Laborchemie Apolda investiert 2 Millionen Euro in Standort

Apolda.  Laborchemie Apolda will mit 2-Millionen-Euro-Investition in den Standort langfristig die insgesamt rund 100 Arbeitsplätze sichern.

Anfang Februar 2019 besuchte der zu diesem Zeitpunkt amtierende  Wirtschaftsminister Thüringens, Wolfgang Tiefensee (Mitte) den Firmensitz von Laborchemie Apolda und sprach mit den Geschäftsführern Michael Frey (links) und Eduard Heyl über die weitere Entwicklung des Unternehmens. In der Folge half er beim Förderantrag für die nun bekannt gewordene 2-Millionen-Euro-Investition.

Anfang Februar 2019 besuchte der zu diesem Zeitpunkt amtierende Wirtschaftsminister Thüringens, Wolfgang Tiefensee (Mitte) den Firmensitz von Laborchemie Apolda und sprach mit den Geschäftsführern Michael Frey (links) und Eduard Heyl über die weitere Entwicklung des Unternehmens. In der Folge half er beim Förderantrag für die nun bekannt gewordene 2-Millionen-Euro-Investition.

Foto: Martin Kappel

Laborchemie Apolda hat die turbulenten Zeiten hinter sich gebracht. Wie diese Zeitung auf Anfrage erfuhr, bereite sich das Unternehmen für Chemieprodukte und pharmazeutische Wirkstoffe gerade auf eine 2 Millionen Euro schwere Investition vor, deren Baustart demnächst erfolgen soll. Das Projekt sichere nicht nur Arbeitsplätze, sondern rette – wie zu erfahren ist – sogar indirekt Leben.

„Nach dem Insolvenzverfahren 2014 kann man von einer echten Kehrtwende sprechen“, erklärt Co-Geschäftsführer Michael Frey. Die wirtschaftlichen Bedingungen hätten sich 2019 deutlich günstiger entwickelt als befürchtet. Das führe sogar dazu, dass an manchen Tagen Teile der Produktion still stehen, weil nicht genügend Mitarbeiter zur Bedingung der Anlagen zur Verfügung stünden. Inklusive der elf Azubis habe Laborchemie Apolda gerade 94 Mitarbeiter – Chemikanten für die Produktion im Schichtbetrieb werden dringend gesucht.

Eine andere Befürchtung ist nun jedoch definitiv Gewissheit geworden – und hat gleichzeitig den Ehrgeiz der unternehmerischen Führung geweckt. So fällt Mitte 2021 der einzige Rohstoff-Zulieferer weg, der zur Herstellung des wohl wichtigsten pharmazeutischen Wirkstoffes aus dem Hause Laborchemie benötigt wird – nämlich von D-Penicillamin. Daraus wird das Medikament gegen Morbus Wilson hergestellt, das gegen die seltene Genkrankheit hilft.

Unbehandelt sorgt der Defekt für organschädigende Kupferablagerungen im Körper und binnen weniger Jahre zum Tod. Unter anderem entsteht vorher der charakteristische Kupferring um die Regenbogenhaut des Auges.

70 Prozent der weltweit eingesetzten Präparate gegen „Morbus Wilson“ beziehen den Wirkstoff aus Apolda. Gleichzeitig sorgt das Produkt für 35 bis 40 Prozent des Umsatzes von Laborchemie.

Da die Herstellung des Wirkstoffs in Wasser gelöstes Penizillin erfordert, am Markt aber dann nur noch als Feststoff zu bekommen ist, muss Laborchemie den Stoff buchstäblich nun selber lösen. „Klingt einfach, ist es aber nicht“, denn wie Michael Frey ausführt, muss dieser Lösungsprozess unter Reinraumbedingungen erfolgen. Als Hintergrund nennt der Unternehmer etwa die in der Bevölkerung verbreitete Penizillin-Allergie. Genau deswegen müsse eigens eine Halle gebaut werden mit separatem Reaktor, Lager und der kostspieligen Vorrichtung, um Kontamination über die Luft zu vermeiden.

Baustart soll bereits Anfang 2020 sein und die Fertigstellung im dritten Quartal des selben Jahres. Für die notwendigen Zertifizierungen, um Anlage und hergestellten Rohstoff zu testen, werde dann noch ein halbes Jahr gerechnet. Knapp, aber schaffbar – eine Bauanlaufberatung habe bereits stattgefunden.

„Man könnte hier von einer klassischen Verteidigungsinvestition sprechen“, so Michael Frey. Mitgeholfen hat dabei der da noch amtierende Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, der Anfang dieses Jahres zu Besuch war (diese Zeitung berichtete).

Auch mit seiner Hilfe hat es mit der beantragten Landesförderung geklappt, die 20 Prozent der Kosten deckt.

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