Klettbacher Familienbetrieb will ohne Tiertransport schlachten

Klettbach.  Eine angst- und stressfreie Schlachtung von Weidetieren will das Unternehmen ermöglichen und somit für ein Novum in Thüringen sorgen.

Diana Bachmann und Ricky Bärwolf (Mitte) stellen dem Politiker Johannes Selle den künftigen Schlachtbetrieb vor.

Diana Bachmann und Ricky Bärwolf (Mitte) stellen dem Politiker Johannes Selle den künftigen Schlachtbetrieb vor.

Foto: Heidemarie Ellmer

Mit Hilfe des europäischen Förderprogrammes Leader entsteht in einer Klettbacher Scheune eine Schlachtstätte mit EU-Zertifikat, die in Thüringen für ein Novum sorgt. Als erste im Freistaat soll sie eine angst- und stressfreie Schlachtung von Weidetieren ohne Tiertransport erlauben. Möglich macht dies ein zum Konzept gehörender mobiler Schlachtanhänger, der zum jeweiligen Bauernhof gefahren wird.

Die Idee der aus Baden-Württemberg stammenden Interessengemeinschaft (IG) Schlachtung mit Achtung holte Ricky Bärwolf nach Thüringen. Der Klettbacher Landwirt betreibt seit 2016 einen Biobetrieb als Familienunternehmen im Nebenerwerb. Seine Mutterkuhherde aus derzeit 25 Tieren sowie die 80 Schafe, darunter die vom Aussterben bedrohten Leineschafe, versorgt er fast ganzjährig auf 70 Hektar Weideland, wobei es sich zum großen Teil um Flächen in Hanglagen, auf Magerrasen, Naturschutzflächen oder Streuobstwiesen handelt.

Anfang der 2000er-Jahre hatte all das ganz klein begonnen: mit zwei Rindern für den Eigenbedarf und etwas Selbstvermarktung von Heu auf eigenen Flächen in der Gemarkung Klettbach. Aus Liebe zu den Tieren entstand zunächst ein Biobetrieb und dann der Wunsch nach einer artgerechten Schlachtung. Umfangreiche Recherchen führten ihn zu der IG, die gemeinsam mit der Firma Mobile Schlachttechnik eine Lösung für angst- und stressfreie Schlachtung entwickelt hatte. Diese besteht aus dem Fahrzeuganhänger, der als mobiler Teil einer EU-Schlachtstätte mittlerweile genehmigt ist, weil er alle Vorgaben des EU-Hygienerechts erfüllt.

Auf dem langen Weg zur Vorbereitung der Zertifizierung ihres Betriebes durch das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz ließ sich Familie Bärwolf nicht entmutigen. Allerdings musste sie feststellen, dass dieses Projekt ihre finanziellen Möglichkeiten überschreitet.

Bundestagsabgeordneter Johanne Selle (CDU), der den Biobetrieb bereits im Oktober 2019 anschaute, unterstützte die Familie dabei, sich mit ihrem Projekt um Förderung zu bewerben. Im Frühjahr dieses Jahres kam schließlich die Leader-Zusage. Davon, dass bereits ein Gutteil in den Ausbau investiert wurde, konnte sich Selle nun bei seinem neuerlichen Besuch überzeugen. Im Oktober 2021 soll das Schlachthaus eingeweiht werden.