Vielen Händlern im Weimarer Land steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals

Bad Sulza  Einzelhändler kämpfen im Lockdown um das nackte Überleben. Ein Beispiel aus Bad Sulza im Weimarer Land

Seit fast einem Monat darf Elke Meinhardt in ihrem Schuhhaus in Bad Sulza keine Kunden mehr empfangen. Dabei ist Geschäft und Lager voll mit Winterware, die nun nicht über den Ladentisch gehen kann.

Seit fast einem Monat darf Elke Meinhardt in ihrem Schuhhaus in Bad Sulza keine Kunden mehr empfangen. Dabei ist Geschäft und Lager voll mit Winterware, die nun nicht über den Ladentisch gehen kann.

Foto: Sascha Margon

Bad Sulza. Manchmal könnte Elke Meinhardt an der Situation verzweifeln. Doch dann zeigt sich die Inhaberin des Schuhhauses Mühmert in Bad Sulza wieder kämpferisch, versucht positiv in die Zukunft zu blicken und will mit aller Kraft die Krise durchstehen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Das geht allerdings nur solange das Geschäft nicht in die roten Zahlen rutsch. Vielen ihrer Kollegen steht das Wasser bereits jetzt bis zum Hals. Gerade jene Einzelhändler in Großstädten oder exponierter Lage, die hohe Mieten zahlen müssen, bleibt kaum noch Luft zum Atmen. Zumal sich viele noch nicht mal vom ersten Lockdown so richtig erholt haben.

Erst im November feierte das Geschäft in Bad Sulza nach der Wiedereröffnung 1990 als Schuhhaus das 30-Jährige Bestehen. Den Grundstein für das Familienunternehmen haben Elke Meinhardts Urgroßeltern bereits vor 120 Jahren mit einem Modegeschäft gelegt. „Mein Herz hängt an dem Laden, der mittlerweile in vierter Generation geführt wird und nun eventuell vor dem Aus steht“, sagt Meinhardt, die in Bad Sulza auch Vorsitzende des hiesigen Weinbauvereins ist.

Vor allem die staatlichen Unterstützungen seien kompliziert zu beantragen, lassen lange auf sich warten und decken keineswegs den eigentlichen Verlust ab, hört Meinhardt oft auch von ihren Berufskollegen. Gerade im saisonabhängigen Einzelhandel ist die Situation noch einmal komplizierter, weil die Läger voll seien mit Winterware, die nun nicht verkauft werden kann. Gleichzeitig ist die Ware bei den Lieferanten bereits bezahlt und kann auch nicht zurückgegeben werden.

„Wir müssen unsere Ware viele Monate im Voraus bestellen, so wie jetzt gerade die Frühjahrs- und Sommerkollektion. Gleichzeitig wissen wir gar nicht, wann wir wieder öffnen dürfen. Eine verfahrene Situation“, so die Geschäftsfrau.
Zudem richtet der boomende Onlinehandel weiteren Schaden für den Einzelhandel an: „Während die kleinen und mittelständigen Händler und Geschäfte gerade mächtig in die Röhre gucken, sahnen die bekannten Onlineriesen in diesen Zeiten eben richtig ab“, so Meinhardt. Dabei hat sie nichts gegen das Geschäft der digitalen Mitbewerber, allerdings sollten diese Firmen dann auch ihre Gewerbesteuern vor Ort zahlen und sich nicht ins steuerbegünstigte Ausland verziehen.

Dass nun seit Montag der kontaktlose Außerhausverkauf erlaubt wurde und nicht nur, wie bisher, Lieferservice, ist für Meinhardt auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal dieser schwierig umzusetzen ist. Denn einen Onlinehandel besitzt sie nicht.

In Bad Sulza läuft das Geschäft mehr oder weniger über das Telefon, soziale Medien oder per Kurznachrichtendienst ab. Dabei kommt der Geschäftsfrau zu Gute, dass sie, wie sie selber sagt, die Füße ihrer Stammkunden ganz gut kenne und dementsprechend diese auch aus der Ferne beraten kann.
Obwohl Elke Meinhardt dieser Tage also nicht wirklich die Zukunft planen kann, ihr die Hände in diesem Lockdown mit ungewissem Ende gebunden sind, will sie dennoch die Hoffnung nicht aufgeben und kämpft, wie viele ihrer Kollegen, um das nackte Überleben des Einzelhandels.