Statt Schlagabtausch eher Ansichten vorgetragen

Apolda  Landtagskandidaten auf Podium: Bedingungen in Schulen und bei Ausbildung diskutiert

Zur Podiumsdiskussion kamen etliche Vertreter von Firmen und Institutionen ins Hotel am Schloß.

Zur Podiumsdiskussion kamen etliche Vertreter von Firmen und Institutionen ins Hotel am Schloß.

Foto: Dirk Lorenz-Bauer

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Kandidat Hans-Helmut Münchberg (parteilos) verbat sich Belehrungen wie weiland im Parteilehrjahr, als eine Sympathisantin des Internationalistischen Bundes (IB) laut wurde. Mehr Aufregung war am Montagabend im Hotel am Schloss aber nicht. Dorthin gekommen waren mit Münchberg weitere acht Kandidaten, die am 27. Oktober den Landtagswahlkreis 31 gewinnen wollen. Geleitet wurde die Diskussion von Radiomoderatorin Conny Mauroner. Das Publikum bestand aus 50 Wirtschaftsvertretern. Wirtschaftsfördervereinigung, IHK und Kreishandwerkerschaft Mittelthüringen hatten eingeladen.

Bei der Vorstellung machten die Bewerber kurz klar, wofür sie stehen. So will Wolfgang Albert Serway vom IB ein Zeichen gegen die Rechtsentwicklung setzen, wobei er die AfD im Blick habe. Umwelt und Arbeitsplätze nannte er ebenso.

Für die Stärkung des ländlichen Raums, den Ausbau weicher Standortfaktoren und mehr Mobilität steht Sabine Berninger (Linkspartei) ein. Die Regionalvermarktung von Agrarprodukten soll gestärkt werden.

Max Reschke (Grüne) betrachtet die Unterstützung der jüngeren Generation als wichtig. So müsste der Fahrtweg zur Ausbildung bezahlbar sein. Als selbstständiger Bioimker will er Direktvermarkter stärken.

Bildung, Bürokratieabbau, innere Sicherheit und Stärkung des Nahverkehrs nennt Andreas Weise (FWW). Zudem stünde er „für ehrliche Politik“. So müsste man den Bürgern offen sagen, was geht und was nicht.

Jörg Rietschel (SPD) liegt die Stärkung der Handwerkerschaft am Herzen. Sie sei eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft. Ein Beruf sei aller Ehre wert.

Um den ländlichen Raum, die Digitalisierung und die Verbesserung der Mobilität, damit Stand und Land mehr voneinander profitieren können, geht‘s Lukas Rost (FDP). Wie wichtig es sei, einen Ansprechpartner im Landtag zu haben, betonte Thomas Gottweiss (CDU). Er stehe für die Versöhnung von Stadt und Land, will sich für die Daseinsvorsorge – etwa ausreichend Ärzte – einsetzen. Tradition und Zukunft müssten zusammen gedacht werden, so der Philosoph und Landgemeindebürgermeister.

Innere Sicherheit, Durchsetzung rechtlicher Regeln und Respekt für Polizei nennt Hans-Helmut Münchberg (parteilos). Zudem plädiert er für einen ordentlichen Aufklärungsdienst. Er werde sich für eine bessere Bildung der Kinder einsetzen, halte Inklusion für einen „Irrweg“, der sowohl Kinder als auch Lehrer überfordere, so der Ex-Landrat. Und: Thüringen müsse sich gegen „ungesteuerte Migration“ stark machen.

Etwas gegen den Ärztemangel besonders auf dem Land tun will Ulrich Kühn von der AfD. Er plädiert für Stipendien als Anreiz, um Ärzte zu locken. Buslinien sollen erhalten bleiben, besonders für die Älteren wichtig. Familien könne man dadurch unterstützen, dass man was gegen zu lange Schulwege tue.

