Hügelgrab könnte Windpark bei Gebstedt verhindern

Ködderitzsch  Ortschronist Heinz-Jürgen Kronberg macht auf touristische Potenziale in der Nähe von Ködderitzsch aufmerksam

1820 soll ein Feldeigentümer ein Hügelgrab (wie dieses bei Leubingen im Landkreis Sömmerda) bei Ködderitzsch abgetragen haben. Angeblich fand er dabei ein Skelett

1820 soll ein Feldeigentümer ein Hügelgrab (wie dieses bei Leubingen im Landkreis Sömmerda) bei Ködderitzsch abgetragen haben. Angeblich fand er dabei ein Skelett

Foto: Ina Renke

Eine Mischung aus Sagen, Fakten und Legenden – jedoch mit einem nicht zu unterschätzendem touritischen Potenzial –, bereichert seit der letzten Stadtratssitzung in Bad Sulza das Vorhaben „An der Weinstraße“. Es handelt sich dabei um einen in der Aufstellung befindlichen Bebauungsplan, den die einen als Möglichkeit verstanden wussten, nicht die Kontrolle über das Windparkprojekt bei Gebstedt zu verlieren. Doch für die anderen ist der B-Plan dem Wortlaut nach eine planerische Begleitung für ein nach naturverträgliche Freizeitangebot entlang der Weinstraße.

Grabanlage vermutlich etwa 5000 Jahre alt

Nicht durch große Räder, sondern durch das Studieren verschiedener Bücher und Manuskripte hat Heinz-Jürgen Kronberg für ordentlich Wind im möglichen B-Plan gesorgt. Gleichermaßen überrascht war auch selbst vom eingetretenen Wirbel der wieder ins Gedächtnis gerufenen Geschichten, die ihn jetzt sogar zur Kontaktaufnahme mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie bewogen haben.

Begonnen haben die Recherchen von Heinz-Jürgen Kronberg – Ortschronist und Vorsitzender des Heimatvereins Gebstedt –, als er davon erfuhr, dass es südöstlich der Nachbarortschaft Ködderitzsch ein Hügelgrab gegeben haben müsse. Von diesem ist heute in der Landschaft nicht mehr viel zu sehen, erfuhr Kronberg doch auch, dass über die Jahre nicht nur der Inhalt als auch der Hügel selbst verschwunden ist.

Wegen dieser Hinweise meldete sich der Ortschronist bei Diethard Walter, dem Leiter des Archäologischen Landesmuseums in Weimar. Dieser teilte mit, dass im Jahre 1820 das Hügelgrab von Ködderitzsch unsachgemäß geöffnet worden sei und erst in den 1970ern wissenschaftliche Nachgrabungen stattfanden.

Doch die Archäologen wurden nicht gänzlich enttäuscht. Sie entdeckten bei Ködderitzsch Bestattungen der Kugelamphorenkultur aus der Zeit etwa zwischen 3000 und 2800 v. Chr.

Doch was befand sich bis 1820 noch alles in dem Grab? Fiel vielleicht ein wahrhafter Schatz den Grabräubern zum Opfer? Zumindest einen kleinen Anhaltspunkt dafür fand Kronberg bei seinen weiteren Recherchen, stolperte über die Sage vom „Silbernen Sarg von Ködderitzsch“. Der Legende nach soll vor etwa 1000 Jahren in einem bewaffneten Konflikt zwischen den Verbündeten, also Thüringern und Franken gegen die Slawen die Schutzgöttin „Kaja“ erschienen sein, die den Fremden zu Hilfe kam. Sie entschied mit die Schlacht durch den Einsatz mit einer feuersprühenden Lanze zugunsten der Invasoren, verstarb jedoch direkt im Anschluss. Daraufhin sollen die slawischen Fürsten ihre gold- und silberbeschlagenen Schilde auf der Erde ausgebreitet haben, um „Kaja“, die nun die menschliche Gestalt einer Opferpriesterin angenommen hatte, darauf zu begraben. So zumindest soll es Eduard Hohmann, Volksschullehrer in Ködderitzsch in den 1920er-Jahren aufgeschrieben haben. Ob seine „Geschichten aus dem Kirchturmknopf“ erhalten sind, ist nicht bekannt, jedoch bezieht sich Annette Bergner im Jahr 1987 darauf. In ihrem Artikel heißt es, dass sich diese Sage auf „ein Hügelgrab in Ködderitzscher Flur“ beziehe.

Und noch eine weitere interessante Geschichte hat Chronist Heinz-Jürgen Kronberg in Erfahrung gebracht. So soll es irgendwo zwischen Nirmsdorf, Gebstedt und Ködderitzsch das „Drehloch am Ellerngrund“ gegeben haben. Es ist überliefert, dass sich dort ein Sumpf befunden haben muss, dessen Tiefe nicht festgestellt werden konnte. Im November 1757 soll eine Pferdekarren darin versunken sein, doch als die Einwohner sich um den sumpfigen Abgrund versammelten, lag dieser nur ruhig und unheimlich da. Da man sagt, dieser sei auch im Winter nicht zugefroren, könnte hier eine warme Quelle in den Tiefen gelegen haben.

Gleichgültig, was die weiteren Nachforschungen ergäben, ist sich Heinz-Jürgen Kronberg sicher, dass das Gebiet um die Weinstraße noch viele Schätze im Erdreich verspreche, die nur gehoben werden müssten. So ist die Region auch als Teil der Via Regia interessant. Funde römischer Münzen um Bad Sulza sprächen für einen Verlauf der alten Militär- und Handelsstraße an der Weinstraße und durch die heutige Kurstadt.

Was die Planer dann daraus machen würden, das wisse der Ortschronist natürlich noch nicht. In jedem Falle sind seit Donnerstag nun auch die Flurstücke um Ködderitzsch Teil des Projektes „An der Weinstraße“.

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