Unzureichende Aufarbeitung der Ereignisse in Apolda im Herbst 1989

Leserbrief Detlef Zimmer erwartet zum 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum mehr

Leser Detlef Zimmer aus Apolda schreibt zum Beitrag „Wende-Erinnerung ohne Folklore“ (TA vom 6. November):

Gut ist, dass in Apolda 30 Jahre nach der „Wende“ (das ist ein Zitat von Egon Krenz, richtig muss es heißen „Revolution“) überhaupt dieses Ereignisses gedacht wird durch die Stadtverwaltung in Vertretung von Herrn Heerdegen.

Nicht gut finde ich die laut Berichterstattung aus meiner Sicht zum heutigen Zeitpunkt nur oberflächliche und unvollständige Erörterung der damaligen Ereignisse durch einige der im Artikel benannten anwesenden Zeitzeugen. Seit dem 1. Februar 1992 sind die Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR für persönliche und öffentliche Einsichtnahmen aller Art geöffnet, ebenso wie einschlägige (bis hin zu personengebundenen) Unterlagen der Parteien und Massenorganisationen z.B. im Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar. Da kann man in der Argumentation auf solchen Veranstaltungen einfach heute mehr verlangen, außer die mir schon vor 20 Jahren bei einer öffentlichen CDU-Veranstaltung im Schloss bekannt gewordenen Tonbandprotokolle. Zur nur kurz angerissenen Massendemonstration vom 6. November 1989 (organisiert vom Pfarrassistent Wieland Plicht aus Herressen-Sulzbach) liegt mir eine mehrseitige MfS-Einschätzung vom 7. November 1989 vor, die sich mit dem Einsatz von Sicherungskräften zur inoffiziellen Beschaffung von in der Demo geäußerten Meinungen beschäftigte. Mein schriftliches Angebot an Herrn Heerdegen, diese Dokumente (übrigens ungeschwärzt) für Ausstellungszwecke u.ä. zugängig zu machen, wurde von ihm ignoriert.

Fakt ist, dass von den heutigen Protagonisten in dieser Mfs-Wertung niemand als „Gegner“ der DDR benannt wurde.

Mit einer tatsächlichen gesellschaftlichen Aufarbeitung der Apoldaer (DDR-) Vergangenheit, nicht nur zur „Wendezeit“ ist es leider im öffentlichen Bewusstsein aktuell nicht weit her. Ich hätte letztlich gern vernommen, welcher der in der Lutherkirche am 4. November 2019 Anwesenden tatsächlich in der DDR schwerwiegende persönliche Repressalien und damit in Verbindung stehende nachgewiesene politische Verfolgung aufzuweisen hat !?

Es ist an der Zeit, zum aktuellen Jubiläum 900 Jahre Apolda nun endlich u.a. auch die DDR-Geschichte in Apolda umfassend zu recherchieren und zu Papier zu bringen in allen Facetten. Ich trage gern dazu bei. Es ist auch eine Schuld gegenüber den Systemopfern, die der Stalinismus auch im beschaulichen Apolda hinterlassen hat!

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.