Thüringer Firma ermöglicht Umgehung des Friedhofszwangs

Apolda. Beisetzungen auf der „grünen Wiese“ werden immer öfter gewählt – viele möchten sich und ihren Angehörigen, die oft sogar erst anreisen müssen, die aufwendige und teure Grabpflege ersparen. Und die Aufbewahrung einer Urne auf dem heimischen Nachtschrank ist in Deutschland nicht möglich – hier herrscht Bestattungszwang.

Bestattungsunternehmer Jürgen Meisezahl und seine Frau Doris kennen die Wünsche der Apoldaer für den letzten Weg ziemlich genau. Foto: Peter Hansen

Bestattungsunternehmer Jürgen Meisezahl und seine Frau Doris kennen die Wünsche der Apoldaer für den letzten Weg ziemlich genau. Foto: Peter Hansen

Foto: zgt

Eine Firma aus Seehausen in der Altmark ermöglicht nun die Umgehung des kommunalen Friedhofszwangs. Damit wird es erstmals legal möglich, das, was von den Liebsten übrig bleibt, im eigenen Garten zu bewahren. Das Ganze nennt sich „Tree of Life“, also Baum des Lebens, und beinhaltet eine sogenannte Baumbestattung.

Die Asche kommt in das Erdsubstrat des Baumes

Das Prinzip, so erläutert der Apoldaer Bestatter Jürgen Meisezahl, ist relativ einfach: Die Asche des Verstorbenen wird in der Urne in die Schweiz, nach Tschechien oder in die Niederlande verschickt. Dort nämlich gibt es keine Beisetzungspflicht für Urnen. Dort findet in speziell gebundenen Unternehmen die „Vermählung“ der Asche mit dem Baum statt, sprich: die Asche wird in ein Erdsubstrat gegeben, in welches der zuvor ausgewählte Wunschbaum gesetzt wird. In einer speziellen Baumschule haben dann Baum und Erde mindestens ein halbes Jahr Zeit, die Mineralien und Nährstoffe aus der Asche aufzunehmen, dann kehrt der Baum mit den Beisetzungsdokumenten zum Bestatter zurück.

Doris und Jürgen Meisezahl sind ganz begeistert von der Methode. „Das ist die Rückkehr in den Kreislauf des Lebens“, schwärmt Doris Meisezahl. Ein Argument, dem sich viele anschließen werden. Aus der Grabpflege wird eine Baumpflege, den Platz der letzten Ruhe muss man sich nicht wie auf einem Friedhof mit vielen anderen teilen und der Angehörige ist immer nah, er „lebt“ quasi im Baum des Lebens weiter.

Dass Meisezahls von den Baumbestattungen überzeugt sind, hört man im Gespräch raus. Aber – sie sind auch Geschäftspartner der Seehäuser Firma Tree of Life. Die hat sich rechtzeitig die Rechte an den Baumbestattungen sichern lassen und „autorisierte Partnerunternehmen“ gesucht. Die Claims sind bereits fest abgesteckt. In Thüringen gibt es Partner für die Landkreise Gotha, Nordhausen und Saale-Holzland-Kreis, sowie für die Städte Jena und Weimar. Das Apoldaer Bestattungsunternehmen Meisezahl ist für das Weimarer Land und die Stadt Weimar autorisiert. Natürlich, so Jürgen Meisezahl, kann auch jeder andere Bestatter diese Dienstleistung vermitteln – aber eben nur über die gebundenen Geschäftspartner.

Immerhin vier Apoldaer haben sich in den letzten Wochen für eine Baumbestattung ihrer Angehörigen entschieden.

„Allee der Erinnerungen“ für Apolda?

Bleibt die Frage, wie tief die Angehörigen in die Tasche greifen müssen, wenn sie ihre Liebsten in den heimischen Garten holen wollen. Meisezahl nennt 1750 Euro – für den Baum, das „Vermählen“, die Notar- und die Transportkosten. Dazu kommen im Regelfall ab 1200 Euro für Sarg, Kremierung und die anderen Dienstleistungen im Todesfall.

Zum Vergleich: Eine anonyme Feuerbestattung kostet in Apolda etwa 1300 Euro, eine durchschnittliche Feuerbestattung 1500 bis 2000 Euro, die sich mit Steinmetz- und Friedhofsgebühren schnell auf 3000 bis 4000 Euro erhöhen kann.

Und wer nun keinen Garten hat, aber sich dennoch einen Baum des Lebens wünscht? Für Doris und Jürgen Meisezahl kein Problem. Schließlich lasse sich so ein Baum überall hin pflanzen, auch ins öffentliche Grün. Meisezahls gehen sogar so weit, dass sie mit dem Bürgermeister und dem Verein „Apolda blüht auf“ Kontakt aufnehmen wollen. Eine „Allee der Erinnerungen“ können sie sich als schöne Ergänzung zur Landesgartenschau vorstellen.

Ohnehin gehe der Trend schon seit Jahren in Richtung alternativer Bestattungsmethoden. „Der Schrei nach Naturbestattung“, so ist sich Bestatter Jürgen Meisezahl sicher, „ist der zivile Ungehorsam gegen den Friedhofszwang in Deutschland.“