Volkshochschule Weimarer Land bietet 20 000 Stunden Unterricht

Apolda  Im 100. Jahr ihres Bestehens leistungsstark wie nie. Dennoch fehlt es an Kursleitern für die verschiedensten Angebote

Kataloge und Programmhefte aus 26 Jahren Geschichte zeigen hier KVHS-Leiterin Olga Vitzthum (rechts), ihr Stellvertreter Arnold Speiser und Fachbereichsleiterin Fanny Kratzer.

Kataloge und Programmhefte aus 26 Jahren Geschichte zeigen hier KVHS-Leiterin Olga Vitzthum (rechts), ihr Stellvertreter Arnold Speiser und Fachbereichsleiterin Fanny Kratzer.

Foto: Klaus Jäger

Der Start in das 100. Jahr ihrer Existenz war für die Volkshochschule Weimarer Land Anlass, den Angebotskatalog für das neue Schuljahr etwas anders zu gestalten als sonst. Und so finden sich neben den nach Themengebieten gegliederten Kursangeboten auch historische Einsprengsel. Vom Arbeitsplan aus dem Frühjahr 1919 über ein Bildnis des Gründervaters Pfarrer Gustav Thoelden bis hin zu Stadtratsbeschlüssen von 1949 entspinnt sich hier ein lockeres Kaleidoskop zur Geschichte.

Doch für Leiterin Olga Vitzthum, ihren Stellvertreter Arnold Speiser und Fachbereichsleiterin Fanny Kratzer, die den Katalog erstellten, sind natürlich die Bildungsinhalte wichtigste Bestandteile des Programmheftes. Doch auch die zeigen die Wandlung der Schule, nicht nur mit dem Blick auf die fernere Vergangenheit. Wurden beispielsweise im Jahr 1998 insgesamt 425 Kurse mit 6000 Stunden angeboten, so ist die Zahl der Kurse einigermaßen konstant geworden – das Stundenvolumen indes hat sich mehr als verdreifacht. Knapp 20 000 Stunden Unterricht bot die öffentliche Bildungseinrichtung im Vorjahr an.

Hintergrund sind die veränderten gesellschaftlichen Realitäten: Zum einen macht heute der Integrationsbereich rund zwei Drittel des Stundenvolumens aus, zum anderen ist im offenen Bereich die Stundenzahl je Kurs gesunken. Fanny Kratzer, die im Sprachenbereich vor allem für Englisch zuständig ist, macht das deutlich: Früher war ein 60-Stunden-Kurs zum Erwerb von Grundkenntnissen in einer Sprache Usus. Heute werden kaum noch Kurse gefragt, deren Stundenvolumen die 30 überschreitet. Aber nicht etwa, weil die Menschen leichter oder schneller lernen, sondern weil viele glauben, dass sie mit einem 30-Stunden-Kurs und den elektronischen Helferlein schon zurecht kommen.

Weil hinzu kommt, dass sich eben nicht mehr 90 Hörer für ein Angebot interessieren, steigt auch die Breite des Kursangebotes. Im Gesundheitsbereich geht es längst nicht mehr nur um Prävention. Selbst Pflegekurse für Angehörige werden Angeboten. Und auch an die Senioren wird gedacht. Nicht nur bei speziellen Sprach- und Computerkursen, sondern etwa auch beim Rollator-Führerschein. Vor dem übrigens braucht niemand Angst zu haben – der Unterricht dauert zwei Stunden und ist gebührenfrei.

Dennoch sind Gebühren für die Kreisvolkshochschule ein Dauerthema. Sie machen einen nicht unbeträchtlichen Teil der Einnahmen aus. Deswegen auch werden bei Kursen unter der Mindesteilnehmerzahl höhere Gebühren verlangt. Dass es dabei auch einen Mehrwert gibt – in kleinen Klassen lernt es sich leichter –, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Das Gros des Geldes indes kommt aus öffentlichen Geldern. So erhält die Kreisvolkshochschule relativ stabil um die 100 000 Euro jährlich vom Kreis Weimarer Land, ihrem Träger. Der Bund zahlt für die Integrationskurse, für einige, wie beispielsweise „Start Deutsch“ und „Start Bildung“ gibt auch der Freistaat Thüringen noch Geld dazu.

Die Kreisvolkshochschule Weimarer Land ist übrigens einzige in Thüringen, die über Verträge mit den Städten, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften Außenstellen betreibt. Und die tragen mit zur Leistungsfähigkeit bei. Mit unterschiedlichem Ergebnis. Während die Außenstellen in Magdala und Ilmtal-Weinstraße gut ausgelastet sind und auch die Kranichfelder als jüngste eine gute Entwicklung zeigt, verliert man in Bad Berka derzeit Kursteilnehmer. Auch in Buttelstedt/Berlstedt will man jetzt noch einmal die Arbeit wieder anstoßen.

Ein wirkliches Problem derzeit sind die Kursleiter, sagt Olga Vitzthum. Durchweg in allen Bereichen werden Kursleiter gesucht. Wer sattelfest in seinem Fach ist, der sollte sich trauen, empfiehlt sie. Auf Wunsch bietet die KVHS auch Weiterbildungen in Sachen pädagogischer Kompetenz an.

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