Sonderheft zur kurzen Geschichten jüdischen Lebens in Apolda

Apolda.  Zum Themenjahr „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“ skizziert Prager-Haus-Verein jüdisches Leben in Apolda.

Sonderheft des Prager-Haus-Vereins zum Themenjahr Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen.

Sonderheft des Prager-Haus-Vereins zum Themenjahr Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen.

Foto: Martin Kappel

Wer damit rechnet, erst beim Durchblättern bestimmter Kapitel auf die nahezu unvergleichliche Härte der Geschichte gegenüber den Juden zu stoßen, der wird schon beim Lesen des Nebentitels dieses Sonderheftes anlässlich des Themenjahres „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“ daran erinnert. Mit „Unter dem Davidstern“ kann nämlich nur an „150 Jahre jüdisches Leben in Apolda“ erinnert werden.

Auf 72 teilweise bebilderten Seiten unternimmt Peter Franz vom Prager-Haus-Verein den Versuch, seine Recherchen und die der ehrenamtlichen Mitstreiter in erzählender Form überblicksartig darzustellen. „Die Leser sollen relativ schnell mitbekommen, was sich in den anderthalb Jahrhunderten abgespielt hat. Das Buch ist unterteilt in bestimmte, geschichtlich beeinflusste Phasen – das Ankommen, das gute Zusammenleben mit der übrigen Bevölkerung, aber eben auch Konflikte, Anprangerung, Rettung oder Deportation“, so der Autor über das unlängst erschienene Sonderheft.

Erst ab 1850 durften Juden in und um Apolda siedeln

Es war Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach, der im Jahre 1850 überhaupt erst die Ansiedlung von Juden in Apolda und der Region ermöglichte. Zeitgleich ordnete er die völlige Gleichstellung im Großherzogtum an. Bis jetzt gilt Salomon Denker als erster, der von der neuen Rechtslage Gebrauch gemacht hat und 1858 in einer Einwohnerliste Apoldas als Jude aufgeführt wurde.

Da es nach wie vor Berufsverbote in bestimmten Branchen gab, kamen die Juden vor allen Dingen als Händler nach Apolda. Berufe wie Bäcker, Fleischer oder etwa Bauer blieben ihnen verwehrt.

„Minjan“ ab dem Jahr 1899 vollzählig

Bis ins Jahr 1899 dauerte es, bis der Tradition nach zehn erwachsene jüdische Männer eine „israelitische Religionsvereinigung“ bilden konnten. Zu diesem Zweck mieteten sie sich einen Raum im damaligen Bürgerverein, dem heutigen Stadthaus, wo sie sich fortan zum Sabbatgebet trafen.

„Die Juden sind jedoch nicht unter sich geblieben, sie waren auch in Vereinen vertreten und im Stadtbild sichtbar“, erklärt Peter Franz. Zwar hätten die hier lebenden Juden im Kern ihre Traditionen beibehalten, doch übernahmen sie auch zum Teil deutsche Feste.

Vereinzelung und schließlich Verfolgung und Ermordung

Einen Abschwung für das jüdische Leben in Apolda gab es 1924, als nicht mehr genügend erwachsene Juden im Ort lebten, damit der „Minjan“ vollzählig ist und wenigstens aus zehn mündigen Juden besteht. Für ihre Andachten fuhren die Gläubigen dann nach Erfurt oder etwa Leipzig, wo es schon zu dieser Zeit deutlich größere Gemeinden gab.

Es folgte auch in Apolda das dunkelste Kapitel dieser kurzen, etwa 150-jährigen Geschichte, die um den Jahrtausendwechsel nach Kenntnis des Prager-Haus-Vereins endete. Und doch sind nicht alle Spuren aus der Stadt verschwunden, so etwa der Davidstern auf der Titelseite des Heftes, der so heute noch in der Bahnhofshalle in Apolda zu finden ist.

Das Heft gibt ist gegen eine Spende von 10 Euro im Prager-Haus und im Buchladen in Apolda erhältlich. Im Rahmen des Themenjahres liest Peter Franz übrigens am Sonntag, den 1. November, ab 14 Uhr aus dem neuesten Judenheft „Der Rasseschänder“.