Mit Schwalbe, Anhänger und Werkzeugkoffer ging‘s über Land

Pfiffelbach  Vor 50 Jahren gründete Werner Tittel in Pfiffelbach seinen Reparaturservice. Heute führt Sohn Ralf das Geschäft fort

Firmengründer Werner Tittel mit Frau Renate und Sohn Ralf mit Frau Isabel und Sohn Louis.

Firmengründer Werner Tittel mit Frau Renate und Sohn Ralf mit Frau Isabel und Sohn Louis.

Foto: Familie Tittel

Radio Tittel ist nicht nur in Pfiffelbach ein Begriff für guten Service. Das Geschäft für Reparaturen von Radios und Fernsehern hat sich auch über die Kreisgrenzen Richtung Weimar, Jena oder Sömmerda einen Namen gemacht.

Den Grundstein legte einst Werner Tittel vor 50 Jahren. Zum heutigen Freitag wird das runde Geschäftsjubiläum groß in der Pfiffelbacher Kirchgasse gefeiert. Es war der 1. November 1969, als Werner Tittel den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und sein Geschäft eröffnete. Dabei kam dem ausgebildeten Rundfunk- und Fernsehemechaniker mit Meisterbrief ein Beschluss des 8. Parteitages der DDR-Führung gut zu Pass. Darin hieß es nämlich zum Thema Stärkung des ländlichen Raume: Wer sich auf dem Land selbstständig macht, bekommt ohne Verzögerung eine Gewerbeerlaubnis.

Mit viel Mut startete der junge Werner Tittel im umgebauten Stall seines Großvaters in der Kirchgasse mit seinem eigenen Geschäft. Als Reparaturbetrieb für Fernseher, Radios und terrestrische Antennen begann der 25 Jahre junge Geschäftsmann Tittel, sich in und um Pfiffelbach seinen Kundenstamm aufzubauen.

Repariert wurde damals vorwiegend beim Kunden zu Hause. Mit der Schwalbe und einem ausgepolsterten Anhänger samt Werkzeugkiste war Tittel bei Wind und Wetter im Außendienst unterwegs. Die Polsterung im Anhänger war für die Geräte gedacht, die mit in die Werkstatt transportiert werden mussten. Wegen des hohen Gewichts der Röhrengeräte manchmal keine leichte Aufgabe. Ebenfalls nicht einfach war die Beschaffung der nötigen Ersatzteile. Die gab es damals nur in Erfurt. Also ging es einmal in der Woche mit der Schwalb zum Bahnhof in Oßmannstedt und dann mit dem Zug in die Bezirkshauptstadt zum Einkauf.

Bereits Anfang der 1970er-Jahre brummte das Geschäft so gut, dass Tittel Unterstützung brauchte. Die erhielt er nicht nur von seinem Vater Fritz, sondern auch von Geselle Rolf Blumstengel aus Willerstedt. Später machten Andreas Lindner und Karl Wolf das langjährige Team komplett.

Vorbei waren auch die Zeiten der Zweiradausflüge zu den Kunden. Zwei Trabant Kombi stellten ab dieser Zeit den firmeneigenen Fuhrpark dar. Mitte der 1980er stieg dann auch Ehefrau Renate mit ins Geschäft ein und übernahm die Arbeit im Büro. Kurz zuvor zog das Geschäft zur heutigen Adresse um, die vis-a-vis des umgebauten Stalles lag.

Nach der politischen Wende wurde das Geschäft mit einem Verkaufsraum für Radios und Fernseher erweitert. Zudem boomte ab dieser Zeit die neue Satellitentechnik, die künftig einen Großteil der Arbeit ausmachte. Mitte der 1990er-Jahre gab es dann den großen Einbruch. Die Konkurrenten schossen damals wie Pilze aus dem Boden und wollte ein Stücken vom Kuchen abhaben. Am Ende sind viele wieder verschwunden. Radio Tittel gibt es bis heute. Und mit dem Einstieg von Sohn Ralf 2002 ist auch die Zukunft des Betriebes gesichert.

Seit 4.1.2010 ist der ausgebildete Rundfunkmechaniker und Informationstechniker nun auch der Chef. Vater Werner sieht man trotzdem häufig in der Werkstatt, denn dort gibt es immer jede Menge zu tun. Die Stammkundschaft wächst bis heute.

Ob sich denn die Reparatur eines Fernsehers heute noch lohnt, will der Reporter wissen. Die Antwort lautet klar: Ja! Eigentlich ist jedes Gerät reparabel. Die Reparaturkosten liegen meist zwischen 80 und 150 Euro. Der Fachmann berät aber auch, wenn sich die Instandsetzung nicht mehr lohnt. „Da können wir unseren Kunden tief in die Augen schauen“, sagt Werner Tittel.

Wohl nicht umsonst feiert das Geschäft deshalb heute sein 50. Jubiläum.

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