„Regenbomben“: Feldabgänge bei Wickerstedt und Oberdorf

Wickerstedt/Oberndorf.  Dutzende Feuerwehrmänner und Freiwillige waren stundenlang in Wickerstedt und Oberndorf beschäftigt, viele Tonnen Schlamm und Geröll zu beräumen.

Starkregen sorgte am Sonntag auch in Nauendorf für lokale Überflutungen. In einer Senke auf der Durchfahrtsstraße sammelte sich das Wasser.

Starkregen sorgte am Sonntag auch in Nauendorf für lokale Überflutungen. In einer Senke auf der Durchfahrtsstraße sammelte sich das Wasser.

Foto: Martin Kappel

Die Meteorologen sprechen aktuell von „Regenbomben“ – standorttreuen Wolkenformationen, die ihr gesamtes Potential auf einer relativ kleinen Fläche entladen. Am Samstag sorgte das in Oberndorf für „Land unter“ und am Sonntag ergoss sich gar ein reißender Fluss aus Schlamm und Gestein fast einen halben Kilometer quer durch Wickerstedt.

Eine dieser Regenbomben ging in einem stationären Wolkenband nieder, welches sich fast den gesamten Sonntag über zwischen Eckartsberga und Flurstedt befand. Laut verschiedener Wetteraufzeichnungen summierte sich der Niederschlag stellenweise auf bis zu 50 Liter pro Quadratmeter. Der Höhepunkt wurde am Nachmittag ab etwa 16 Uhr erreicht.

Feldweg lenkt Starkregen bei Wickerstedt in die Ortschaft hinein

Auf einem Feld zwischen Wickerstedt und der B 87 konnte der Boden zu diesem Zeitpunkt die ungeheuren Wassermassen irgendwann nicht mehr aufnehmen. Der Niederschlag floss den Hang herunter. Gewissermaßen als Auffangrinne fungierte der Feldweg oberhalb des Jugendclubs. Das schlammige Wasser schoss von dort auf die Obere Straße zu und riss große Schottersteine vom Feldweg mit sich.

Dem Gefälle folgend ergoss sich die braune Brühe in Richtung Hauptstraße, wo die größeren Steine liegen blieben. Der weitere Weg führte die Hauptstraße entlang bis zur Ilmbrücke, wo das Wasser in den Mühlgraben abfloss. Im letzten Abschnitt stand das Wasser etwa kniehoch.

Geröll und Schlamm: 32 Kameraden über vier Stunden im Aufräumeinsatz

Gegen 16.50 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Wickerstedt/Flurstedt alarmiert, die Feuerwehr aus Bad Sulza leistete wenig später Unterstützung. Insgesamt vier Einsatzfahrzeuge und 32 Kameraden waren bis 21.20 Uhr damit beschäftigt Steine und Schlamm zu beseitigen und die Gullys und Abflussgitter mit Wasser unter Hochdruck zu reinigen.

Sachschäden seien glücklicherweise nicht zu beklagen gewesen, erklärte Stadtbrandmeister Falko Herrmann am Montag. Angesichts der Nachrichten und Bilder aus ganz Deutschland ist er sich sicher, dass man hier noch glimpflich davon gekommen sei. Seine Kameraden aus Bad Sulza hatten am Sonntag die Verpflegung mit Bockwurst, Brötchen, Kaffee und alkoholfreien Getränken übernommen.

„Die Zusammenarbeit der Feuerwehren hat sehr gut geklappt. Alles wurde systematisch abgearbeitet“, resümiert der Feuerwehrchef. Auch die Anwohner, selbst nicht betroffene hätten mit angepackt. Hilfe gab es von den Firmen Lips und Streuber aus Wickerstedt mit einem Kipp-Lkw und einen Radlader. Die Firma der Familie Klopfleisch aus Niedertrebra wiederum stellte einen Traktor mit Frontlader zur Verfügung. Auch der Multicar des Bauhofs kam zum Einsatz. Am Ende waren es wohl wenigstens etwa zwei Dutzend Tonnen Schlamm und Geröll, die auf dem alten Waschplatz der LPG nun zwischengelagert werden.

Ungewöhnlich starke Überflutung auch auf Dorfplatz in Oberndorf

Neun Kubikmeter Schlamm, Geröll und Bitumen musste wiederum die Freiwillige Feuerwehr Moorental bereits am Vortag beräumen. Auch in Oberndorf gab es einen Feldabgang, der über den notdürftig befestigten Weg „In der Hohle“ in Richtung Dorfplatz strömte und dabei die Bitumenflicken der Straße mit sich fortriss.

„Dass von dort bei Unwetter das Wasser Richtung Dorf strömt, haben wir jedes Jahr. Aber diesmal war es richtig heftig“, kommentiert Ortsteilbürgermeister Peter Scherneck. Knapp vier Stunden waren die 15 Kameraden der Wehr im Einsatz. Auch in Oberndorf gab es dabei reichlich Unterstützung aus der Bevölkerung, die auch zwei Radlader zur Verfügung stellte. Außer der zerstörten Fahrbahndecke waren glücklicherweise auch hier keine nennenswerten Schäden entstanden. „Ich danke allen Helfern und der Feuerwehr“, so Peter Scherneck.