Hetschburger sind Schmiede ihres Glückes

Hetschburg  Eine Dorfskulptur aus der Ilmschmiede erinnert jetzt an 900-jähriges Jubiläum. Großes Festwochenende fand mit Enthüllung seinen Höhepunkt

Benedikt und Andreas Schwarz fügten Samstagabend mit Bürgermeister Alexander Loß (von links) das letzte Glied für die Skulptur zusammenFotos (5): Susanne Seide

Benedikt und Andreas Schwarz fügten Samstagabend mit Bürgermeister Alexander Loß (von links) das letzte Glied für die Skulptur zusammenFotos (5): Susanne Seide

Foto: Susanne Seide

Nicht in Stein gemeißelt, aber mit Eisen und Blech verewigt haben die 251 Hetschburger ihren schon fast sprichwörtliche Zusammenhalt. Als ein Höhepunkt des großen Festwochenendes zum 900-jährigen Bestehen des Dorfes enthüllten die Schmiede Andreas und Sohn Benedikt Schwarz am Samstagabend eine Skulptur, die diesen Zusammenhalt bildhaft ausdrückt.

An die 200 Kettenglieder hatten die Experten und Leute aus dem Dorf geschmiedet, die die Schwarzens zu einer Ketten zusammenfügten. Das letzte Glied in Form eine Blattes arbeiteten sie unter den Augen zahlreicher Schaulustiger mit Bürgermeister Alexander Loß ein und verschlossen es. Komplettiert wird die Skulptur auf einem 3,2 Tonnen schweren Basaltstein vom Inselsberg durch eine sehr aufwendig gearbeitete Wetterfahne. Diese schuf Andreas Schwarz aus wetterfestem Cordem-Blech in Rost-Optik. Geziert wird sie in 3D-Optik vom Logo des Jubiläumsjahres. Die Vorlage dafür lieferte Benedikt Schwarz am Computer.

Applaus, Bravo-Rufe, Schulterklopfen und Umarmungen ernteten die Schmiede für das wunderbare Geschenk zum Jubiläumsjahr. Die Idee dazu bekam Alexander Loß, als er den Niedergrunstedter Töpfermeister Reinhard Keitel beim Brennen einer seiner großen Tonskulpturen sah, erzählte der Bürgermeister am Samstag. Andreas Schwarz sei von der Idee sogleich Feuer und Flamme gewesen, berichtete er am Standplatz der Skulptur auf dem Dorfanger. Über das Ergebnis geriet er – völlig zu Recht – ins Schwärmen. Den Abend krönte dann noch zum Abschluss ein professionelles Feuerwerk.

Die „Hetschbürger“, wie sich selbst gerne nennen, bewiesen am Freitag, dass sie sich vom Regen nicht die Freude am gemeinsamen Feiern nehmen lassen. Zur Eröffnung mit buntem Treiben würdigte Alexander Loß das Engagement der rund 25 Helfer im Orga-Team um Jan Zubek und übergab ihnen eine eigens geprägte Silbermünze mit dem Jubiläumslogo – auf dass die Gemeinschaft weiter an Wert wachse. Noch einmal so viele Münzen warteten danach am Infostand auf Käufer, ebenso 80 der insgesamt 200 Flaschen „HetschBräu Jubiläumsbier“ aus der Vereinsbrauerei Apolda.

Für ihr Fest hatten die Hetschburger über das Netzwerk von Ines Schumacher rund 20 Standbetreiber für einen Landmarkt mit traditionellen Leckereien und Handwerksprodukten gewinnen können. Für Unterhaltung sorgten unter anderem Live-Musik auf der Festwiese, für die die Hetschburger aus 200 Euro-Paletten eine Bühne gezimmert hatten, sowie ein Karussell, Kindertheater und ein Medley der schönsten Märchen, die bisher in Hetschburg aufgeführt worden sind.

Am Rande des Festes hatten sieben Männer und Frauen aus dem Verein Mus Rusticus, der zwar in Jena gegründet wurde, dessen Mitglieder aber meist rund um Stuttgart wohnen, mit Hund Odin ein Ritterlager aufgeschlagen. Sie weckten die Hetschburger am Wochenende morgens mit Böllerschüssen und genossen das Ilmtal. Das Leben wie im 15. Jahrhundert entschleunige so angenehm, wenn warmes Wasser oder Essen nach originalen Rezepten mit den entsprechenden Zutaten erst einmal ein Feuer benötige. Andere wiederum faszinieren die farbenfroh-verrückte Mode jener Zeit und dass es viel erholsamer als Urlaub in der Ferne sei.

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