Weimarer Land: In Niederroßla wird Millionendeal besiegelt

Landkreis  In der Wasserburg Niederroßla wurden die Verträge mit der Telekom zum Netzausbau mit Glasfaser unterschrieben

Über drei Jahre nahmen die Vorbereitungen für die Vertragsunterzeichung zum Netzausbau mit dem zukunftsfähigen Glasfaser in Anspruch.

Über drei Jahre nahmen die Vorbereitungen für die Vertragsunterzeichung zum Netzausbau mit dem zukunftsfähigen Glasfaser in Anspruch.

Foto: Sascha Margon

Über drei Jahre sind mittlerweile für das ambitionierte Vorhaben ins Land gegangen. Gestern nun konnte im Saal der Wasserburg Niederroßla der Vertrag mit der Telekom für den Ausbau des schnellen Glasfasernetzes in Apolda und in großen Teilen des Landkreises unterschrieben werden. Und wie es sich dabei auf dem Land gehört, wurde vom Burg- und Heimatverein eigens für den feierlichen Akt eine Kaffee- und Kuchentafel vorbereitet. Die Unterschriften, die dort in historischem Gemäuer aufs Papier gebracht wurden, werden nicht wenige Menschen betreffen. Immerhin geht es um den Ausbau der schnellen Datenautobahnen im halben Landkreis. Dazu gehören neben Apolda und seinen Ortsteilen auch die Gemeinde Ilmtal-Weinstraße, die Landgemeinde Stadt Bad Sulza (ebenfalls mit ihren Ortsteilen), sowie die Gemeinden Kromsdorf, Eberstedt, Großheringen, Niedertrebra, Schmiedehausen und die Saaleplatte. Ein echtes Mammutprojekt, für das bereits Mitte 2016 die ersten Gespräche geführt wurden.

Schon in der frühen Planungsphase war dabei schnell klar, dass nur ein gemeinsames Agieren das Großprojekt sicher voran bringen kann. Als sogenannter Clusterführer bot sich damals die Gemeinde Ilmtal-Weinstraße an. Genau dort trudelte unlängst auch der lange erwartete Fördermittelbescheid ein. Konkret geht es um 1,812 Millionen Euro Bundes- und 1,844 Millionen Euro Landesmittel. Als Eigenanteil müssen die Gemeinden zehn Prozent der Gesamtsumme aufbringen. Im Fall von Bad Sulza und Apolda springt bei diesem Posten der Freistaat ein, da sich beide Städte noch in der Haushaltskonsolidierung befinden.

Ursprünglich drei Bewerber für Auftrag

Die endgültigen Kosten sind das Resultat der Bietergespräche im letzten Jahr. So konnte die Gemeinde Ilmtal-Weinstraße als Clusterführer im April 2018 einen europaweiten Teilnahmewettbewerb ausschreiben. Der ergab drei Telekommunikationsunternehmen, die für die Ausführung des Projekts infrage gekommen wären.

Während sich einer der Bieter bereits frühzeitig wieder aus dem Rennen verabschiedete, bekam am Ende die Deutsche Telekom (für 3,69 Millionen Euro) den Zuschlag, weil sie neben der Thüringer Netkom (7,5 Millionen Euro) der deutlich günstigere Anbieter war.

All die Arbeit hat ein Ziel: Der Ausbau der bis dato unterversorgten Gebiete. Als unterversorgt gelten dabei alle Anschlüsse, die eine geringere Datenrate als 30 Megabit pro Sekunde haben. Neben den Privathaushalten profitieren auch Schulen, Betriebe und öffentliche Einrichtungen davon, wie die Gemeindeverwaltung in Pfiffelbach. Hier quälen sich bis heute die Mitarbeiter mit Datenraten herum, die schon in manchem Entwicklungsland als nicht mehr zeitgemäß gelten.

Bis alle betroffenen Haushalte von dem Ausbau mit Glasfaser bis ins Haus mit Datenraten bis zu 100 Mbit/s profitieren, werden allerdings noch Monate, wenn nicht Jahre ins Land gehen, erklärt Bauamtschef und Clusterbeauftragter Ronny Funk von der Ilmtal-Weinstraße, der bei dem Großprojekt den Hut auf hatte. „Wir werden in nächster Zeit Tiefbauarbeiten in echten Größenordnungen erleben. Leider ist der Markt mit entsprechenden Firmen derzeit recht übersichtlich“, so Funk.

Soll heißen, man muss erst einmal die Firmen finden, die die neuen Leitungen in die Erde bringen. Insgesamt sollen über 150 Kilometer Leitungen verlegt und 34 neue Netzverteiler aufgestellt werden. Gebaut werden soll in einzelnen Abschnitten, um die Beeinträchtigungen gering zu halten.

Funk könnte sich vorstellen, dass zuerst die Kreisstadt und die Kurstadt an der Reihe sind, weil es in beiden Fällen die meisten Haushalte betrifft. Im Zuge dessen soll es in diesem Jahr eine Neuauflage der Zweckvereinbarung zwischen allen involvierten Gemeinden und Städten geben. Unterm Strich profitieren weit über 500 private Objekte (Ein- oder Mehrfamilienhäuser) und 19 Schulen von dem Ausbau. Zudem haben bisher knapp 90 Gewerbetreibende und öffentliche Einrichtungen ihr Interesse bekundet, künftig eine Glasfaserleitung bis ins Haus haben zu wollen.

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