Hoffnung auf Heimkehr

Jakob flieht mit leichtem Gepäck. Aber auch ein Flüchtling muss irgendwann schlafen. Sein Kopf liegt auf einem Stein. Er hat nur eine blasse Vorstellung von dem, was vor ihm liegt. ...

Jakob flieht mit leichtem Gepäck. Aber auch ein Flüchtling muss irgendwann schlafen. Sein Kopf liegt auf einem Stein. Er hat nur eine blasse Vorstellung von dem, was vor ihm liegt. Vor allem beschäftigt ihn, was er hinter sich gelassen hat. Da gibt es Dinge, die man nicht so einfach los wird: Die Werte von daheim. Und die Erziehung. Und die Konflikte. Und das Scheitern in dieser Familie. Die Lüge, die zur zweiten Haut geworden ist.

Zuhause ist die Mutter. Sie weint. Der Vater ist krank. Bald wird er sterben. Darauf wartet der Bruder. Krank vor Hass, vor Neid. Jakob muss weg, sonst ist er ein toter Mann. Ihm fallen die Augen zu. Aber in dieser Nacht wird ein Schleier vor seinen Augen weggezogen. Es ist mehr als ein Traum. Es ist ein Blick in eine andere Welt. Engel sieht er, unzählige. Und eine riesige Treppe, die reicht in den Himmel. Auf und Ab steigen die Engel. Sie tragen Gebete hinauf. Sie tragen Segen herab. Botschaften und Grüße. Sie halten Schicksal in den Händen. Gott beschickt durch sie die ganze Welt.

Mitten in der Wüste erkennt Jakob: Ich gehe nicht allein. Soweit ich auch gehe. Gottes Himmel bleibt über mir. Und damit auch seine Engel. Sein Schutz. Sein Beistand. Selbst das improvisierte Bett aus Steinen in aller Einsamkeit – es steht in Gottes Haus. Gottes Haus ist hier.

Wohin flüchten die Mitglieder kaputter Familien, die wir kennen: In den Alkohol? Oder zu einem scheinbar verständnisvolleren neuen Partner? Wie oft nimmt am Tisch die Lüge mit Platz. Sie distanziert uns schon, da ist noch längst keiner wirklich gegangen.

Mit Gott konnte Jakob lange nichts anfangen. In einer einsamen Nacht auf der Flucht begreift er etwas über den Herrn der Engel. Er betet: „Lass mich in Frieden in mein Vaterhaus zurückkehren!“

Diesen Wunsch gibt er den Engeln mit – und dann kann er seinen Weg weiterziehen. Es wird nicht leicht. Aber er geht nicht alleine. Das weiß er nun. (Zum Nachlesen: Die Bibel, Erstes Buch Mose, 28. Kapitel)

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