Mit Apoldinale Erinnerungen an Apoldas Kinozeit wecken

Apolda  Engagierte Stadt: Filmtradition soll bei Programm Rolle spielen. Bürger aufgerufen, Geschichten und Fotos beizusteuern

Das einstige Union-Theater war bei den Apoldaern beliebt. Vor Jahren wurde es abgerissen.

Das einstige Union-Theater war bei den Apoldaern beliebt. Vor Jahren wurde es abgerissen.

Foto: Stadtarchiv/Repro S. margon

Im kommenden Jahr wird der DEFA-Film „Wo der Zug nicht lange hält . . .“ 60 Jahre alt. Hauptdrehort für den unter Regie von Joachim Hasler entstandenen Streifen war Apolda. Darauf verweist Frank Müller vom einstigen Filmklub.

Ende 2018 hatten sich Protagonisten aus der Hochzeit des Filmklubs wiedergetroffen, um die Erinnerungen aufleben zu lassen. Eine dreht sich darum, dass man am 9. November 1989 gerade im Union-Theater – es gehörte nach dem Umbau und Einbau einer Visionsbar ab 1988 zu den modernsten Klubkinos der Republik – zusammensaß, als sich die Grenze öffnete.

Seit dem Vorjahr treffen sich die Freunde des Filmklubs nun monatlich im Gasthaus „Zum Schlachthof“ bei Wirt Bernd Hasenbein. Der betrieb das Union-Theater Jahre lang, war auch Kreisfilmstellenleiter – Ein Kenner der Materie also.

Dass 2020 also zu gegebener Zeit ans 60-jährige des eingangs genannten Films erinnert werden wird, ist so anzunehmen.

Aktion soll Apoldaer Filmtradition ehren

Näher indes liegt erstmal ein anderes Projekt, das aus vielen Gesprächen der Filmfreunde geboren wurde – die Apoldinale. In bewusster Anlehnung und Anpassung des Begriffs Berlinale soll es bei einem Aktionsprogramm vom 2. Oktober bis zum 10. November um die Apoldaer Filmtradition gehen. Ebenso ist Apoldinale ein Hinweis darauf, dass das Ganze auf eine Fortsetzung angelegt ist. Dabei werden die Apoldaer Einrichtungen Union-Theater und Kristallpalast eine Rolle spielen.

Die originellen Programminhalte jedenfalls machen neugierig. So wird es vorm Hintergrund des 900-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung der Stadt, 30 Jahre Wende und Mauerfall im Kulturzentrum Schloss Apolda eine Ausstellung zur Kino- und Filmgeschichte geben. Weiterhin geplant ist eine Plakatausstellung im Landratsamt.

Es werden Gesprächsrunden mit Zeitzeugen und Filmvorführungen ebenso veranstaltet wie Film-Samstage. Ein Höhepunkt soll der kulinarischer Filmsonntag werden. Dabei sollen Speisen offeriert werden, die in alten DEFA-Streifen eine Rolle spielen. Das dürfte ein Vergnügen werden. So stehen Sauerampfer-Creme-Suppe (Film: Karbid und Sauerampfer, 1963), Fleischklößchen in Petersiliensoße (König Drosselbart, 1965) oder Böhmische Knödel (Und nächstes Jahr am Balaton“, 1980) auf der Speisekarte.

Zupass kommt dem Aktionsprogramm, das auf dem Projekt „Engagierte Stadt Apolda“ unter Leitung von Koordinator Hans-Werner Preushler fußt, der Umstand des 100-jährige Jubiläums des Kristallpalastes. Frank Müller und Stefanie Fisel setzen das mit 100 Jahren Apoldscher Filmtradition in Beziehung.

Am 15. Oktober 1919 nämlich war der „Kristallpalast“, der im Ursprung ein Tanzpalast gewesen sei, nach einem Umbau als Lichtspiel-Theater mit rund 900 Plätzen eröffnet worden, sagt Kinoexperte Müller. Er hat über Jahrzehnte unzählige Utensilien gesammelt, die mit der Film- und Kinogeschichte zu tun haben. Aus seinem Fundus speist sich ein Großteil der Ausstellungen.

Sowohl das Union-Theater als auch den Kristallpalast gibt es nicht mehr. Umso wichtiger sind die Erinnerungen. Dass die in den Köpfen präsent sind, darauf setzen die Filmfreunde. So soll Persönliches zu Kinobesuchen zusammengetragen, in das Aktionsprogramm aufgenommen werden. Der erste Kuss im dunklen Kinosaal kann das genauso sein wie das Schlange stehen für einen Kultfilm. Welche Lieblingsfilme gab‘s? Welche Schauspieler himmelte man an?

Beim Hochwasser im Juni 1953 sollen die Kinobesucher den Saal nicht verlassen haben, obwohl bereits Wasser an den Parkettreihen geleckt haben soll – der Film war offenbar sehr spannend. Bei der Vorführung des Films „Tschapajew“ soll Heizungsqualm versehentlich in den Saal gepustet worden sein.

Auch an die Platzanweiserin Jenny Beer dürften sich viele erinnern. Zur Wendezeit wurden zwecks politischer Diskussion Gäste eingeladen. Wer weiß davon? Wie verliefen die Konzerte? Kurzum: Anekdoten, Kinokarten, Programme, Fotos und hübsche Geschichte werden gesucht. Alles sei wichtig. Das, was die Bürger beisteuern, soll in die Ausstellung einfließen, sagt Frank Müller. Er hofft schon jetzt auf rege Beteiligung.

Interessierte melden sich unter: filmmueller@yahoo.de oder stefanie-fisel@t-online.de . Per Post geht‘s auch, an: Familie Fisel, August-Bebel-Straße 16 in 99510 Apolda. Unter den Teilnehmern werden drei mal zwei Eintrittskarten für den Filmpark Babelsberg verlost.

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