielt worden. Diese Aussage ist in Kreisen der Kommunalpolitik in Frage gestellt worden, da sie nicht belegt wurde. „Vielleicht behauptet die Firma das auch nur, damit der letzte Grundstücksbesitzer einknickt und den Vertrag unterschreibt“, so eine Stimme. Aus Kreisen der Gemeinden heißt es ebenfalls, dass auch zum heutigen Zeitpunkt noch kein Konzept für eine schlüssige Gesamterschließung vorgelegt wurde.

Doch ungeachtet des Wahrheitsgehaltes ihrer Behauptungen, ist die Haltung der Firma WKN deutlich: „Sollten die Gemeinden entgegen den jüngst getroffenen Aussagen für einen kurzfristigen Termin nicht reagieren, müssen wir gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten, um weiteren Schaden von der Projektumsetzung abzuhalten“, so WKN-Sprecherin Rabea Petersen. Der Drohung sehen die betroffenen Kommunen jedoch gelassen entgegen. Sie hoffen auf ein günstiges Urteil wegen des anhängigen Verfahrens am Thüringer Oberverwaltungsgericht in Weimar.

Alle Parteien sehen sich bereits jetzt als Sieger vor dem Gericht

Unbestätigten Aussagen zu Folge könnte dort im Januar oder Februar bereits der Hammer geschwungen werden. Dem Richterspruch sieht jedoch auch die Firma WKN gelassen entgegen. Die Chancen für ein Urteil zu ihren Gunsten schätze man sehr hoch ein, „ansonsten würden wir hier nicht weiter planen. Die regionale Planungsgemeinschaft Mittelthüringen hat sich viel Zeit mit der Aufstellung des Regionalplanes gegeben“, heißt es.

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