Landwirte im Altkreis Apolda fürchten Trockenheit und Mäuse

Bad Sulza/Wickerstedt/Pfiffelbach.  Der Winter ist zu mild, und im Januar fiel zu wenig Niederschlag. Für Bauern und Winzer im Altkreis Apolda könnte das Folgen haben.

Die derzeitigen Klimabedingungen tragen zur Vermehrung der Feldmaus bei. Während manche Landwirte noch von einer mäßigen Population sprechen, sind die Bestände andernorts bereits überdurchschnittlich stark angewachsen.

Die derzeitigen Klimabedingungen tragen zur Vermehrung der Feldmaus bei. Während manche Landwirte noch von einer mäßigen Population sprechen, sind die Bestände andernorts bereits überdurchschnittlich stark angewachsen.

Foto: Wilhelm Slodczyk

Wer gerade aufmerksam durch den Altkreis Apolda unterwegs ist, der hat sich vielleicht schon über die Ansammlungen von Greifvögeln gewundert, die momentan in den Feldern der Landwirte sitzen oder über diesen „rütteln“, also scheinbar in der Luft stehend schweben. Obwohl die Beute der Meister der Lüfte weniger augenscheinlich ist, ist sie für den Menschen auf Straßen und Wegen in den letzten Monaten immer häufiger zu entdecken – die Feldmaus. Günstige klimatische Verhältnisse und ganz besonders der bisher milde Winter haben zu deren Verbreitung beigetragen. Doch während sich nun etwa Turmfalke und Mäusebussard über das reiche Mahl freuen, sind manche Landwirte besorgt: Nicht nur Schädlinge bedrohen die diesjährige Ernte, auch fehlt noch immer Wasser im Boden um die trockenen Vorjahre auszugleichen.

„Auf den Feldern sind schon allerhand Mäuse“, hat Landwirt Arnfried Hahn aus Wickerstedt beobachtet – und das schon seit Sommer oder Herbst. Wirtschaftlicher Schaden sei zumindest bei ihm aber nicht messbar, da er vor allen Dingen Gras und Heu von den Feldern beziehe.

Grundwasserspiegel im Altkreis Apolda noch nicht merklich wieder gestiegen

Problematisch ist der bisherige Verlauf des Winters einerseits wegen der milden Temperaturen. Die Vegetation sei schon recht weit, ein später Frost könnte hier etwa an einer frühen Obstblüte schwere Schäden anrichten. Selbst wenn Pflanzen dann erneut austrieben, habe das einen spürbar negativen Einfluss auf den Ertrag. Besorgt sei er ganz besonders wegen der Trockenheit des Bodens. „Im Bad Sulzaer Raum hat der Niederschlag der letzten Zeit bei Weitem nicht gereicht, um den Grundwasserspiegel wieder aufzufüllen“, so Arnfried Hahn. Der Pegel sei nicht nennenswert gestiegen.

Auch Andreas Clauß, Geschäftsführer des Thüringer Weingutes Bad Sulza in Sonnendorf, teilt die Sorgen des Wickerstedters. „Durch unsere Wetterstationen in unseren großen Weinbergen haben wir sehr detaillierte Aufzeichnungen über die Niederschläge“, so der Winzer. Der Regen sei zwar für den Moment ausreichend, jedoch nicht ausreichend, um die Defizite der letzten zwei Jahre im Boden auszugleichen. Ein verregnetes, aber nicht ganz so extremes Wochenende wie gerade in England sei da notwendig.

Thüringer Weingut Bad Sulza: Bei Überpopulation gehen Mäuse in die Rebstöcke

Was die Problematik mit den Mäusen anbelangt, verrät der Weinbauer eine überraschende Verhaltensänderung, die bei Überpopulation auftritt. Bei einer normalen Größe des Bestands, würden sich die Tiere am Boden ihre Nahrung suchen. Wenn der Druck bei der Nahrungssuche jedoch zunimmt, dann entdecken die kleine Nager ihr akrobatisches Talent und erklimmen die Weinreben. „Dadurch kann großer Schaden entstehen. Doch nicht die Menge der Trauben ist das Problem, sondern dass die angefressenen Trauben zu faulen beginnen“, erklärt Andreas Clauß. Um der Fäulnis zuvorzukommen, müsse die Ernte nach vorne geschoben werden, was die Erträge verringere.

Um die Weinberge beobachte der Winzer eine mäßige Mäusepopulation, die momentan keine Gefahr darstelle. Doch wenn es trocken bleibe, und bis ins Frühjahr hinein, dann könnten die Tiere noch zum Problem werden.

Agrargesellschaft Pfiffelbach prüft Gegenmaßnahmen bei drohender Mäuseplage

Nicht anders werden die diesjährigen Risiken für die Landwirtschaft bei der Agrargesellschaft Pfiffelbach eingeschätzt. Co-Geschäftsführer Wilfried Rost verweist auf die heißen und trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2019. Die Lage sei trotz Niederschlägen angespannt. Im Januar habe es Niederschläge unter dem langjährigen Mittelwert gegeben. „Der Februar ist aber bisher ganz gut“, so der Unternehmer.

Durch den milden Winter fange die Getreideaussaat bei der Agrargesellschaft Pfiffelbach in diesem Jahr schon früher an, um die vorhandene Winterfeuchtigkeit zu nutzen. Wilfried Rost geht davon aus, dass keine größeren Froste mehr zu erwarten sind.

Im Vergleich zu den meisten Jahren hätte sich die Mäusepopulation sehr stark entwickelt. „Im Frühjahr, wenn die Mäuse aus den Löchern kommen, könnte es wieder zu einer Mäuseplage kommen“, befürchtet Wilfried Rost. Gegenmaßnahmen ziehe das Unternehmen deswegen bereits in Erwägung. Das Bekämpfen der Mäuse sei jedoch Handarbeit und sehr aufwändig.