Ein Plädoyer für die weltweit geachtete Duale Berufsausbildung in Deutschland hielt Tischlermeister Rietschel. Vorm Hintergrund des Bauhausjahres sagte er, dass alle dort seinerzeit vorm Studium erstmal einen Beruf erlernt hätten. Das sei nicht das Schlechteste gewesen. Deshalb müssten kleine und mittlere Betriebe viel mehr in die Schulen hinein wirken, um das Bewusstsein zu ändern, mehr Praktika anbieten, um junge Leute zu gewinnen. Reschke erklärte, dass das Abitur oft zum Muss erhoben wird, ohne Alternativen zu bedenken. Das sei die eine Seite, die andere aber eben auch Orientierungslosigkeit bei jungen Leuten. Mehr gezielte Beratung könnte da helfen. Zudem findet er, dass bei der Berufsmessen eben oft nur große Betriebe auftauchen, weil die personell dazu in der Lage seien. Kleinere Firmen hätten weder Zeit noch Personal dafür, beklagte Reschke. Rietschel pflichtete ihm bei. Er forderte von den Innungen mehr Unterstützung, um Nachwuchs zu gewinnen. Mit Blick auf niedrige Löhne, sagte er, dass diese erstmal auch erwirtschaftet werden müssen.

Das griff Münchberg auf. Alle Wohltaten, die verteilt werden, müssten die Unternehmen erwirtschaften. Das sei die Basis für alles. Deshalb müsse man täglich froh sein, wenn es bei den Firmen läuft.

Gottweiss verwies auf berufswahlorientierte Schulen. Auch er sieht eine zu starke Fixierung aufs Abi, dabei sei die Regelschule das Herzstück. Nicht zuletzt spiele eine Rolle, dass manch Jugendlicher die Komfortzone als Angestellter bevorzuge, statt sich selbstständig zu machen.

Schulen sollten sich mehr auf Praxis ausrichten, den Wert dessen, was mit der Hände Arbeit geschaffen wird, vermitteln, sagte Kühn. Zahlen parat hielt Rost. Es sei bezeichnend, wenn bundesweit rund 2,7 Millionen junge Menschen in einer akademischen Ausbildung stecken, hingegen nur 1,1 Millionen in einer des Dualen Systems.

Münchberg warnte vorm Wahnsinn, die Abi-Quote noch weiter zu steigern, nur weil es internationale Vorgaben gebe. Man müsse von dem Denken wegkommen, dass ein Studium in Tübingen mehr wert sei als eine Tätigkeit in der Werkstatt. „Ein Zimmermann, der einen ordentlichen Versatz kann, wird heute mit Gold aufgewogen!“

Dass die Inklusion im täglichen Schulbetrieb viele praktische Probleme mit sich bringe, darauf verwies Andreas Weise. Der Mehraufwand für förderbedürftige Schüler sei eben groß. Mit Blick auf mehr Azubi verwies er auf DDR-Zeiten, als es an den Schule Arbeitsgemeinschaften gab, in denen sich die Kinder früh orientieren konnten.

Berninger machte klar, dass für mehr Berufe das Abitur zur Voraussetzung erhoben wurde. Auch so sei der Anstieg zu erklären. Zudem könne man es den Eltern nicht verdenken, wenn sie fürs Kind das Beste wollen.

Bevor Jugendliche über einen Beruf entscheiden, müssten sie erstmal das Schulsystem durchlaufen. Wenn aber schon nicht ausreichend Grundschullehrer zur Verfügung stünden, fange es ja suboptimal an, warf Serway ein. Er plädierte für einen kostenlosen Bildungsweg von der Krippe bis zum Studium. Mit Blick auf die Nachwuchssorgen des Handwerks meinte er, dass da stets auch die Frage nach dem Verdienst stehe. Es dürfe nicht sein, dass nach 30 Jahren Wende im Osten immer noch weniger gezahlt werde als im Westen.

Dafür, dass viel mehr Wahrheiten auf den Tisch gehörten, man mit „Lebenslügen“ aufhören muss, sprach Münchberg. Wenn eine junge Lehrerin allein zwei Inklusionskinder in der Klasse habe und dazu noch drei mit Migrationshintergrund könne sie ihren Lehrauftrag nicht erfüllen. Wenn sie das beklage, höre ihr aber niemand zu. Und das könne nicht sein, so Münchberg.

Wer Fachkräftemangel beklage, müsste Ausbildung auch ermöglichen, so Gottweiss.

Reschke meinte, dass es für den Beruf Faszination brauche. Aber Bürokratie mache viel kaputt. Bürokratie brauche es, ja, aber der Amtsschimmel sollte nicht wiehern, forderte Kühn.

Rietschel schlug kostenfreie Meisterausbildungen vor, man benötige dafür 20.000 Euro. Zudem wünscht er sich einfachere Ausschreibungsverfahren. Berninger verwies auf den Plan, aus der Meisterprämie eine Existenzgründerprämie zu machen.

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