Pfiffelbacher Unternehmen hat Bio-Bett für die Milchkuh

Pfiffelbach  Tierwohl im Fokus: Agrargesellschaft Pfiffelbach investierte 10 Millionen Euro in Ställe. Bald stehen darin 1100 Tiere

Amtstierarzt Stefan Kleinhand besuchte gestern den neuen Stall.

Amtstierarzt Stefan Kleinhand besuchte gestern den neuen Stall.

Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

920, 1100, 1200 – diese Zahlen stehen für: Anzahl der Milchkühe in der Agrargesellschaft derzeit, Tierkapazität, auf die man kommen will und maximal zugelassene Anzahl. Gemünzt ist all das auf die 3 neuen Ställe, die gestern auch Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) vorgestellt wurden.

Zehn Millionen Euro wurden seit Sommer 2017 investiert, das Land gab 16 Prozent qua Förderung hinzu. Nun ist alles fertig, zogen die Tiere vom alten Stall – er wird einem neuen Stroh- und Futterlager weichen – nach und nach in ihr neues Domizil um.

Den Löwenanteil finanziert die Firma unter Führung von Lars Fliege selbst. Er freut sich zwar über die Hilfe seitens des Landes, bemängelt aber, dass die maximal förderfähige Summe bei 2 Millionen Euro gekappt ist. – Da sollte im Agrar-Investitions-Förderprogramm geändert werden, findet er.

Bauausführend waren im wesentlichen die Firmen Hörmann Agrarbau & Gewerbebau sowie B & V aus Apolda. Die Generalplanung verantwortete das Büro Matthias Thorwith. Entstanden sind moderne Stallanlagen, die den aktuellen Anforderungen von Tierwohl und damit Tierschutz entsprechen, stellte nicht nur die Ministerin fest. Sie lobte den Mut zur Investition in einer Zeit, in der über den Milchpreis regelmäßig diskutiert werde.

Geschäftsführer Fliege erklärte, dass man sich zum Neubau entschlossen habe, weil der Milchpreis in der Vergangenheit zwar stets schwankte, er sich langfristig aber positiv entwickelte. Derzeit stünde man bei 32 Cent pro Liter, kalkuliert habe man mit 33 Cent.

Entstanden sind Stallanlagen, die unterschiedliche Bereiche enthalten. So erläuterte Fliege beim Rundgang den Reproduktionsstall. Auch der Zweck des Nachwartebereichs hinterm Melkbereich war Thema. Teil der Investition ist nämlich ebenso ein halbautomatisches Melk-Karussell mit Platz für 50 Kühe. Momentan wird ein Tier zweimal täglich gemolken. Ist der Betrieb eingespielt, wird jedem Tier dreimal die Milch abgepumpt. Kommt die Kuh vom Melken, kann sie bei Bedarf selektiert werden. Etwa dann, wenn ein Tier erkrankt ist, behandelt werden muss. Eigens dafür wurde ein abgeschirmter Behandlungsbereich gebaut. Dort befindet sich zugleich ein Klauenpflegestand, in dem die Kuh so gedreht werden kann, dass deren Klauen bequem bearbeitet werden können und es das Tier dabei dennoch gut hat.

Im abgeschirmten Abkalb-Bereich befinden sich die Muttertiere, die bald niederkommen. Dort haben sie, auf Stroh gebettet, die nötige Ruhe, erläuterte Fliege. Das sei besonders wichtig, weil die Muttertiere kurz vor und eben kurz nach dem Abkalben sowie der beginnenden Laktation besonders sensibel seien.

Im Weiteren wurden Hoch-Boxen geschaffen. Auf Tief-Streu-Boxen habe man im Repro-Stall aus Gründen des besseren Hygiene verzichtet. Ansonsten gibt es Tiefstreu-Boxen, die besseren Liegekomfort bieten.

In den großen Laufställen hätten die Tiere zudem zu jeder Zeit Zugang zu frischem Wasser und Futter. Die (Quer-)Durchlüftung sei optimal und werde nicht zuletzt durch den offenen First unterstützt. Außerdem könnten die Tiere untereinander Kontakt halten. Das sei für Herdentiere wichtig. Geschaffen wurde nicht zuletzt ein teilüberdachter Außenbereich, in dem die Tiere bei Bedarf „frische Luft schnappen können“. Für die Kälber hat man ein Schleppdach gebaut, unter dem sie in ihren Boxen Windschutz haben, vor allem aber trocken stehen. Auslauf erhalten sie in sogenannten Iglus.

Dass die Ställe ein starkes Gefälle aufweisen – auf 150 Meter summiert sich das immerhin auf 3 Meter –, sei dem unebenen Geländeprofil auf dem gut 4,5 Hektar messenden Baufeld geschuldet, erläuterte Fliege. Eben weil es dieses Gefälle gebe, mussten zusätzliche zu den stallmittig verlaufenden Güllerinnen am unteren Ende der Ställe weitere eingebaut werden, um zu verhindern, dass Hinterlassenschaften der Tier über den Hof rinnen. Mehrkosten: rund 80.000 Euro. Die Entmistung erfolgt übrigens mittels Schleppschieber, nicht mehr über Spaltböden. Letztere waren für die Hufe suboptimal.

Angesichts der moderne Anlagen sagte Fliege: „Solange es jedem einzelnen Tier gut geht, ist Massentierhaltung kein Problem.“ Amtstierarzt Stefan Kleinhand bestätigte, dass er stolz darauf sei, dass es in Pfiffelbach so gute Bedingungen für die Kühe gebe. Er verwies beispielsweise aufs „Bio-Bedding“, was meint, dass die Kühe auf Bereichen ruhen, die so aufgebaut sind: Beton, darauf eine Gummi-Waben-Struktur samt Sand-Lehm-Mischung, obenauf Einstreu. Die besteht aus ausgepresster Gülle und hat eine humusartige Struktur, die den Tieren angenehmes Liegen ermöglichen soll. Derzeit wird sie aus hygienischen Gründen noch mit Kalk versetzt, was aber reduziert werden soll.

Interessierte haben zum Tag der offenen Tür am 3. Oktober 10 bis 14 Uhr die Möglichkeit, alles anzusehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren